Fotostrecke

Sieg über Tschechien: Russlands Angriffswirbel

Foto: Aidan Crawley/ dpa

EM 2012 Rasante Russen demontieren Tschechien

Schnelle Kombinationen, saubere Pässe, vier Tore - bei ihrem Auftaktspiel gegen Tschechien überzeugten die Russen zeitweise mit schnellem Angriffsfußball. Der Gegner blieb blass, die Tschechen müssen sich deutlich steigern. Sonst droht das schnelle Aus in der Vorrunde.

Hamburg - Die erste Laola-Welle schwappte bereits nach gut einer halben Stunde durch das Breslauer Stadion. Russlands Angreifer Alexander Kerschakow versuchte es zu diesem Zeitpunkt bereits mit Hackentricks - und sein Trainer Dick Advocaat war schon zweimal vor Freude aus dem Sitz gesprungen.

Es war zeitweise eine beeindruckende Vorstellung, die die russische Nationalmannschaft in ihrem ersten Gruppenspiel der Europameisterschaft gegen Tschechien zeigte. Bereits nach 24 Minuten stand es 2:0. Es hätten auch noch zwei Tore mehr gewesen sein können.

Am Ende siegte Advocaats Mannschaft 4:1 (2:0). Für die russischen Tore sorgten Alan Dsagojew (15. Minute/79.), Roman Schirokow (24.) und Roman Pawljutschenko (82.) Vaclav Pilar hatte den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer für die Tschechen erzielt (52.).

"Das erste Turnierspiel zu gewinnen, ist ganz wichtig", sagte Advocaat nach dem Spiel, bremste jedoch die Euphorie: "Das gibt uns aber keine Garantie für die zweite Partie. Wir haben teilweise guten Fußball geboten, müssen aber noch einige Fehler abstellen."

Tschechen beginnen stark - und bauen schnell ab

Russland hat sich mit dem deutlichen Sieg zum Favoriten auf den Gruppensieg aufgeschwungen. Denn im ersten Spiel der Gruppe A hatte Polen nur 1:1 (1:0) gegen Außenseiter Griechenland gespielt. Am Dienstag kommt es nun zum Duell zwischen Russland und dem Co-Gastgeber (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Vor knapp 40.000 Zuschauern in Breslau sah es zunächst gar nicht nach einer russischen Demonstration aus: Tschechien war die aktivere Mannschaft. Doch außer bei ein paar Eckbällen und einem Freistoßversuch von Plasil kam das Team um Spielmacher Tomas Rosicky nicht gefährlich vor das Tor von Russlands Torhüter Wjatscheslaw Malafejew.

Rosicky versuchte es dann auch früh aus der zweiten Reihe (12.) - doch sein Fernschuss verfehlte das Ziel deutlich. Im Gegenzug blieb Russlands Angreifer Andreij Arschawin an der tschechischen Abwehr hängen. Auch die nächste gefährliche Szene gehörte den Russen: Juri Schirkov setzte sich auf der linken Seite durch und legte auf den Elfmeterpunkt zurück. Doch Kerschakow konnte den Ball nicht im Tor unterbringen (14.).

Russland war nun deutlich agiler und erzielte folgerichtig das 1:0: Eine Flanke von Konstantin Syrjanow köpfte Kerschakow zunächst an den Pfosten. Doch in der Mitte stand Alan Dsagojew und staubte zur Führung ab (15.). Die russischen Fans sorgten im Jubel für eine kurze Unterbrechung, als ein bengalisches Feuer auf den Platz flog.

Die Tschechen zeigten sich von der Führung der Russen schockiert - und hätten fast noch den zweiten Treffer gefangen: Nach einem Konter legte Kerschakow auf den mitgelaufenen Dsagojew ab. Doch der hatte zu viel Zeit zum Überlegen - und drosch den Ball auf die Tribüne (19.).

Eingewechselter Pawljutschenko legt erst auf - und trifft dann selbst

Besser machte es dann Schirokow. Nach einem Pass von Arschawin kam der Angreifer kurz vor dem herauseilenden Cech an den Ball und spitzelte ihn über den Keeper ins Tor - 2:0 (24.). Einige Minuten später verpasste Kerschakow eine mögliche Vorentscheidung, als er nur über das Tor schoss (33.).

Auch nach dem Wechsel war Russland die bessere Mannschaft, doch statt des 3:0 fiel der Anschlusstreffer für Tschechien: Nach einem Klassepass von Jaroslav Plasil umkurvte der Neu-Wolfsburger Pilar Russlands Torhüter Malafejew - und schob ins leere Tor ein (52.).

Tschechien witterte nun seine Chance, doch Russland ließ sich von dem Rückschlag nicht verunsichern und blieb durch Konter gefährlich. Kerschakow setzte nach einem Pass von Arschawin den Ball knapp am Tor von Cech vorbei (63.), vier Minuten später verunglückte ihm nach einem Solo von der Mittellinie der Schuss.

Nachdem Kerschakow dann auch seine dritte gute Möglichkeit in Folge vergab, hatte Tschechiens Theodor Gebre Selassie den Ausgleich auf dem Fuß, doch seine sehenswerte Direktabnahme landete am Außennetz (72.). Rosicky scheiterte kurz darauf mit einem Fernschuss an Russland-Keeper Malafejew.

Dann beendete Dsagojew die Hoffnungen der Tschechen. Nach einem Pass des eingewechselten Roman Pawljutschenko setzte er einen strammen Schuss an Cech vorbei ins Tor und ließ sich von seinen Mitspielern feiern. Der Vorlagengeber setzte dann wenig später mit dem 4:1 den Schlusspunkt.

"Wenn du so hoch verlierst, ist das natürlich sehr bitter. Wir müssen jetzt den Kopf hochhalten", sagte Abwehrspieler Michal Kadlec von Bayer Leverkusen - und schöpfte Mut aus der Vergangenheit: "1996 haben wir in der Vorrunde gegen Deutschland verloren und sind trotzdem ins Finale gekommen." Tschechien trifft am kommenden Dienstag in seinem zweiten Gruppenspiel auf Griechenland.

Russland - Tschechien 4:1 (2:0)
1:0 Dsagojew (15.)
2:0 Schirokow (24.)
2:1 Pilar (52.)
3:1 Dsagojew (79.)
4:1 Pawljutschenko (82.)
Russland: Malafejew - Anjukow, A. Beresuzki, Ignaschewitsch, Schirkow - Schirokow, Denissow, Syrjanow - Dsagojew (84. Kokorin), Arschawin - Kerschakow (73. Pawljutschenko)
Tschechien: P. Cech - Gebre Selassie, Hubnik, Sivok, M. Kadlec - Plasil, Jiracek (76. Petrzela) - Pilar, Rosicky, Rezek (46. Hübschman) - Baros (86. Lafata)
Schiedsrichter: Howard Webb (England)
Zuschauer: 42.771
Gelbe Karten: -

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.