Frankreichs Sieg gegen Rumänien Ein Mann für außergewöhnliche Momente

Für Frankreich sah es gegen Rumänien lange nach einem misslungenen Auftakt aus. Dann kam Dimitri Payet - und erlöste sein Team. Nicht nur deshalb war er bester Mann des Spiels.

Aus Paris berichtet


Dimitri Payet hat am Freitagabend etwas geschafft, was es in der Geschichte von Fußball-Europameisterschaften vielleicht noch nie gab: Er ist bereits im ersten Spiel zum Helden der französischen Fans geworden. Dafür lieferte er gleich drei Gründe:

  • Der Mann von West Ham United war der beste Spieler auf dem Platz.
  • Bei aller Offensivpower vergaß der 29-Jährige auch seine Defensivaufgaben nicht - das dürfte besonderes Trainer Didier Deschamps gefallen haben.

Es lief die 89. Spielminute, als Payet mit einem technisch feinen Gewaltschuss das 2:1 erzielte. Es war ein Treffer, von dem kleine Jungs träumen, wenn sie sich vorstellen, wie sie ihre Mannschaft mit einer Sensationstat zur Europa- oder gar zur Weltmeisterschaft schießen, wenn sie mal groß sind. Und von einem schöneren Tor kann man eigentlich auch nicht träumen. "Ich hätte nie geglaubt, dass der Abend so läuft", sagte der Kunstschütze im Anschluss an das Spiel. "Nach dem Tor ist der ganze Druck von mir abgefallen."

Das mochte man gern glauben, schließlich wäre es für die Franzosen kein guter Auftakt gewesen, mit einem 1:1 gegen Rumänien in die EM zu starten - in ein Turnier, das die eigenen Fans ziemlich lautstark zelebrierten. Schon vor dem Anpfiff sangen sie die französische Nationalhymne "Marseillaise" so laut mit, dass sie das Orchester bei der Eröffnungsfeier glatt übertönten.

So ein Abend darf nicht mit einem Remis enden - auch weil es unverdient gewesen wäre, obwohl das Spiel lange eng verlief. Aber die Franzosen vergaben zunächst allein durch Olivier Giroud (10./45) und Antoine Griezmann (14./37.) vier gute Möglichkeiten, ehe Giroud dann endlich wirklich traf (57.). Per Kopf setzte er sich im Luftduell mit dem rumänischen Keeper Ciprian Tatrusanu durch. Der Ausgleich von Bogdan Stancu per Elfmeter wirkte für die Franzosen nur acht Minuten später wie ein Schock (65.).

Die Rumänen spielten so, wie Didier Deschamps es prophezeit hatte. Sie stellten sich nicht hinten rein und waren sehr engagiert. Dennoch waren die spielfreudigen Franzosen letztlich überlegen. Die Gastgeber spielten nach nervösem Beginn bis zum Ausgleich hochklassigen Fußball und waren Rumänien vor allem in Sachen Tempo und Passqualität deutlich überlegen. Doch es gab auch bei Frankreich noch Verbesserungsbedarf.

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Griezmann baute im zweiten Durchgang stark ab, Paul Pogba war nach gutem Beginn auch nicht mehr auf der Höhe. Und auch das Abwehrverhalten war nicht immer souverän: zum Beispiel zwei Standardsituationen zu Beginn der Partie und bei der Großchance von Stancu (48.), der eine Art Seitfallzieher ganz knapp am Tor vorbeisetzte. Die Franzosen wären allerdings nicht die erste Mannschaft, deren defensive Wackler letztlich nicht so ins Gewicht fallen, weil die Offensive die Qualität hat, um das wettzumachen.

Und doch hätte es am Freitag eben nicht zu einem Sieg gereicht, wenn Payet in der 89. Minute nicht einfach alles richtig gemacht hätte. Aber der Angreifer, dem bei seiner Auswechslung in der Nachspielzeit die Tränen kamen, konnte auch dem Last-Minute-Sieg nur Positives abgewinnen: "Wenn wir mit zwei, drei Toren Unterschied gewonnen hätten, hätte uns das vielleicht zu sehr in Sicherheit gewiegt", sagte er. Jetzt sei aber auch die kurze Pause wichtig: "Wir brauchen jetzt ein bisschen Erholung vor dem nächsten Spiel", sagte er noch und verabschiedete sich in den Mannschaftsbus.

Was sein Trainer ein paar Minuten zuvor über den Mann gesagt hatte, dem er erst kurz vor dem Turnier den Vorzug vor Anthony Martial gegeben hatte, dürfte der müde Payet aber doch noch gehört haben: "Ich habe keine Zweifel an ihm und auch keine an seinem Einfluss auf das Spielgeschehen. Er ist einfach in der Lage, außergewöhnliche Dinge zu tun."



insgesamt 48 Beiträge
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kommunaler querdenker 11.06.2016
1. Könnte...
...mal bitte erwähnt werden, dass Giroud den rumänischen Torwart beim 1:0 gefoult hat?
swingsession 11.06.2016
2. Completely Unknown
Im Prinzig finde ich es ja gut, wenn ein Arbeitgeber auch nach einer weniger guten Performance seines Angestellten an diesem festhält. Im Falle der öffentlich-rechtlichen Fussball Kommentatoren muss ich allerdings sagen, dass es mittlerweile nicht mehr darstellbar ist, warum solche Underperformer wie Bela Rehty weiterhin ihren verbalen Sondermüll verkünden dürfen. Die ARD mit ihrem Labermaul Steffen Simon ist allerdings um keinen Deut besser. Sind wir in D mittlerweile wirklich schon so anspruchslos geworden, dass wir uns mit dieser Mittelmäßigkeit abfinden? Nehmt Euch ein Beispiel an Sky, da wird zwar auch viel Unsinn erzählt, aber das Gesamtniveau liegt insgesamt doch einige Stockwerke höher.
susa_pilar 11.06.2016
3. Schiri sei Dank
Elfmeter für Ru nicht gegeben, dafür 1:0 trotz eindeutigem Foul! ...sonst hätten wir wie in Brasilien diese Flennerei ertragen müssen. Danke Schiedsrichter, Danke UEFA und Gratulation, la grande nation ist ein würdiger Europameister.
wahmbeck 11.06.2016
4. trotzdem verdient
Trotz des soäten Treffers ist der Sieg verdient. Die Rumänen haben sich abgesehen von den beiden Anfangsphasen fast nur aufs Verteidigen beschränkt. Die Franzosen waren nervös, haben aber phasenweise mitunter starke individuelle Klasse angedeutet.
dieter 4711 11.06.2016
5. Wokommt er her?
Wo kommt Payet her?
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