Gruppe D - Kroatien Der Geheimtrainer

Kroatien ist das Rätsel unter den EM-Teilnehmern. Der Kader ist stark genug fürs Viertelfinale, doch auch ein Vorrundenaus ist realistisch. Das größte Fragezeichen: Trainer Ante Cacic.

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In jedem EM- und WM-Viertelfinale der jüngeren Vergangenheit wäre Kroatien vertreten gewesen - wenn im Fußball die Trainer völlig unwichtig wären und nur die Spieler zählten. Aber der Kader ist eben längst nicht alles. Taktik, Teamgeist, Einstellung und vieles mehr bestimmen den Erfolg einer Mannschaft, wobei der Trainer sämtliche Bereiche maßgeblich beeinflusst. Was das für Kroatien, das erneut ein hervorragendes Aufgebot zur Verfügung hat, bei der bevorstehenden EM bedeutet? Gute Frage.

Luka Modric, Ivan Rakitic, Mario Mandzukic, Ivan Perisic, Milan Badelj: Der kroatische Kader ist voller Top-Spieler, speziell das Mittelfeld gilt als Prunkstück. Doch das war bereits bei der WM 2014 sowie der EM 2012 nicht anders, als die Mannschaft jeweils in der Vorrunde scheiterte. Die Besetzung an der Seitenlinie ist diesmal jedoch eine andere. Aktuell werden die Vatreni von Ante Cacic trainiert, er folgte im September auf Niko Kovac, der mittlerweile Eintracht Frankfurt coacht.

Ante Cacic - wer diesen Namen noch nie gehört hat, muss sich nicht schämen. Der 62-Jährige ist außerhalb Kroatiens ein unbeschriebenes Blatt. Selten arbeitete er im Ausland, vor zehn Jahren war er kurzzeitig Co-Trainer der Nationalmannschaft Libyens, 2013 wurde er nach wenigen Monaten in Slowenien beim NK Maribor entlassen. Zuletzt arbeitete er beim kroatischen Erstligisten Lokomotiva Zagreb, mit dem Klub stand er im Tabellenmittelfeld. Cacic gilt als jemand, der den mächtigen Mamic-Brüdern nahe steht, was seiner Berufung zum Nationaltrainer womöglich nicht abträglich gewesen sein dürfte. Und das soll der Trainer sein, der es schafft, das Potenzial in Kroatiens Kader in die richtigen Bahnen zu lenken?

Das Gegenteil von Vollgasfußball

Ende Mai 2016, die Vatreni testen gegen Moldawien, es ist der vorletzte Gegner, ehe die EM beginnt. Obwohl Kroatien 1:0 gewinnt, dürfte Cacic das, was er zu sehen bekommt, nicht gefallen. Dem Spiel seiner Mannschaft fehlt es an Intensität, die Profis zeigen kaum Sprints ohne Ball. Es ist das Gegenteil von Vollgasfußball.

Schon beim 1:1 gegen Ungarn im März war das wenig anders. Die Bewegungen der Spieler wirkten unharmonisch, der Fokus aufs Flügelspiel angesichts des spielstarken Mittelfelds nicht ganz passend. Dass dennoch vereinzelt gute Spielzüge zustande kamen, lag an der Klasse der Akteure. Wenn ein Luka Modric mit einem Mateo Kovacic kombiniert, springt schon mal schöner Fußball heraus.

Diese Schönheit dadurch zu automatisieren, indem man dem Team Muster an die Hand gibt, die auf die Stärken und Schwächen des Kaders ausgerichtet sind, ist Aufgabe des Trainers. Es sah lange nicht danach aus, dass Cacic darin erfolgreich sein wird. Dann folgte im letzten Test ein 10:0-Rekordsieg, der Gegner allerdings: San Marino.

Es wird darauf ankommen, die Trainingszeit vor EM-Beginn zu nutzen. Wie Kroatiens Mannschaft beim Auftaktspiel gegen die Türkei aussehen wird, ist immer noch offen. Das gilt auch für das Abschneiden im Turnier. Aber das ist für die Kroaten nichts Neues.

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