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Trainer Marcel Koller: Ein Schweizer für Österreich

Foto: Kerstin Joensson/ AP

Gruppe F - Österreich Fühlt sich an wie Mainz 05

Österreich schickt 15 Profis aus der deutschen Bundesliga zur EM - zwei mehr als der DFB. Kein Wunder, dass der Spielstil vertraut wirkt. Erfolgreich ist er obendrein.

Das wohl dunkelste Kapitel in Österreichs jüngerer Fußballgeschichte endet in Astana. Am 11. Oktober 2011 findet in Kasachstans Hauptstadt das letzte Spiel vor der Ära Marcel Koller statt, durch das triste 0:0 beendet das ÖFB-Team die EM-Qualifikation als Gruppenvierter, der Rückstand auf Platz eins beträgt 18 Punkte. Mal wieder hat das Land die Teilnahme an einem großen Turnier verpasst.

Was folgt, ist eine der erfolgreichsten Phasen, die der österreichische Fußball je erlebt hat.

Vier Jahre später hat die Nation mit neun Siegen aus zehn Partien erstmals in seiner Geschichte die sportliche Qualifikation für eine EM geschafft. Das eigentlich Sensationelle daran ist, dass man das nicht als Glücksfall abtun, sondern Österreich in Frankreich zu den potenziellen Turnier-Überraschungen zählen sollte.

Österreichs neue Stärke basiert wesentlich auf zwei Faktoren. Zum einen ist da eben jener Marcel Koller. Der Trainer hat seinem Team eine Spielweise verpasst, die Österreich gegen jeden Gegner durchzuziehen versucht. Egal ob der Brasilien heißt oder Albanien. Der zweite Faktor ist die Bundesliga.

Österreichs Spiele fühlen sich an wie die von Mainz 05

15 Spieler aus der Liga stehen in Kollers Kader, zwei mehr als beim deutschen Nationalteam. Vor allem aus taktischer Sicht verkörpert keine Mannschaft die Bundesliga bei der EM besser als Österreich. Zwar orientiert sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw grob am Ballbesitzfußball, den Bayern München und Borussia Dortmund praktizieren. Mit dem Fußball, den ein typisches Bundesligaspiel bietet, hat das aber wenig zu tun. Wer hingegen Österreichs Nationalteam bei dessen Auftritten beobachtete, wurde an all die Samstagnachmittage erinnert, bei denen es um Pressing, Gegenpressing und zweite Bälle gegangen ist. Österreichs Spiele fühlen sich an wie die von Mainz 05.

Juni 2015, das Qualifikationsspiel in Russland. Die Gastgeber schaffen es kaum in die gegnerische Hälfte, Österreichs Pressing funktioniert zu gut. Die österreichischen Stürmer bleiben nahe der Feldmitte, auch die beiden äußeren Mittelfeldspieler achten darauf, nicht zu breit zu stehen. Dadurch sollen Pässe ins Zentrum verhindert werden. Sobald der Gegner den Ball auf die Seite spielt, machen die Österreicher Druck: mit höchster Intensität wird der Passempfänger bei der Annahme gepresst, gleichzeitig werden seine Anspielstationen zugestellt. Das Spiel endet 1:0, es ist ein Meilenstein auf dem Weg zur EM.

Das defensive Mittelfeld gehört zu den besten bei der EM

Bremens Zlatko Junuzovic, Bayerns David Alaba oder Julian Baumgartlinger aus, eben, Mainz - Koller setzt auf eine Reihe von Spielern, die sich hervorragend auf die Arbeit gegen den Ball verstehen und ausgesprochen laufstark sind. Alaba und Baumgartlinger bilden dank ihrer Spielintelligenz ein defensives Mittelfeld, das sich vor keinem anderen bei der EM verstecken muss.

Österreich schafft es zuverlässig, den gegnerischen Spielaufbau zu zerstören. Das könnte für Gruppengegner Portugal zum Problem werden. Genauso denkbar ist allerdings, dass Österreich sich schwer tut, die isländische Abwehr zu knacken. Denn das Koller-Team fühlt sich am wohlsten, wenn es kontern kann.

Solange der Pressingplan aufgeht, dürfte Österreich dennoch zu den unangenehmsten EM-Teams gehören. Mit etwas Glück könnte der 22. Juni 2016 als weiteres historisches Datum in die österreichische Fußballgeschichte eingehen. An dem Tag könnte die Mannschaft von Marcel Koller die K.o.-Runde eines großen Turniers erreichen. Es wäre das erste Mal seit 1954.

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Von Albanien bis Deutschland: 24 Teams treten bei der EM in Frankreich an. SPIEGEL ONLINE stellt alle Mannschaften vor. Die Texte in der Übersicht:Gruppe A

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