EM 2012 Italiens Angst vor dem Aus

Bloß nicht schon wieder: Italien droht bei der EM nach dem unnötigen Remis gegen Kroatien das Vorrunden-Aus - genau wie bei der WM 2010. Um die Chance auf das Viertelfinale zu wahren, muss nun unbedingt ein Sieg gegen Giovanni Trapattonis Iren her.

Nationalspieler Marchisio: Sieg gegen Kroatien verspielt
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Nationalspieler Marchisio: Sieg gegen Kroatien verspielt


Hamburg - Mittelfeldregisseur Andrea Pirlo blickte frustriert zur Anzeigetafel hinauf, seine Mitspieler gingen mit hängenden Köpfen vom Rasen. Nach dem 1:1 (1:0) gegen Kroatien herrschte bei der italienischen Nationalmannschaft eine Mischung aus Enttäuschung, Frust und Angst. Der "Squadra Azzurra" droht bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine nicht weniger als ein Desaster.

"Wir werden kämpfen bis zuletzt", sagte Italiens Trainer Cesare Prandelli und versuchte, nicht allzu konsterniert zu wirken. Doch die Lage ist ernst. Mit nur zwei Punkten aus zwei Spielen liegt Prandellis Team auf Rang drei in der Gruppe C. Das Aus in der Vorrunde droht - und damit die Wiederholung des WM-Debakels von 2010, als Italien ohne einen Sieg gescheitert war.

Schuld daran ist ein Remis der unnötigen Sorte. Das Spiel, sagte Prandelli, "war eine gute Gelegenheit, aus der wir zu wenig gemacht haben". Nach der überzeugenden Leistung beim 1:1 gegen Weltmeister Spanien zum Auftakt enttäuschte der Weltmeister von 2006 gegen Kroatien vor allem in der zweiten Hälfte.

Nach dem Wiederanpfiff versuchte die Mannschaft nur noch, die Führung durch Andrea Pirlo (39. Minute) zu verteidigen. Spielverderber für die Italiener, die die erste Hälfte mühelos kontrolliert hatten, war Kroatiens Mario Mandzukic, dem der Ausgleich gelang (72.).

Prandelli glaubt an Happy End

Prandelli kritisierte die Passivität seiner Mannschaft: "Wir haben zu wenig gewagt." Seine Aussagen klangen allerdings etwas bemüht: "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie zusammenhält und ein gutes Gleichgewicht hat." Viel war davon gegen Kroatien nicht zu sehen.

Bemerkenswert war vor allem, wie Prandellis Spielern mit zunehmender Spieldauer die Kräfte schwanden. Während die Kroaten mühelos das Tempo erhöhen konnten, waren Mario Balotelli und Co. sichtlich angeschlagen. Der Stürmer von Manchester City war gemeinsam mit Antonio Cassano erneut glücklos in der Offensive geblieben und musste in der 69. Minute Antonio di Natale weichen.

Jetzt müssen die Italiener im letzten Gruppenspiel unbedingt gewinnen. Dann geht es ausgerechnet gegen die von der italienischen Trainerlegende Giovanni Trapattoni betreuten Iren, die nach dem 0:4 (0:1) gegen Spanien am Donnerstagabend als erstes Team der EM ausgeschieden sind.

Das ist eine nette Anekdote, aber die sportliche Aufgabe scheint machbar. Irland blieb sowohl gegen Kroatien als auch gegen Spanien den Nachweis hoher europäischer Klasse schuldig. Die Defensive wirkt schon bei durchschnittlich schnellem Kurzpassspiel anfällig, der eigene Spielaufbau gerät gerne mal rustikal. Und echte Torgefahr entwickelte die Mannschaft bei dem Turnier bisher nur nach Standardsituationen.

Prandelli ist sich sicher, die Aufgabe meistern zu können: "Wir glauben an unsere Fähigkeiten." Reichen die am Ende auch gegen Irland nicht zu einem Sieg, hätten sich Italien das EM-Aus redlich verdient.

Italien - Kroatien 1:1 (1:0)
1:0 Pirlo (39.)
1:1 Mandzukic (72.)
Italien: Buffon - Bonucci, De Rossi, Chiellini - Pirlo - Marchisio, Motta (62. Montolivo) - Maggio, Giaccherini - Balotelli (69. Di Natale), Cassano (83. Giovinco)
Kroatien: Pletikosa - Srna, Corluka, Schildenfeld, Strinic - Vukojevic, Modric - Rakitic, Perisic (68. Pranjic) - Jelavic (83. Eduardo), Mandzukic (90.+4 Kranjcar)
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer: 37.096
Gelbe Karten: Motta, Montolivo - Schildenfeld

chp/dpa/sid



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
urach 14.06.2012
1.
... aber wer die Iren und die Italiener gesehen hat, kann doch nicht ernsthaft daran zweifeln, dass die Italiener gewinnen und dann 5 Punkte haben. Und die Kroaten haben gegen Spanien doch keine Chance. Der Artikel dreht doch eine Locke auf ner Glatze...
hfftl 14.06.2012
2. Dumme Situation
Die Italiener stecken nun in der gleichen Situation wie 2004, sie sind vom Ausgang des Parallelspiels Spanien-Kroatien abhängig. Gibt es dort einen Sieger oder endet es 0:0, reicht ihnen ein einfacher Sieg gegen Irland. Endet es 1:1, müssten sie mindestens drei Tore schießen, woran man nach den bisherigen Spielen nicht so recht glauben mag. Und geht es 2:2 aus (wie 2004 die Partie Schweden-Dänemark), könnten sie gegen Irland auch mit 8:0 gewinnen und wären trotzdem draußen.
jomorra 15.06.2012
3. so ist es halt...
selber schuld, wer so rotzig in der zweiten hälfte spielt, der fliegt wohl raus! was nicht heißen will, dass die kroaten tatsächlich ein gutes spiel hingelegt haben. Deren spielzüge waren sicherlich mehr als nur lachhaft. italien hat sich mal wieder selbst geschlagen, durch faulheit u arroganz. traurig und unnötig...
username987 15.06.2012
4. und dann geht die EM richtig los...
fussball macht erst dann richtig spass, wenn die italiener ausgeschieden sind, ESP - CRO spielen unentschieden, ciao bellos, wahrscheinlich habt ihr ja auf euer ausscheiden gewettet, faccias di culo
shokaku 15.06.2012
5. Hier könnte ein Titel stehen
Zitat von sysopAFPBloß nicht schon wieder: Italien droht bei der EM nach dem unnötigen Remis gegen Kroatien das Vorrunden-Aus - genau wie bei der WM 2010. Um die Chance auf das Viertelfinale zu wahren, muss nun unbedingt ein Sieg gegen Giovanni Trapattonis Iren her. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,838972,00.html
Nö. Ein Sieg gegen das schwächste Team dieser EM im letzten Gruppenspiel, und sie sind fast sicher weiter, und können zusehen, wie sich Spanier und Kroaten um den anderen Platz im Viertelfinale streiten. Da müsste schon einiges schief laufen um die Italiener ausscheiden zu lassen.
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