EM-Gastgeber Ukraine Der Fluch von Donezk

Die Ukraine hofft auf das Fußballwunder. Doch nach dem Auftakterfolg gegen Schweden muss das Team nun in Donezk gegen Frankreich bestehen. Eine doppelte Herausforderung: Noch nie hat die Nationalmannschaft hier ein Spiel gewonnen - und die Fans im Osten des Landes sind besonders kritisch.

DPA

Aus Krakau berichtet


Hunderte Reporter stehen vor den Toren des EM-Quartiers der ukrainischen Nationalmannschaft in Kiew. Seit einer Woche versuchen sie, einen Blick auf das Gelände zu erhaschen oder hoffen auf ein Gespräch mit einem der Spieler. Am liebsten wäre ihnen natürlich eine Äußerung von Andrej Schwetchenko, der ukrainischen Legende. Doch eine echte Chance darauf gibt es nicht. Nationaltrainer Oleg Blochin mag es nicht, wenn jemand seine Arbeit beobachtet. Medientermine nimmt er nur auf Anordnung der Uefa wahr. Ansonsten schottet er sich mit seinem Team vollständig ab.

Dabei ist das Interesse nach dem historischen 2:1-Sieg gegen Schweden größer denn je. Was der Erfolg für das Land bedeutet, zeigte sich noch zwei Tage nach dem Spiel auf den Straßen: Autos fuhren mit großen ukrainischen Flaggen, die aus Fenstern und Schiebedächern hingen, umher und hupten. Von den Fußgängern hallten laute "Ukraina, Ukraina"-Rufe zurück.

"Der Fußball ist das einzige, was die Ukraine eint"

Das Land wirkt nach dem EM-Triumph wie wachgeküsst. Die zwei Tore von Schewtschenko scheinen alle politischen Probleme in den Hintergrund zu rücken. Niemand spricht mehr über das Scheitern der orange Revolution. Die Bevölkerung hat erkannt, dass die neuen Demokraten auch nicht viel ehrenwerter sind als die alten Machthaber und hat sich zunehmend ins Private geflüchtet. Sämtliches Vertrauen in die Führung ist verloren.

Hinzu kommt, dass die Nation zerrissen ist. Der Westen gilt als EU-orientiert, hier dominieren ukrainische Traditionen. Im Gegensatz dazu steht der russlandfreundliche Osten. Dem Land fehlte bisher eine echte Identität. Bis zu Schewtschenkos zweitem Tor gegen Schweden.

Denn nun ist die Stimmung beim EM-Mitausrichter so, als sei die Ukraine nach 1917 und 1991 zum dritten Mal neu gegründet worden. "Der Fußball ist das einzige, was die Ukraine eint", hat der Schriftsteller Sergej Chadan in seiner EM-Fibel "Totalniy Futbol" geschrieben. Die Zeitung "Segonda" titelte nach dem Sensations-Coup über Schweden: "Schewa-a-a-a-a-a-a! Ukraina-a-a! Was wie ein Traum schien, ist Realität geworden." Der Fußball und das Land, so wird suggeriert, sprechen eine Sprache.

Ausgerechnet jetzt muss das Blochin-Team zum zweiten Spiel der Gruppe C gegen Frankreich nach Donezk in den Osten des Landes reisen. Hier könnte es auf alle Vorbehalte treffen, die vor dem Sieg gegen Schweden galten. "Als im Qualifikationsspiel gegen Griechenland in Donezk in den ersten zwanzig Minuten gar nichts zusammenlief, fing das Stadion sofort zu pfeifen an. Nachher sagte der Nationaltrainer, das wäre das Gleiche, als hätte man auf neutralem Platz gespielt. Von wegen Heimspiel", sagt der ukrainische Publizist Jewhen Polozhij dem "Tagesspiegel".

Gellendes Pfeifkonzert beim Heimspiel

In 20 Jahren gewann das Nationalteam kein Spiel mehr in Donezk. In den vergangenen vier Partien gab es zwei Niederlagen und zwei Remis. Das bislang letzte Spiel endete 1:4. Der Gegner damals wie heute: Frankreich. Die Zuschauer empfingen die Mannschaft bereits beim Warmlaufen mit einem gellenden Pfeifkonzert. Viele in Donezk sind immer noch große Fans der russischen Nationalmannschaft. Jubelstürme gab es für das ukrainische Team in der Oststadt noch nie.

"Wir haben gespielt wie eine Familie, ältere und jüngere Spieler haben sich füreinander eingesetzt. Das ist natürlich auch ein Signal an unser ganzes Land", sagte Bayern-Profi Anatoli Timoschtchuk nach dem Auftakterfolg. Und Andrej Woronin ergänzte: "Jetzt wollen wir auch ins Viertelfinale."

Dafür müsste die Ukraine Frankreich ausschalten. Der EM-Sieger des Jahres 2000 scheint nach seiner sehr schwachen WM 2010 zwar besser in der Spur zu sein als in Südafrika. Doch beim 1:1 gegen England offenbarte die "Tricolore" viele Fehler im Spielaufbau, wirkte fahrig im Abschluss. Dennoch: Lässt die Ukraine das französische Flügelspiel mit Franck Ribéry zu, könnte es ein harter Abend für die Blochin-Truppe werden.

Und eine Probe für die neue Einigkeit des Landes.



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pingpong55 15.06.2012
1. Die EM Fußballer können in diesem Land...
tatsächlich ohne schlechtem Gewissen Fußball spielen?, dort wo Zehntausende Straßenhunde zum teil lebendig verbrannt, mit Knüppeln erschlagen wurden, wegen Sport-Fußball, unfassbar. Was den bereits hilflos armen Tieren in der Ukraine angetan wurde, ist ein ungeheuerlich unmenschlicher Skandal für Sport/Löw und Co. sowie Politik/Merkel und Co., Deutscher Tierschutz, Massen-Medien, wie Spiegel.de, Focus.de, Bild.de, HNA.de usw., die Medien hätten massiven Druck ausüben MÜSSEN! Der Hund ist nicht nur ein treuer ehrlicher Freund sondern wird auch von Menschen für sinnvolle Aufgaben eingesetzt, z.B. als Therapiehund, Rettungshund, Blindenhund, Spürhund, Dienst –Militär –Polizei –Zoll –Bundeswehr - Strafvollzugshund. In den USA für tierunterstützte Therapie (Animal Facilitated Therapy, AFT) regelmäßig in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Hospizen und Gefängnissen. Mittlerweile ist der Hund als diagnostische und therapeutische Stütze neben anderen Kleintieren fest im Therapieprozess auffälliger Kinder und Jugendlicher etabliert, hat positiven Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden für Menschen. Nicht zu vergessen, Therapiehund für Menschen mit Epilepsie, Hunde sind in der Lage, den Anfall früh zu erkennen. IST DAS ETWA NICHTS, Herr Löw und Frau Merkel ? Wir geben dem Hund den Rest unserer Zeit, unseres Raumes und unserer Liebe, doch der Hund gibt uns alles, was er hat! Wir schenken unseren Hunden ein klein wenig Liebe und Zeit. Dafür schenken sie uns restlos alles, was sie zu bieten haben. Es ist zweifellos das beste Geschäft, das der Mensch je gemacht hat. Roger Andrew Caras
alexanderx 15.06.2012
2. Wenn es dort nur den Hunden schlecht ginge
Lieber pingpong55, in der Ukraine geht es den Menschen nicht viel besser als den Hunden ...
Zenturio.Aerobus 15.06.2012
3.
Zitat von pingpong55tatsächlich ohne schlechtem Gewissen Fußball spielen?, dort wo Zehntausende Straßenhunde zum teil lebendig verbrannt, mit Knüppeln erschlagen wurden, wegen Sport-Fußball, unfassbar. Was den bereits hilflos armen Tieren in der Ukraine angetan wurde, ist ein ungeheuerlich unmenschlicher Skandal für Sport/Löw und Co. sowie Politik/Merkel und Co., Deutscher Tierschutz, Massen-Medien, wie Spiegel.de, Focus.de, Bild.de, HNA.de usw., die Medien hätten massiven Druck ausüben MÜSSEN! Der Hund ist nicht nur ein treuer ehrlicher Freund sondern wird auch von Menschen für sinnvolle Aufgaben eingesetzt, z.B. als Therapiehund, Rettungshund, Blindenhund, Spürhund, Dienst –Militär –Polizei –Zoll –Bundeswehr - Strafvollzugshund. In den USA für tierunterstützte Therapie (Animal Facilitated Therapy, AFT) regelmäßig in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Hospizen und Gefängnissen. Mittlerweile ist der Hund als diagnostische und therapeutische Stütze neben anderen Kleintieren fest im Therapieprozess auffälliger Kinder und Jugendlicher etabliert, hat positiven Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden für Menschen. Nicht zu vergessen, Therapiehund für Menschen mit Epilepsie, Hunde sind in der Lage, den Anfall früh zu erkennen. IST DAS ETWA NICHTS, Herr Löw und Frau Merkel ? Wir geben dem Hund den Rest unserer Zeit, unseres Raumes und unserer Liebe, doch der Hund gibt uns alles, was er hat! Wir schenken unseren Hunden ein klein wenig Liebe und Zeit. Dafür schenken sie uns restlos alles, was sie zu bieten haben. Es ist zweifellos das beste Geschäft, das der Mensch je gemacht hat. Roger Andrew Caras
Sicher, denn was haben die Fußballer mit Straßenhunden zu tun? Können Sie sich vorstellen, dass eine Überhandnahme an Straßenhubden zur Bedrohung für den Menschen werden kann. Können Sie sich vorstellen, dass die Ukrainer zehn Krueze machen, weil sie die Sztraßenhunde los sind? Was wissen Sie über die Ukraine?
Zenturio.Aerobus 15.06.2012
4. Straßenhunde
Zitat von pingpong55tatsächlich ohne schlechtem Gewissen Fußball spielen?, dort wo Zehntausende Straßenhunde zum teil lebendig verbrannt, mit Knüppeln erschlagen wurden, wegen Sport-Fußball, unfassbar. Was den bereits hilflos armen Tieren in der Ukraine angetan wurde, ist ein ungeheuerlich unmenschlicher Skandal für Sport/Löw und Co. sowie Politik/Merkel und Co., Deutscher Tierschutz, Massen-Medien, wie Spiegel.de, Focus.de, Bild.de, HNA.de usw., die Medien hätten massiven Druck ausüben MÜSSEN! Der Hund ist nicht nur ein treuer ehrlicher Freund sondern wird auch von Menschen für sinnvolle Aufgaben eingesetzt, z.B. als Therapiehund, Rettungshund, Blindenhund, Spürhund, Dienst –Militär –Polizei –Zoll –Bundeswehr - Strafvollzugshund. In den USA für tierunterstützte Therapie (Animal Facilitated Therapy, AFT) regelmäßig in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Hospizen und Gefängnissen. Mittlerweile ist der Hund als diagnostische und therapeutische Stütze neben anderen Kleintieren fest im Therapieprozess auffälliger Kinder und Jugendlicher etabliert, hat positiven Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden für Menschen. Nicht zu vergessen, Therapiehund für Menschen mit Epilepsie, Hunde sind in der Lage, den Anfall früh zu erkennen. IST DAS ETWA NICHTS, Herr Löw und Frau Merkel ? Wir geben dem Hund den Rest unserer Zeit, unseres Raumes und unserer Liebe, doch der Hund gibt uns alles, was er hat! Wir schenken unseren Hunden ein klein wenig Liebe und Zeit. Dafür schenken sie uns restlos alles, was sie zu bieten haben. Es ist zweifellos das beste Geschäft, das der Mensch je gemacht hat. Roger Andrew Caras
Straßenhunde sind nicht das Thema dieses Threads.
Zenturio.Aerobus 15.06.2012
5. Sheva
Zitat von sysopDPADie Ukraine hofft auf das Fußballwunder. Doch nach dem Auftakterfolg gegen Schweden muss das Team nun in Donezk gegen Frankreich bestehen. Eine doppelte Herausforderung: Noch nie hat die Nationalmannschaft hier ein Spiel gewonnen - und die Fans im Osten des Landes sind besonders kritisch. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,838999,00.html
Schtsche ne wmerla Ukrajina !! Schenk' uns noch zwei Tore, Sheva.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.