SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. Juni 2016, 19:52 Uhr

Sieg gegen Spanien

Italien fordert Deutschland im EM-Viertelfinale

Der Titelverteidiger ist raus: Italien hat Spanien im EM-Achtelfinale besiegt - dank einer überraschenden Ausrichtung. Nun kommt es zum Duell mit der deutschen Nationalelf.

Italien steht im Viertelfinale der Fußball-EM und trifft dort auf die deutsche Nationalmannschaft. Die "Squadra Azzurra" bezwang Titelverteidiger Spanien in beeindruckender Manier 2:0. Die Tore erzielten Abwehrspieler Giorgio Chiellini in der 33. Minute und Stürmer Graziano Pellè in der Nachspielzeit.

"Deutschland gegen Italien - man erschaudert davor", sagte Italiens Trainer Antonio Conte nach dem Sieg mit Blick auf die nun anstehende Partie am Samstag (21 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE). Gegen den Weltmeister werde es äußerst schwierig werden: "Wahrscheinlich noch härter als gegen Spanien."

Spaniens Trainer Vicente del Bosque vertraute auch im vierten Spiel derselben Startaufstellung. Conte wechselte gegenüber dem letzten Gruppenspiel, in dem er eine ganze Reihe von Stammspielern geschont hatte, erneut auf sieben Positionen: Gianluigi Buffon, Chiellini, Daniele de Rossi, Marco Parolo, Emanuele Giaccherini, Éder und Pellè durften gegen Spanien ran.

Italien hatte bei dieser EM bislang durch eine grandiose taktische Leistung überzeugt, besonders in der Defensive. Am Montag beeindruckten sie hingegen auch durch ihre offensive Spielweise, mit der sie Spanien überraschten: Erst fand Parolo noch keinen Abnehmer für seine Flanke (6. Minute), dann stand Éder plötzlich zwölf Meter vor dem Tor völlig frei (7.), sein Schuss wurde abgelenkt. Bei Pellès Kopfball (8.) musste sich David de Gea mächtig strecken, um einen Rückstand zu verhindern - und da waren gerade einmal acht Minuten gespielt!

Fallrückzieher an den Pfosten

Das letzte EM-Duell der beiden Teams hatte Spanien 4:0 gewonnen - es war das Finale 2012. An diesem Montag waren es in der ersten Hälfte jedoch die Iberer, die sich ständigem Druck ausgesetzt sahen: Italiens Mittelfeldspieler Giaccherini traf in der elften Minute mit einem Fallrückzieher den Pfosten, der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir bewertete die Aktion jedoch als zu gefährlich - und pfiff sie ab.

Italiens Tempo ließ nun etwas nach, dennoch blieb das Conte-Team gefährlich und schaffte es zudem, Spaniens Offensivspieler vom eigenen Tor fernzuhalten. Parolo hatte per Kopfball die nächste Chance (24.). Von Spaniens Angriff war hingegen quasi nichts zu sehen - auch weil Leonardo Bonucci in der 28. Minute rechtzeitig klärte. Deutlich schlechter verteidigte Spaniens Innenverteidiger Sergio Ramos eine Minute später: Seine verunglückte Abwehraktion landete fast im eigenen Tor.

In der 33. Minute war es dann so weit: Einen Freistoß von Eder ließ de Gea nach vorne abprallen, Giaccherini setzte nach, der Ball sprang vor die Füße von Chiellini, der aus wenigen Metern für das 1:0 sorgte. Die Führung war hochverdient - und hätte kurz vor der Pause noch ausgebaut werden können, wenn Alessandro Florenzis Flanke nicht zu ungenau geraten wäre (44.) und de Gea gegen Giaccherinis Schuss nicht glänzend pariert hätte (45.).

Spanien wacht auf

Nach der Halbzeit begann Italien erneut offensiv, doch die erste Großchance hatten die Spanier: Aus fünf Metern kam Angreifer Morata freistehend zum Kopfball - und scheiterte kläglich an Buffon. Kurz darauf musste Chiellini gleich doppelt klären (51.), bevor Cesc Fàbregas einen Fernschuss ein paar Meter über die Latte setzte.

Der Titelverteidiger war nun deutlich besser im Spiel - hätte aber fast den zweiten Treffer kassiert. Einzig der zweiten starken Parade von de Gea gegen den frei heranstürmenden Èder hatten die Spanier es zu verdanken, dass es beim 1:0 blieb (55.). Der Keeper zeigte heute jedoch auch weitere schwache Aktionen, so etwa in der 62. Minute, als ihm der Ball aus den Fingern rollte - und er fast einen weiteren Treffer kassierte.

In den Mittelpunkt rückte nun auch Schiedsrichter Cakir, der bei einigen Zweikämpfen fragwürdige Entscheidungen traf. Exemplarisch: Gerard Piqué räumte Éder aus dem Weg, trat ihm im Fallen mit den Stollen in den Bauch, kam aber um einen Pfiff - und eine Karte - herum (59.). Die lasche Linie des Referees führte dazu, dass die Zweikämpfe nun härter geführt wurden (etwa Silva gegen Sciglio).

Pellè sorgt für die Entscheidung

Fußball wurde dennoch weiter gespielt: Der zur Beginn der zweiten Hälfte gekommene Aritz Aduriz versuchte es zunächst mit einem Distanzschuss, der knapp neben das Tor ging, bevor kurz darauf Italien-Keeper Buffon den Ball in höchster Not vor ihm wegfausten musste. Ein Kopfball von Ramos verpasste das Ziel hingegen deutlich. In der 74. Minute legte der ebenfalls eingewechselte Lucas Vasquez den Ball an Buffon vorbei an den Pfosten - doch er stand im Abseits.

Italien ließ nun mehr zu, das gefiel Trainer Conte gar nicht: Der 46-Jährige kassierte eine kuriose Verwarnung vom Schiedsrichter, weil er nach einer schwachen Aktion seines Teams aus Wut den Ball wegdrosch.

Dieser Wutausbruch des Coaches rüttelte die Italiener jedoch zunächst nicht wach: Buffon musste kurz hintereinander zwei gefährliche Distanzschüsse von Andrés Iniesta und Piqué (77.) parieren. Pedro flog in der 86. Minute nur knapp an einer Flanke vorbei, dann parierte erneut Buffon gegen Piqué. Für die Entscheidung sorgte Italiens Angreifer Pellè, der in der Nachspielzeit nach einem Konter zum 2:0 traf.

Italien - Spanien 2:0 (1:0)
1:0 Chiellini (33.)
2:0 Pellè (90.+1)
Italien: Buffon - Barzagli, Bonucci, Chiellini - De Rossi (ab 54. Motta) - Florenzi (ab 84. Darmian), Parolo, Giaccherini, De Sciglio - Éder (ab 82. Insigne - Pellè
Spanien: De Gea - Juanfran, Piqué, Ramos, Alba - Busquets - Fàbregas, Iniesta - Silva, Morata (ab 70. Vazquez), Nolito (ab 46. Aduriz, ab 81. Pedro
Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei)
Zuschauer: 76.165
Gelbe Karten: De Sciglio, Pelle, Motta (2) - Nolito, Busquets, Silva

bka

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung