In diesen Tagen war beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sehr viel von der Farbe Grün die Rede. Der Trikothersteller durfte auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz das neue grüne Jersey der Nationalmannschaft bejubeln. DFB-Manager Oliver Bierhoff fand lobende Worte für einen Energiekonzern, der den DFB mit grünem Strom versorgt. Dabei sind die Nationalspieler, denen Bundestrainer Joachim Löw bei diesem EM-Turnier vertraut, alles, aber eines ganz bestimmt nicht: grün hinter den Ohren.
Löw schickt zum EM-Auftakt gegen Portugal am Samstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wahrscheinlich zehn Profis auf den Platz, die auch schon beim WM-Beginn vor zwei Jahren in Südafrika in der Startelf standen. Manuel Neuer, Philipp Lahm, Holger Badstuber, Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Lukas Podolski, Mesut Özil, Thomas Müller und Miroslav Klose - sie alle waren bereits dabei, als mit dem 4:0 über Australien die Tür zu einem dann begeisternden Turnierverlauf geöffnet wurde.
Lediglich der ehemalige Herthaner Arne Friedrich, der mittlerweile in den USA aktiv ist, wird fehlen. Er wird wohl durch den Münchner Jérôme Boateng ersetzt. Wobei auch Boateng alles andere als ein Neuling ist: Ab Ende der Vorrunde gehörte auch er zum WM-Stamm.
Schweinsteiger ist der Wackelkandidat
Löws Mannschaft ist eingespielt, die Automatismen sitzen. Doch wo ein Vorteil ist, ist auch stets ein Nachteil, wie es der Fußball-Philosoph Johan Cruyff einmal ausdrückte. Dieses Team ist zwar zwei Jahre älter geworden, es sind aber auch nicht alle zwei Jahre besser geworden.
Einige jedoch schon: Özil und Khedira haben sich bei Real Madrid geradezu explosionsartig weiterentwickelt, sind heute Führungsspieler. Bayerns Badstuber ist zum Klasse-Verteidiger gereift, Teamkollege Neuer mittlerweile die unumstrittene Nummer eins im Tor. Dass dies 2010 noch nicht der Fall war, ist heute fast vergessen.
Aber da gibt es auch die anderen: Schweinsteiger und Mertesacker sind nach ihren Blessuren noch nicht ganz in Form gekommen. Schweinsteiger hat eine Saison hinter sich, die geprägt war von Verletzungspausen. Er hat seit dem vergangenen Herbst eigentlich nie so recht seinen Rhythmus finden können. Der Münchner hat danach immer wieder betont, er fühle sich fit, er sei einsatzbereit.
In der Rückrunde suchte man den Dominator Schweinsteiger trotzdem vergeblich. Er soll diese Rolle ausgerechnet bei der EM, dem Saisonhöhepunkt, wiederfinden. Schweinsteiger ist deshalb auch von all den WM-Fahrern der größte Wackelkandidat, wenn es um die Startaufstellung gegen die Portugiesen geht.
Zweifel an Podolski und Klose gibt es vor jedem Turnier
Müller war 2010 die Unbekümmertheit in Person, ein Unbekannter im Weltfußball, ein Unausrechenbarer für die gegnerischen Teams. Diesen Freiraum hat der Bayern-Youngster nach Belieben genutzt, er hat ihn zum Torschützenkönig des Turniers werden lassen. Es ist ihm danach schwer gefallen, diese fast naive spielerische Art zu bewahren. Müller hat großartige Länderspiele abgeliefert, er ist aber auch zuweilen abgetaucht. Er ist daher 2012 ein Überraschungspaket, diesmal aber für das eigene Team. Die Gegner haben ihn mittlerweile auf dem Zettel.
Zweifel an den Routiniers Podolski und Klose gibt es ohnehin vor jedem Turnier. Bisher mussten die Zweifler ihre Kritik anschließend meistens kleinlaut zurücknehmen. Eine Selbstverständlichkeit, dass beide auch bei dieser EM ins Rollen kommen, ist das aber auch nicht.
Joachim Löw weiß das alles. Er vertraut den Spielern trotzdem. Das ist sein Prinzip, das ist 2010 voll aufgegangen. Er sieht keinen Grund, davon abzurücken. Und deshalb bleiben die Gewinner der abgelaufenen Saison wie Münchens Toni Kroos, wie Marco Reus und seine künftigen Dortmunder Mannschaftskollegen erst einmal außen vor.
Es treten die bewährten Kräfte am Samstag an. Doch es ist ein gewagtes Spiel.
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