EM 2016 England und Russland trennen sich 1:1

Später Schock für England: Der Geheimfavorit führte gegen Russland bis in die Nachspielzeit, dann kam Vasili Berezutski. Der Innenverteidiger rettete seinem Team mit einem Kopfballtor das überraschende Remis.

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Die englische Nationalmannschaft ist nur mit einem Unentschieden in die EM 2016 gestartet. Der Geheimfavorit zeigte beim 1:1 (0:0) gegen Russland eine ansehnliche erste Halbzeit, ging dann gegen stärker werdende Russen mit einer Standardsituation von Eric Dier in Führung (73. Minute). In der Nachspielzeit erzielte Vasili Berezutski den glücklichen Ausgleich (90.+2).

In der Gruppe B wird es am zweiten Spieltag nun zum brisanten britischen Duell zwischen England und Wales kommen, die Waliser hatten zuvor 2:1 gegen die Slowakei gewonnen. Die Three Lions verpassten bei der insgesamt zehnten EM-Teilnahme den ersten Auftakterfolg überhaupt.

Englands Trainer Roy Hodgson musste vor dem Spiel wegen der vielen guten Offensivspieler ein Aufstellungsrätsel lösen. Er entschied sich für Wayne Rooney im Mittelfeld sowie Adam Lallana, Harry Kane und Raheem Sterling im Dreierangriff. Auf die Ersatzbank mussten Jamie Vardy von Meister Leicester City, Liverpools Daniel Sturridge und der 18-jährige Marcus Rashford.

Die junge englische Mannschaft deutete dann im ersten Durchgang auch ihr großes Potenzial an - ohne das nötige Tor zu erzielen. Die besten Chancen vergaben Lallana (7./22.) und Rooney mit einer Direktabnahme (35.). Angetrieben wurde das druckvolle Spiel der Three Lions immer wieder von Spielmacher Dele Alli, der mit gekonnten Pässen die beiden Außenverteidiger Kyle Walker und Danny Rose in Szene setzte.

Russland, zwei Jahre vor der Heim-WM mit einem der ältesten Teams nach Frankreich gereist, verteidigte dagegen sehr hoch und offenbarte viele Lücken - das torlose Remis zur Pause war ein glückliches Ergebnis für die Sbornaja. Unauffällig agierte im defensiven Mittelfeld der Schalker Roman Neustädter, der erst kurz vor der EM eingebürgert wurde und sein Startelfdebüt feierte.

Russland bereitet England plötzlich Probleme

Zu Beginn der zweiten Halbzeit sahen die Zuschauer in Marseille ein anderes Spiel. Russland lief beim englischen Ballbesitz aggressiver an, störte früher und spielte zielstrebiger nach vorne. Das beeindruckte den Favoriten - denn plötzlich kam das Team von Trainer Leonid Slutski zu Torchancen. Dier prüfte seinen eigenen Torwart Joe Hart (59.) und Fedor Smolov verpasste das englische Tor mit einem Schlenzer nur knapp (61.).

England kombinierte nicht mehr so gefällig wie noch vor der Pause, erst in der 70. Minute hatte Rooney die nächste gute Gelegenheit. Nach einer Kombination über Sterling und Rose zog der Kapitän von der Strafraumgrenze ab, Russlands Torwart Igor Akinfeev lenkte den Ball die Latte. Und als sich Hodgson zur ersten Einwechslung durchringen wollte, erlöste Dier seine Mannschaft: Der Mittelfeldspieler von Tottenham Hotspur schoss einen Freistoß direkt ins Tor, Akinfeev sah dabei aber nicht gut aus.

Diers Treffer hätte eigentlich die Entscheidung sein müssen, denn Russland kam gegen nun wieder selbstbewusstere Engländer zu keinen Torchancen mehr. Bis in die Nachspielzeit, als Berezutski bei einer Flanke unbedrängt zum Kopfball kam und über Hart hinweg ins lange Eck traf.

England - Russland 1:1 (0:0)
1:0 Dier (73.)
1:1 Berezutski (90.+2)
England: Hart - Walker, Cahill, Smalling, Rose - Rooney (78. Wilshere), Dier, Alli - Lallana, Kane, Sterling (87. Milner).
Russland: Akinfeev - Smolnikov, Ignashevich, V. Berezutski, Schennikov - Neustädter (80. Glushakov, Golovin (77. Shirokov) - Smolov (85. Mamaev), Shatov, Kokorin - Dzyuba.
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 67.354
Gelbe Karten: Cahill - Schennikov

krä



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
janowitsch 11.06.2016
1. Beide schwach
So doll war das Spiel der hochgelobten Engländer nicht. Klar waren sie besser, aber ihr Tor war auch nur ein Geschenk des Schiris und des russischen Torhüters. Am Ende hatten sie den Sieg nicht verdient.
gruesenko 11.06.2016
2. Gerechtes Unentschieden!
Fürchtete nach den ersten Eindrücken schon "Kick and Rush", wurde aber dann eines Besseren belehrt. Die Engländer mit leichten Vorteilen in Spielanlage, hätte sie technisch nicht so versiert erwartet; erstaunlich dass eher uninspirierte Spiel der Russen, bei näherem Hinsehen aber mit fehlender Laufbereitschaft zu erklären. Führung der Engländer entsprechend Spielverlauf verdient, wenn auch unter Mithilfe Akinfejews. Der Ball erschien haltbar. Ausgleich der Russen letztlich durch das gesteigerte Engagement gerechtfertigt - geniales Kopfballtor des Cpt.
spoki79 11.06.2016
3.
Ja die Guten Manschaften konnten im Moment noch nicht so überzeugen, mal abwarten noch so Passiert
claus_debold 11.06.2016
4. Rückblenden
Ich möchte mal die Frage stellen, ob es noch andere Zuschauer gibt, die sich daran stören, dass dieser seltsame Pokal, der einen mit penetranter Konstanz bei Rückblenden in´s Gesicht fliegt, Unwohlsein macht? Es ist einfach ein unangenehmes Gefühl und ich kann mir nicht helfen, als da eine Absicht dahinter zu vermuten. Vielleicht erinnert sich jemand an die 70er, als Coca Cola bei Vorfilmen jeweills 1/24 pro sec. mit einem schäumenden Glas Coke eingefügt wurde und in der Pause vor dem Hauptfolm eine Menge Leute auf einmal mehr Durst bekamen? Unterbewußtsein. Meines reagiert jedenfalls auf diesen Pokal, ich kann nur noch nicht erkennen, ob die arme FIFA ihr Spendenkonto darin publiziert oder ob es nur optische Vergewaltigung der Zuschauer ist? Ansonsten war es ein Superspiel. Ich freue mich für die Russen.
gabeljürge 11.06.2016
5. Russen feiern
Bei mir in Leipzig, wo es viele Russlandfreunde - nicht nur bei der AfD - gibt, wird das 1:1 jedenfalls fast wie ein Erfolg der "Sbornaja" mit vielen Böllern gefeiert...England hat hier weniger Freunde. Na sdorowje...
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