Spaniens Stürmer Morata Der Mann, der die "Squadra Azzurra" knacken soll

Er ist Spaniens EM-Torjäger - und jetzt muss Álvaro Morata gegen die italienische Betonabwehr antreten. Dabei trifft er viele alte Freunde.

Álvaro Morata
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Álvaro Morata

Aus Paris berichtet


Am Samstagmorgen erlebte Álvaro Morata eine unangenehme Überraschung. Er und neun weitere spanische Spieler wurden von einer Uefa-Delegation aus dem Schlaf gerissen und zu einer Dopingkontrolle gebeten. "Sie sind um halb acht gekommen", erinnert sich Morata: "Anfangs hielt ich das für einen Scherz meiner Mannschaftskameraden, aber dann habe ich den Arzt im Zimmer gesehen."

Wie der spanische Fußballverband mitteilte, hat die Routinekontrolle keine Verdachtsmomente ergeben. Damit darf als sicher gelten, dass Morata gegen Italien zur ersten Elf zählt. Wahrscheinlich war das ohnehin: Trainer Vicente del Bosque gilt schließlich nicht als Freund der Rotation.

Der 65-Jährige darf sich durch den bisherigen Turnierverlauf bestätigt fühlen: Morata spielt bisher eine starke Endrunde und del Bosque war schon sein Förderer, als innerhalb und außerhalb Spaniens noch über die passende Besetzung des Sturms diskutiert wurde.

Viel Respekt vor Italien

Manch einer prophezeite noch vor Beginn des Turniers, dass Spanien sich wie bereits bei der WM 2014 auch in Frankreich blamieren werde. Begründet wurde das mit dem tatsächlich hohen Altersdurchschnitt der "Furia Roja" und damit, dass dem Team ein echter Torjäger fehle.

Das darf getrost als widerlegt gelten. Drei Tore hat Morata in den bisherigen drei EM-Spielen erzielt, zwei allein gegen die Türkei, als Spanien sein bestes Spiel seit langer Zeit zeigte. Dass Morata, wie auch sein Sturmkollege Nolito, ein eher klassisch ausgerichteter Stürmer ist, der seine Stärken im Strafraum hat, wirkt auf den ersten Blick wie ein Bruch mit der klassischen spanischen Stürmerphilosophie.

Álvaro Morata (rechts) mit Gianluigi Buffon und Leonardo Bonucci
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Álvaro Morata (rechts) mit Gianluigi Buffon und Leonardo Bonucci

Doch Morata agiert an guten Tagen beweglich zwischen den Linien, um genau im richtigen Moment in die Spitze zu stoßen. Er vereint dann den klassischen mit dem schwimmenden Neuner. Gegen die Türkei war so ein guter Tag, an dem er neben Cesc Fàbregas und Andrés Iniesta zu den besten Spielern auf dem Platz gehörte. Wobei die spanische Kombinationsfreude auch weitgehend ohne Störungsversuche einer an diesem Tag miserablen türkischen Abwehr auskommen durfte.

Das wird gegen Italien (Montag, 18 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD) anders werden. "Wenn die Italiener behaupten, dass sie nicht der Favorit sind, glaube ich ihnen das keine Sekunde", sagt Fàbregas über den Achtelfinalgegner: "Sie haben einen sehr guten Trainer und bereiten sich auf jeden Gegner gut vor."

Morata fällt der Abschied aus Italien schwer

Der Respekt ist groß und Morata geht sogar noch einen Schritt weiter: "Italien ist der schwerstmögliche Gegner", sagt er: "Es hätte nicht schlimmer kommen können." Es ist dabei nicht ohne Ironie, dass Morata auf eine Abwehrreihe treffen wird, die er bestens kennt. Schließlich arbeiten Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci, Giorgio Chiellini und auch Torhüter Gianluigi Buffon alle beim gleichen Arbeitgeber: bei Juventus Turin. Morata muss den Klub am 30. Juni jedoch verlassen - sein alter Klub Real Madrid hat die Rückkaufoption gezogen.

Ungewöhnlich herzlich hat sich der Stürmer in einer persönlichen Erklärung aus Italien verabschiedet: "Ich nehme viele Freunde fürs Leben mit", schrieb der Profi auf seiner Homepage. Aus dem Trainingslager der "Squadra Azzurra" erwiderten die Juve-Profis die Freundlichkeiten. Auch ihnen fällt die Trennung von ihrem Klassestürmer schwer.

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Ob Morata in Madrid eine große Rolle spielen wird, ist ungewiss. Die Konkurrenz ist groß. Daher werden die Verantwortlichen beim Italien-Spiel genau hinsehen, wie sich Morata gegen eine Abwehr schlägt, die viele für die beste der Welt halten.

Ein Weiterverkauf des Spaniers ist möglich. Morata selbst würde nach der EM gerne für Real spielen, ob der Wunsch erwidert wird, könnte auch vom Achtelfinale abhängen. Morata schien auf der Pressekonferenz am Sonntagabend jedenfalls genau das zu meinen, als er sagte: "Vielleicht wird das das wichtigste Spiel meiner Karriere."



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
wago 27.06.2016
1. Dazu
Schöne Karikatur in der Süddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/sport/die-fussballgoetter-juventini-1.3053169
max_blanck 27.06.2016
2.
Liebe deutsche Medien: Italien nennt sich NIE "Bella Italia" sondern "il bel paese" und die Nationalmannschaft heisst nicht " squadra azzurra" sondern "gli azzurri". Das müsste nach Jahrzehnten doch mal durchsickern!!
Kerze der Freiheit 27.06.2016
3. Schade
Tja, schade, dass keine der zwei Mannschaften Gegner Deutschlands im Filiale sein kann. Das wäre sicherlich spektakulär gewesen, wenn Deutschland Revanche hätte nehmen können.
ZeroQ 08.07.2016
4. Schade
dass Deutschland nicht im Finale spielen wird ;)
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