Gruppe B - Slowakei Großer Star, große Schwachstelle

Nie hatte die Slowakei so einen Fußballer wie Marek Hamsík. Seine Klasse ist aber nicht nur positiv für den EM-Debütanten - die Abhängigkeit vom Offensivspieler könnte dem Team auch zum Verhängis werden.

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Von Olaf Edig


Seine bisher größte Stunde erlebte der slowakische Fußball bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. In einer Gruppe mit Paraguay, Neuseeland und Italien qualifizierte sich die Mannschaft als Tabellenzweiter für das Achtelfinale und unterlag dort dem späteren Vizeweltmeister Niederlande mit 1:2. Die Europameisterschaft in Frankreich ist das zweite große Turnier, für das sich der 1993 wiedergegründete Verband qualifizieren konnte.

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Der Weg durch die Qualifikation war imponierend. Die Slowakei startete mit sechs Siegen, besonders das 2:1 gegen Spanien ließ aufhorchen und entfachte in der Heimat Fußballeuphorie. Am Ende belegte die Slowakei hinter Spanien Platz zwei und qualifizierte sich souverän für die EM.

Seit der Weltmeisterschaft 2010 hat sich bei den Slowaken einiges getan. Nationaltrainer Ján Kozák (seit 2013) nominierte zwar zehn Spieler, die bereits in Südafrika dabei waren, doch die Balance hat sich verändert. Marek Hamsík, dessen Stern in Südafrika aufging, ist inzwischen der Teamkapitän und unumstrittene Superstar. In der Slowakei wurde der 28-Jährige bereits fünfmal zum Fußballer des Jahres gekürt, Hamsíks fußballerische Heimat ist jedoch Italien, wo er seit 2004 aktiv ist. Seit der Saison 2007/2008 spielt er bei SSC Neapel. Seinen Klub führte er als Kapitän in der abgelaufenen Saison zur Vizemeisterschaft.

Stärken in der Defensive

Die Stärken der Mannschaft von Kozák liegen zwar in der Defensive, in der Innenverteidigung spielen die erfahrenen Jan Durica (34 Jahre alt) und Martin Skrtel (31). Die Tore werden bevorzugt aus dem Umschaltspiel heraus erzielt.

Doch trotz der defensiven Ausrichtung dürften wenige Teams beim Turnier in Frankreich so abhängig von der Leistung eines einzelnen Spielers sein wie die Slowakei von Offensivstar Hamsík. Er befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere und kann im offensiven Mittelfeld jede Position übernehmen.

Ob aus dem Zentrum, über die Flügel, als Ballverteiler aus der Tiefe kommend oder als zusätzlicher Angreifer - er bestimmt Tempo und Aufbau seiner Mannschaft, was ihn gleichzeitig zu ihrem wichtigsten Spieler und ihrer größten Schwäche macht. Denn gelingt es dem Gegner, Hamsík aus dem Spiel zu nehmen, nimmt man der slowakischen Auswahl ihre gefährlichste Waffe und macht sie berechenbar.



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