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DFB vs. Niederlande: Doppelter Gomez, ideenlose Niederlande

Foto: VASILY FEDOSENKO/ REUTERS

EM-Sieg gegen Niederlande Danke, Gomez!

Hinten sicher, vorne effektiv: Rechtzeitig zum EM-Klassiker gegen die Niederlande hat die deutsche Nationalmannschaft ihre Form wiedergefunden. In einer phasenweise furiosen Partie schenkte Mario Gomez der DFB-Elf mit zwei Toren den Sieg. Nun ist das Viertelfinale ganz nah.

Beim zweiten Tor jubelte er kaum noch. Mario Gomez fuhr sich lässig durch die Haare, mehr nicht. Dann liefen seine Mannschaftskameraden auf ihn zu - und feierten ausgelassen. Im Länderspiel-Klassiker zwischen der deutschen Nationalmannschaft und den Niederlanden waren erst 38 Minuten gespielt, doch Gomez war bereits der Mann des Abends. Am Ende gewann die DFB-Auswahl dank seiner beiden Tore (24. Minute/38.) ihr zweites EM-Gruppenspiel 2:1 (2:0) und ist dem Viertelfinale nun ganz nah.

In der Gruppe B liegt die deutsche Nationalmannschaft mit sechs Punkten auf Rang eins, gefolgt von Dänemark und Portugal. Die Niederlande müssen nach der zweiten Turnier-Niederlage mehr denn je ums Weiterkommen bangen. Im Duell mit dem Erzrivalen war die "Elftal" am Ende chancenlos - trotz des Anschlusstreffers von Robin van Persie (73.).

"Das Spiel war hart umkämpft, intensiv. In manchen Phasen hat beiden Teams die Kraft gefehlt. Aber am Ende glaube ich, waren wir der verdiente Sieger", sagte Bundestrainer Joachim Löw. Mark van Bommel, Kapitän der Niederlande, sagte: "Am Ende war es nicht genug. Wir hatten uns das anders vorgestellt."

Bei vorhergesagten 30 Grad Celsius in Charkiw hatten etliche Medien ein "heißes Duell" herbeigeschrieben. Und die Partie enttäuschte die hohen Erwartungen nicht. Nach einem langen Ball von Mark van Bommel verschätzte sich zunächst Mats Hummels. Im Rücken des BVB-Verteidigers schlich sich Persie davon, scheiterte aber am deutschen Nationaltorhüter Manuel Neuer (7.). Deutschland war unbeeindruckt. Mesut Özil probierte es mit einer Direktabnahme, sein Schuss landete am Pfosten (8.).

Gomez verwertet Traumpässe von Schweinsteiger

Das Tempo blieb weiter hoch. Robben, der auf der rechten Seite auf seinen Mannschaftskollegen vom FC Bayern, Philipp Lahm traf, bediente Persie, doch der Stürmer vom FC Arsenal verfehlte sein Ziel deutlich (11.). Sieben Minuten später klärte Hummels in höchster Not vor Persie, der auf eine Affelay-Flanke wartete.

Das Spiel verlagerte sich nun ins Mittelfeld. Die deutsche Elf empfing Wesley Sneijder und Co. früh und wartete auf Konter. Schon den ersten sollte sie nutzen. Der nach dem Auftaktspiel viel kritisierte Bastian Schweinsteiger hebelte die gegnerische Abwehr aus, passte auf Gomez - und der Bayern-Stürmer versenkte den Ball frei vor Maarten Stekelenburg zum 1:0 (24.).

Oranje war angeschlagen. Die Niederländer mussten nach der Auftaktpleite gegen Dänemark (0:1) unbedingt eine weitere Niederlage verhindern. Doch Robbens Weitschuss war kein Problem für Neuer (26.). Mit weiteren Chancen tat sich die "Elftal" schwer. Zu sicher stand Deutschland in Abwehr und Mittelfeld.

Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw beschränkte sich auf wenige Offensivaktionen. Aber die hatten es in sich. Özil bediente mit einem Freistoß Holger Badstuber. Der Bayern-Verteidiger kam im Fünfmeterraum völlig frei zum Kopfball, zielte aber genau auf Torhüter Stekelenburg (37.). Nur eine Minute später ärgerte sich beim DFB niemand mehr über die vergebene Großchance.

Wieder kam Schweinsteiger in Strafraumnähe an den Ball. Der 27-Jährige bediente erneut Gomez, der Stekelenburg diesmal aus spitzem Winkel überwand: 2:0 (38.). Während Löw an der Seitenlinie vor Freude fast aufs Feld stürmte, fuhr sich Bert van Marwijk entsetzt über die Stirn. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hätte zu allem Überfluss beinahe noch Robben einen Schweinsteiger-Freistoß zum 0:3 ins eigene Tor gelenkt (45+1.).

Persie überwindet Neuer

Deutschland blieb auch in der zweiten Hälfte das bessere Team - ungeachtet der Einwechslungen von Rafael van der Vaart und Klaas-Jan Huntelaar. Hummels spazierte in der 52. Minute durch das gegnerische Mittelfeld, scheiterte aber dann gleich zweimal an Stekelenburg.

Die Niederlande brauchten bis zur 58. Minute, um wieder gefährlich zu werden. Robben bediente Persie, der Neuer mit einer Direktabnahme prüfte. Abermals parierte der deutsche Torwart sicher. Kurz darauf probierte es der bis dahin schwache Sneijder aus der Distanz (61.). Sein Schuss war bereits Ausdruck von Resignation.

Als sich Jérôme Boateng zehn Minuten später in einen weiteren Abschluss des Stars von Inter Mailand warf, schien niemand mehr an ein Comeback der Niederländer zu glauben. Dann schnappte sich Persie den Ball, zog in Richtung Strafraum - und überwand Neuer mit einem satten Schuss aus 17 Metern (73.). Der Treffer zeigte Wirkung. Deutschland war verunsichert, Oranje versuchte noch einmal alles. Mehr als ein harmloser Weitschuss von van der Vaart (85.) sprang aber nicht dabei heraus.

Für Deutschland steht am kommenden Sonntag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) das letzte Gruppenspiel gegen Dänemark an. Der DFB-Elf reicht bereits ein Punkt für das Viertelfinale. "Wir haben den zweiten Schritt gemacht", sagte Schweinsteiger. "Wir wollen auch gegen Dänemark gewinnen."

Niederlande - Deutschland 1:2 (0:2)
0:1 Gomez (24.)
0:2 Gomez (38.)
1:2 Persie (73.)
Niederlande: Stekelenburg - van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, Willems - Bommel (46. van der Vaart), Nigel de Jong - Robben (ab 83. Kuijt), Sneijder, Afellay (ab 46. Huntelaar) - Persie
Deutschland: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger, Khedira - Müller (ab 90.+2 Lars Bender), Özil (ab 81. Toni Kroos), Podolski - Gomez (ab 72. Klose)
Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden)
Zuschauer: 37.750
Gelbe Karten: de Jong, Willems - Boateng

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