SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. Juni 2012, 13:59 Uhr

DFB-Elf vor Halbfinale

"Italien kann kommen"

Optimal trainiert, auf alle Eventualitäten vorbereitet: Vor dem EM-Halbfinale gegen Italien strahlt die deutsche Nationalmannschaft Zuversicht aus. Die WM-Pleite 2006? Kein Problem. Die Statistik? Egal. Bundestrainer Löw schließt erneute Wechsel in der Startelf nicht aus.

Hamburg - Beim DFB ist alles perfekt geplant. Das Halbfinal-Duell mit Italien sowieso, die Abendgestaltung für das Team auch. Bei der Pressekonferenz in Danzig, der letzten, bevor es nach Warschau geht, gab es die Ankündigung, dass für die Nationalmannschaft am Dienstag eine Kinovorführung organisiert wird. Lahm, Özil und Co. können sich die Comic-Verfilmung "The Amazing Spiderman" ansehen, wenn sie denn möchten, schon einige Tage vor dem offiziellen Kinostart.

Es ist eine Randnotiz im Vorbereitungsmarathon des DFB auf das Semifinale gegen Italien am Donnerstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), aber sie wird genauso staatstragend verkündet wie anderes auch. Schließlich gibt es im Vergleich zur Pressekonferenz vom Montag, als Torwarttrainer Andreas Köpke zum möglichen Einsatz von Bastian Schweinsteiger Stellung nahm, nicht viel anderes zu berichten.

Die Zuversicht, die ist weiter groß, am schnörkellosesten verdeutlicht von Miroslav Klose: "Italien kann kommen." Der Nationalstürmer hatte viel damit zu tun, Fragen nach deutsch-italienischen Klischees zu beantworten, durfte dann aber auch noch Sätze sagen wie: "Wir haben sehr gut trainiert und sind gut vorbereitet", sowie "Wir sind auf alles gut vorbereitet".

Großer Respekt vor Pirlo

Auf alles, also auch auf unterschiedliche taktische Formationen des Gegners, wie Bundestrainer Joachim Löw bestätigte. "Wir haben Italien gegen England beobachtet und auch davor. Taktisch umzustellen macht Italien besser als alle anderen." Egal, also ob 3-5-2 oder 4-4-2, Deutschland will "agieren, statt reagieren", so Löw.

Und die lästigen Hinweise auf das verlorene Halbfinale bei der WM 2006 im eigenen Land bügelten Löw und Klose locker ab. "Es wäre Schwachsinn, von einem Knacks zu reden", sagte Klose. "Im Fußball gibt es so etwas wie Revanche nicht", findet sein Trainer, und dass Deutschland bei einer EM oder WM noch nie gegen Italien gewinnen konnte, spiele doch "für unsere jungen Spieler überhaupt keine Rolle."

Rückendeckung für Schweinsteiger

Der Respekt ist dennoch groß. Vor dem Gegner im Allgemeinen, vor Andrea Pirlo im Speziellen. "Pirlo erlebt eine Renaissance. Er ist ein genialer Stratege", lobte Löw den Mittelfeldspieler von Juventus Turin, der im Team von Cesare Prandelli der zentrale Mann für die Schnittstelle zwischen Offensive und Defensive ist. "Wir müssen seine Pässe verhindern. Aber sicher nicht mit einer Manndeckung."

Stattdessen wolle man sich auf sich selbst konzentrieren. "Wir haben eine super Mannschaft. Wenn wir unsere Leistung abrufen, sind wir schwer zu schlagen", sagte Klose. Löw dachte da eher an die Aufstellung gegen Italien. "Es ist durchaus möglich, dass es Änderungen im Vergleich zum Griechenland-Spiel gibt." Beim 4:2 (1:0)-Sieg hatte er mit Klose, Marco Reus und André Schürrle überrascht, ließ für das Trio Lukas Podolski, Thomas Müller und Dreifach-Torschütze Mario Gomez auf der Bank.

Nun könnte sich das wieder ändern. "Italien ist eine ganz andere Hausnummer. Wir müssen noch einmal einen draufsetzen, um das Spiel zu gewinnen." Seinen Platz sicher haben dürfte Bastian Schweinsteiger. Um den Bayern-Profi hatte es nach seiner schwachen Leistung im Viertelfinale Diskussionen gegeben. "Wir brauchen Bastian Schweinsteiger. Er ist ein emotionaler Leader. Ein Spieler, der immer mitdenkt", sagte Löw.

chp

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung