Islands Sieg gegen England Uuuhhh, Sensationsdóttir!

Sensationsson? Pah! Der Sieg von Island gegen England war viel größer. Der Mega-Außenseiter träumt dank Einwurf-Geheimwaffe vom ganz großen Coup, der Gegner verabschiedet sich ein zweites Mal aus Europa. Das Wichtigste zum Spiel.
Islands Sieg gegen England: Uuuhhh, Sensationsdóttir!

Islands Sieg gegen England: Uuuhhh, Sensationsdóttir!

Foto: Michael Dalder/ REUTERS

Ausgangslage: England gegen Island - das war Favorit gegen Außenseiter, Turniergeheimfavorit gegen sympathische Maskottchentruppe. Nur dann war da eben auch dieses weltgeschichtliche Ereignis namens Brexit, das so eine wunderbare Steilvorlage zu einer möglichen Analogie im Fußball sein konnte. Aber England würde sich doch nicht wirklich ein zweites Mal aus Europa verabschieden?

Gefahrenlage: Englands Trainer Roy Hodgson war die größte Bedrohung der Isländer wohlbekannt, und er gab sich vorbereitet. Ja, die langen Einwürfe von Aron Gunnarsson seien "eine Waffe", sagte Hodgson, aber im Training würde man sich schon darauf vorbereiten.

Startaufstellungen

England: Hart - Walker, Cahill, Smalling, Rose - Alli, Dier, Rooney - Sturridge, Kane, Sterling
Island: Halldórsson - Saevarsson, Árnason, R. Sigurdsson, Skúlason - Gudmundsson, Gunnarsson, G. Sigurdsson, B. Bjarnason - Sigthórsson, Bödvarsson

Ergebnis: 1:2 (1:2) - Island erreicht sensationell das Viertelfinale und trifft nun auf den nächsten Favoriten des Turniers: Gastgeber Frankreich. Aber wie groß war diese Sensationsson, ach was, Sensationsdóttir, wirklich? Mit welchem Ereignis kann man sie annähernd vergleichen? Stimmen Sie ab!

Wie es dazu kam...

Erste Halbzeit: Nach vier Minuten war noch alles wonderful für England, eine Menge lächelnder Gesichter in weißen Trikots lief über das Feld, nachdem Wayne Rooney einen Foulelfmeter an Raheem Sterling zur Führung verwandelt hatte. Gut, bei diesem "Engländer-verwandelt-Elfmeter"-Ding hätte man stutzig werden können, aber damit dauerte es noch zwei Minuten. Dann traf Ragnar Sigurdsson, und es stand 1:1. Das als solches war schon überraschend genug, aber das WIE war noch irrer, und ja, auch peinlich für unseren angeblich so gut vorbereiteten Optimisten Roy H. Warum?

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Fußballsensationen: Maracanaço, Wunder von Bern und Sigthórsson

Foto: ANNE-CHRISTINE POUJOULAT/ AFP

Darum: Das 1:1 der Isländer war eine 1:1-Kopie des 1:0 gegen Österreich im letzten Gruppenspiel. Auch da hatte Gunnarsson von der rechten Seite eingeworfen, in der Mitte gab es eine Kopfballverlängerung (auch da von Árnason) und im Strafraum einen Torschuss mit rechts, diesmal durch Sigurdsson.

Erste Halbzeit (II): Noch etwas passierte in dieser Hälfte, die keine einzige ernstzunehmende Torchance für die Engländer brachte. Kolbeinn Sigthórsson tauchte an der Strafraumgrenze auf und schoss in Richtung des Tores von Englands Keeper Joe Hart. Es war ein platzierter, kein harter Schuss, ganz sicher aber einer, den man halten konnte. Und doch landete der Ball zum 2:1 im Netz und ebenda auch der Spott über Hart.

Zweite Halbzeit: Noch immer war die Wahrscheinlichkeit eines englischen Ausgleichstreffers höher als die einer unglaublichen Sensation. Aber dann schoss Harry Kane einen Freistoß eine Einfamilienhausbreite rechts an der Mauer vorbei und kurz darauf flankte Wayne Rooney in den Vorgarten desselbigen. In der 62. ging nochmal so etwas wie ein Ruck durch die englische Mannschaft, als Stürmer Jamie Vardy eingewechselt wurde. Aber der Ruck war dann doch nur ein Rückchen, so als ziehe man Sie gaaanz sanft an Ihrer Jacke. Und dann war es aus.

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England vs. Island: Einwurf ins Glück

Foto: Pavel Golovkin/ AP

Frage des Spiels: "Herr Roy H., warum zur Hölle bringen Sie Marcus Rashford nicht früher?" Diese Frage drängte sich tatsächlich auf, nachdem Roy H. den 18-jährigen Angreifer von Manchester United erst vier Minuten vor Schluss eingewechselt hatte und dieser dann in kürzester Zeit mehr zum Spiel beitrug als die allermeisten englischen Spieler in den anderthalb Stunden zuvor.

Erkenntnisse des Spiels: England war ein Scheinriese, bis auf den Elfmeter in Minute drei brachte die angeblich so talentierte Mannschaft nichts Zwingendes zustande. Und Island? Mauerte nicht nur, sondern spielte klug mit - und ist nebenbei so effizient wie kein anderes Team bei diesem Turnier.

The End: Roy H., die tragischste aller tragischen England-Figuren, trat direkt nach dem Debakel zurück. Es war mit Abstand die beste aller Entscheidungen, die er an diesem Tag getroffen hatte.

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