Frankreichs Niederlage gegen Schweden Zur Strafe Spanien

Frankreichs Niederlage im abschließenden Gruppenspiel gegen Schweden beschert der Grande Nation im Viertelfinale ein Duell mit Spanien. In der derzeitigen Verfassung scheint ein Sieg der Equipe Tricolore gegen den Welt- und Europameister schier unmöglich.

AFP

Aus Kiew berichtet


Mit gesenkten Köpfen und hängenden Schultern verließen Frankreichs Nationalspieler den Rasen im Olympiastadion von Kiew. Es hatte den Eindruck, als gingen hier mal wieder die Vertreter einer gescheiterten Grande Nation vom Feld. Die Franzosen hatten zuvor mit der 0:2-Niederlage gegen die bereits ausgeschiedenen Schweden den Gruppensieg leichtfertig verspielt.

Doch Frankreichs Trainer Laurent Blanc, angetreten, um die Schmach der WM 2010 in Südafrika zu beseitigen, hat mit der Equipe Tricolore immerhin das Minimalziel erreicht. "Als ich die Mannschaft übernommen hatte, hätten alle das Erreichen des Viertelfinales unterzeichnet", sagte Blanc nach der Partie, "dem sollten sich alle bewusst sein, auch wenn wir es einfacher hätten haben können."

Die schwache Vorstellung seines Teams gegen Schweden ist mit dem schwerstmöglichen Gegner im Viertelfinale bestraft worden - Frankreich trifft am Samstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den Welt- und Europameister Spanien. Einziger Vorteil: Die in Donezk untergebrachten Franzosen ersparen sich den Reisestress, gespielt wird in der ihnen vertrauten Arena.

Innenverteidiger Mexès fehlt gegen Spanien

Doch man brauchte nur in Blancs Gesicht zu blicken, um zu erahnen, dass ein Team wie Spanien für die Franzosen wohl zu früh kommt. "Eigentlich liegt uns ein Gegner, der selbst die Initiative ergreift mehr", sagte der 46-jährige Teamchef, "aber das Problem gegen Spanien wird sein, dass wir nicht oft den Ball haben werden."

Mit dem Ausfall von Innenverteidiger Philippe Mexès, der sich eine überflüssige Gelb-Sperre einhandelte, fehlt gegen Spanien zudem noch einer der wichtigsten Stabilisatoren der Abwehr. Keeper Hugo Lloris in Weltklasseform wird kaum reichen, um die spanischen Offensive zu stoppen - das weiß auch Blanc. Es klang nach Zweckoptimismus, als der Trainer verkündete, "ab sofort jeden Tag ein bisschen zuversichtlicher" zu sein. Und ergänzte: "Die Kroaten haben gezeigt, wie man gegen Spanien spielt."

Aber zu der unbequemen, weil körperbetonten Spielweise der Kroaten haben viele der französischen Nationalspieler gar nicht die Konstitution. Hat Frankreich trotzdem eine Chance gegen Spanien? "Natürlich!", sagte Franck Ribéry. "Es wird schwierig, aber wir haben vier Tage zur Regeneration. Wir müssen uns zusammensetzen und alles besprechen. Wir sind alle traurig, aber nicht geschockt."

Der Offensive fehlt die Durchschlagskraft

Gleichwohl hat auch der Bayern-Star schon bessere Tage erlebt; immer wieder rannte sich Ribéry gegen Schweden fest. Das französische Kardinalproblem: Ist die Defensive unter Blanc zumeist gut organisiert, so wirkt die Offensive oft nicht eingespielt. Pass- und Laufwege stimmen nicht, die begabten Individualisten Nasri und Benzema kreieren zu wenige Chancen.

Blanc hat all das in der Partie gegen die Skandinavier genau registriert. Und er hatte genau mitgezählt. Als in der Pressekonferenz die Frage aufkam, wie er sich nach der zweiten Niederlage in seiner zweijährigen Amtszeit fühle, hob der französische Trainer schnell die rechte Hand. Zeigte drei Finger und korrigierte: "Troisième!" Es sei bereits die dritte gewesen. Es wäre verwunderlich, würde am Samstag nicht gleich die vierte folgen.

Schweden - Frankreich 2:0 (0:0)
1:0 Ibrahimovic (54.)
2:0 S. Larsson (90.+1)
Schweden: Isaksson - Granqvist, Mellberg, J. Olsson, M. Olsson - A. Svensson (79. Holmén), Källström - S. Larsson, Bajrami (46. Wilhelmsson) - Ibrahimovic - Toivonen (78. Wernbloom)
Frankreich: Lloris - Debuchy, Rami, Mexès, Clichy - A. Diarra - Nasri (77. Ménez), M'Vila (83. Giroud) - Ben Arfa (59. Malouda), Ribéry - Benzema
Schiedsrichter: Proenca (Portugal)
Zuschauer: 63.010
Gelbe Karten: A. Svensson, Holmén - Mexès (gesperrt)



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Klaus.Freitag 20.06.2012
1. équipe tricolore?
Zitat von sysopAFPFrankreichs Niederlage im abschließenden Gruppenspiel gegen Schweden beschert der Grande Nation im Viertelfinale ein Duell mit Spanien. In der derzeitigen Verfassung scheint ein Sieg der Équipe Tricolore gegen den Welt- und Europameister schier unmöglich. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,839877,00.html
Immer wieder dieser Begriff équipe tricolore- gehen Sie mal nach Frankreich und sagen, Sie möchten ein Trikot der "équipe tricolore" kaufen- kein Mensch wird wissen, was Sie wollen. Das Synonym "équipe tricolore" für die französische Fussballnationalmannschaft ist eine Erfindung deutscher Kommentatoren und in Frankreich gänzlich unbekannt.
korbo 20.06.2012
2. Mag sein ..
.. das kaum jemand in Frankreich diesen Begriff benützt, so wie auch kein Deutscher nur von "Mannschaft" spricht wie die Franzosen es mit "le mannschaft" tun. Aber es gibt vielleicht wichtigeres und schlimmeres als solche sprachliche Besonderheiten, ne ?
garino 20.06.2012
3.
Ich kann Herrn Freitag nur zustimmen! Im Übrigen kann man den Franzosen und ihren arroganten Eliten viel nachsagen, aber KEIN MENSCH nennt sich dort "grande nation"! Das ist auch so ein hartnäckiger Blödsinn deutscher Journalisten. Leute, die est nervt, daß Deutsche immer wieder mit der Nazizeit in Verbindung gebracht wird, sollten ihre eigenen Praktiken vielleicht auch hinterfragen. Französosche Journalisten (ganz sicher nicht die besten!) nennen die DFB-Elf übrigens "la Mannschaft", und sind damit deutlich näher an der Wahrheit als die deutsche Journaille mit ihrer "équipe tricolore, die für die "grande nation" spielt. Nur zu ihrer Info -- man soll ja von Journalisten nicht zuviel Recherchearbeit verlangen --: Die französischen Nationalmannschaften heißen "les bleus" oder "les bleues", je nachdem, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Das Land ist "la nation" oder "le pays" oder einfach "la France", im geografischen Sinne oft auch "l'hexagone" genannt, wegen seiner grob sechseckigen Form. Viele Grüße aus Paris
satissa 20.06.2012
4. Wichtigeres
Zitat von korbo.. das kaum jemand in Frankreich diesen Begriff benützt, so wie auch kein Deutscher nur von "Mannschaft" spricht wie die Franzosen es mit "le mannschaft" tun. Aber es gibt vielleicht wichtigeres und schlimmeres als solche sprachliche Besonderheiten, ne ?
Dieses Thema ist wichtiger als die Ursache der Diskussion, der Fussball, denn es sagt viel über die Haltung und Einstellung aus. SPON läßt keine Gelegenheit aus, um spöttisch und überheblich über Frankreich zu berichten. Beispiel: der Begriff "La Grande Nation". In Frankreich wurde der Ausdruck zuletzt von de Gaulle nach der Niederlage Frankreichs gegen (Nazi) Deutschland benutzt, um den Widerstand zu mobilisieren. Danach geistert er nur noch in den deutschen Medien herum, aber selten in Anerkennung irgendwelche Leistungen.
Bee1976 20.06.2012
5. wow
4 Postings, nichts zum Thema Respekt. @Topic Warum sollte Frankreich keine Chance haben ? Spanien ist ebenso verletzungsgeschwächt, wirkt recht satt und in der Defensive wackelig. Wenn die Franzosen beherzt nach vorne spielen, haben sie eine gute Chance.
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