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Italiens EM-Auftakt Stark wie die Spanier

Italien spielt Spanien an den Rand einer Niederlage - angesichts der von Wettskandalen überschatteten Vorbereitung der Azzurri hätte wohl kaum jemand damit gerechnet. Dennoch erkämpfte sich das Team von Coach Cesare Prandelli ein gerechtes Remis, was auch an der exotischen Defensivtaktik lag.
Von Nils Lehnebach

Hamburg - Schön grün muss er sein, klar. Doch was einen guten Rasenplatz noch ausmacht, wird bei der EM immer mehr zum Debattenthema. Nachdem schon Bondscoach Bert van Marwijk über die Bodenverhältnisse in Charkiw gemosert hatte - der Untergrund sei zu trocken, zu lang gewachsen, einfach nicht gut -, meldeten sich nun die Spanier in der Sache zu Wort. Nach dem 1:1 gegen Italien monierten sie ihrerseits die Qualität des Grüns und erwägen nun gar Protest einzulegen. Auch in Danzig hatte der Belag demnach seine Tücken, ebenfalls zu trocken, irgendwie stumpf.

Das klingt nach einer billigen Ausrede. Denn für das Unentschieden im Auftaktspiel gegen starke Italiener gab es einige Gründe, aber sicher nicht das Spielfeld. Vielmehr hatte der Gegner großen Anteil daran, dass sich der spanische Titelverteidiger und Top-Favorit zum Auftakt extrem schwer tat. Die "Squadra Azzurra" stand mit einer ungewohnten Dreierkette defensiv kompakt und hätte bei der Fülle an guten Chancen sogar mehr als ein Tor erzielen können.

"Italien hat mich nicht überrascht. Sie haben im Mittelfeld eine große Qualität", erklärte Spaniens Andrés Iniesta die Tatsache, dass seine Mannschaft nach zuvor 14 Pflichtspielsiegen in Serie erstmals erfolglos blieb. "Wir wollten nicht nur hinten drinstehen, wir haben ein gutes Spiel gemacht. Das ist ein guter EM-Start. Ich bin mit dem Auftritt zufrieden", sagte Italiens Trainer Cesare Prandelli. Der 54-Jährige ist der Hauptgrund warum das Team - bei der WM 2010 Letzter in einer Gruppe mit Paraguay, der Slowakei und Neuseeland - mittlerweile wieder einen konkurrenzfähigen Fußball spielt.

Sechs Spanier mit mehr Ballkontakten als der beste Italiener

Die Italiener zeigten in der Neuauflage des EM-Viertelfinales von 2008 keinerlei Nachwirkungen von den Wettskandalen und der dadurch massiv beeinträchtigten Vorbereitung. Gegen Spanien setzte Prandelli auf eine Dreierkette, mit dem gelernten Mittelfeldspieler Daniele De Rossi im Zentrum. So hatte man im Mittelfeld meist einen Spieler mehr als Spanien in Ballnähe. Zwar ließen die Italiener den Titelverteidiger in den ungefährlichen Zonen kombinieren, in Tornähe unterband man aber fast alle Aktionen. Bezeichnend: Laut Sportdatenanbieter opta hatte Spaniens Spielgestalter Xavi 123 Ballkontakte, die meisten auf dem Feld. Fünf weitere Spanier hatten mehr Ballkontakte als Giorgio Chiellini (74), der in der Kategorie führende Italiener.

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Remis gegen Spanien: Auf Augenhöhe mit Spanien

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Wirkliche Tormöglichkeiten entstanden aus dem Übergewicht für die ohne nominellen Stürmer spielenden Spanier aber nicht. Stattdessen hatte Italien neben dem Treffer weitere Großchancen. So durfte Mario Balotelli in der 53. Minute von halbrechts allein auf Spaniens Keeper Iker Casillas zulaufen. Eigentlich hatte Italiens Angreifer ausreichend Vorsprung. Doch Balotelli trödelte derart vor sich hin, dass er kurz vor dem Fünfmeterraum immer noch nicht wusste, was er mit der Chance anfangen sollte - und dann von Sergio Ramos gestört wurde.

"Ich weiß nicht, was er sich in dieser Situation gedacht hat. Er hatte mit dem Pass auf Cassano noch eine zweite Option. Für einen Stürmer ist es aber besser, wenn man nur eine hat", versuchte sich Trainer Prandelli an einer Erklärung. Es verdeutlicht die hohen Ansprüche der Italiener. Nach dem 1:1 gegen Spanien geben sie sich nicht zufrieden. Sie hegen Ansprüche, die auch die Teilnahme am Halbfinale einschließen. Bei den noch ausstehenden Gruppenspielen gegen Kroatien am Donnerstag (18 Uhr) und Irland am 18. Juni (20.45 Uhr, jeweils Liveticker SPIEGEL ONLINE) scheint zumindest der Einzug ins Viertelfinale realistisch.

"Es enttäuscht mich, dass wir Spanien so schnell den Ausgleich ermöglicht haben", sagte Prandelli: "Wir hätten ihnen die Rückkehr ins Spiel schwerer machen müssen." Italien hatte schon in der Qualifikation - die Mannschaft gewann acht von zehn Partien und blieb ohne Niederlage - angedeutet, warum die Gegner das Team bei der Endrunde auf der Rechnung haben sollte. Nun wissen dies auch die Spanier.

Spanien - Italien 1:1 (0:0)
0:1 Di Natale (60.)
1:1 Fàbregas (64.)
Spanien: Casillas - Arbeloa, Pique, Ramos, Alba - Xavi, Busquets, Alonso - Silva (65. Navas), Fabregas (74. Torres), Iniesta
Italien: Buffon - Chiellini, De Rossi, Bonucci - Maggio, Marchisio, Pirlo, Motta (90. Nocerino), Giaccherini - Cassano (65. Giovinco), Balotelli (56. Di Natale
Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)
Zuschauer (in Danzig): 40.000
Gelbe Karten: Alba, Arbeloa, Torres - Balotelli, Bonucci, Chiellini, Maggio

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