Sieg gegen Dänemark Portugals Chancentod Ronaldo

Portugal hat gewonnen - und doch interessieren sich alle nur für die außergewöhnliche Formschwäche von Cristiano Ronaldo. Beim Sieg gegen Dänemark vergab der Superstar zwei glänzende Möglichkeiten und verspielte damit fast die Viertelfinal-Chancen seines Teams.
Superstar Cristiano Ronaldo: Bei der EM ein Schatten seiner selbst

Superstar Cristiano Ronaldo: Bei der EM ein Schatten seiner selbst

Foto: Armando Franca/ AP

Hamburg - Erschöpft sackte Cristiano Ronaldo in der 87. Minute der Partie zwischen Portugal und Dänemark auf dem Rasen in sich zusammen. Nicht etwa aus Frust oder Enttäuschung, es war die pure Erleichterung: Sekunden zuvor hatte Silvestre Varela den 3:2-Siegtreffer für die Portugiesen erzielt und damit die Hoffnung auf das Viertelfinale am Leben gehalten.

"Das war ein Sieg der Mannschaft. Wir haben bis zum Ende gekämpft und Geduld bewiesen", sagte Matchwinner Varela. "Das ist ein tolles Gefühl." Für Ronaldo muss sich das Tor wie die Erlösung angefühlt haben. Er, der gefeierte Superstar von Real Madrid, wäre ohne den Treffer seines Mannschaftskollegen wohl zu Portugals tragischer EM-Figur geworden.

Denn leichtfertig hatte Ronaldo in der Partie gegen die Dänen beim Stand von 2:1 hochkarätige Chancen vergeben. Chancen die er im Vereinstrikot vermutlich mit verbundenen Augen verwandelt hätte. Mit 60 Toren war er in der vergangenen Saison in Madrid der Garant für den Gewinn der Meisterschaft. Im Nationaltrikot erscheint "CR7" dagegen nur als Schatten seiner selbst.

"Ronaldo braucht einen Psychologen", titelte Kolumnist Bruno Prata, einer der angesehensten Sportjournalisten Portugals, in der Tageszeitung "Público": "Man kann sich nicht erklären, wie sein Talent plötzlich wie verrostet ist." Der 27-Jährige habe das "Überleben des Teams" gefährdet, schrieb das Sportblatt "Record".

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Zweimal lief Ronaldo am Mittwochabend allein auf Schlussmann Stephan Andersen zu, zweimal verzog er. Keine 120 Sekunden nachdem Ronaldo die zweite Möglichkeit vergeben hatte, köpfte Niklas Bendtner zum Ausgleich für die Dänen ein. Wäre es dabei geblieben, Portugals EM-Aus wäre so gut wie sicher gewesen.

"Natürlich wollte ich Tore schießen", sagte Ronaldo nach der Partie sichtlich genervt, "ihr kennt mich. Ich habe alles gegeben. Die Tore werden kommen. Die Mannschaft hat gewonnen, das ist das Einzige, was zählt." Auch Mitspieler Pepe wollte den vergebenen Möglichkeiten seines Vereinskollegen keine all zu große Bedeutung beimessen: "Cristiano ist einer der Besten. Jetzt hat er mal nicht getroffen, aber er hat das schon in anderen Situationen geschafft", sagte der Verteidiger, der per Kopfball (24. Minute) zusammen mit Hélder Postiga (36.) für die zwischenzeitliche 2:0-Führung Portugals gesorgt hatte.

Auch für Trainer Paulo Bento war Ronaldo kein Thema mehr. Er zeigte sich mit der Leistung seines Teams insgesamt zufrieden: "Wir haben das Spiel nach dem 2:1 lange kontrolliert, aber ohne zu treffen. Das 2:2 war sehr ungerecht", sagte er. "Danach hat die Mannschaft ihren Charakter und ihre Identität gezeigt."

Am Sonntag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) trifft Portugal zum Vorrundenabschluss auf die Niederländer. Bei einem Sieg stehen die Chancen auf das Viertelfinale gut. Eine neue Möglichkeit für Ronaldo.

Dänemark - Portugal 2:3 (1:2)
0:1 Pepe (24.)
0:2 Hélder Postiga (36.)
1:2 Bendtner (41.)
2:2 Bendtner (80.)
2:3 Varela (87.)
Dänemark: Andersen - Jacobsen, Kjaer, Agger, S. Poulsen - Kvist, Zimling (16. J. Poulsen) - Rommedahl (60. Mikkelsen), Eriksen, Krohn-Dehli (90. Schöne) - Bendtner
Portugal: Rui Patricio - João Pereira, Bruno Alves, Pepe, Fábio Coentrão - Meireles (84. Varela), Veloso, Moutinho - Nani (89. Rolando), Hélder Postiga (64. N. Oliveira), Cristiano Ronaldo
Schiedsrichter: Thomson (Schottland)
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karten: Jacobsen, J. Poulsen - Meireles, Cristiano Ronaldo

mib/sid/dpa
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