Historische DFB-Duelle gegen Frankreich und Portugal Einmal hässlich, meistens hübsch

Angst vor den kommenden EM-Gegnern Frankreich und Portugal? Vielleicht hilft ein Blick zurück: Bislang hat die DFB-Elf gegen beide Gegner bei Turnieren eher gut ausgesehen.

Kamil Krzaczynski DPA

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Einfach mal positiv denken. Es gab bislang ein großes Turnier, bei dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sowohl auf Portugal als auch auf Frankreich getroffen ist. Das war 2014 in Brasilien, und Deutschland war am Ende Weltmeister. So gesehen ist die EM-Auslosung von Bukarest am Samstagabend eine einzige romantische Erinnerung an die Tage von Rio.

Die Zeiten haben sich allerdings geändert, der Weltmeistertitel ist mittlerweile nach Frankreich gewandert, die Portugiesen dürfen sich aktuell Europameister nennen. Dennoch hilft beim Positive Thinking auch der Blick in die Vergangenheit. Duelle mit den Franzosen und Portugiesen gab es einige bei Welt- und Europameisterschaften, und meistens haben die Deutschen sie gewonnen.

Deutschland gegen Frankreich - das gab es schon fünf Mal bei Turnieren, spektakulär ging es bei der Premiere zu, als die Équipe Tricolore, angeführt vom großen Just Fontaine, das Spiel um den dritten Platz 6:3 gewann. Dennoch denkt man bei diesem Duell zuallererst an Sevilla, an jenen denkwürdigen 8. Juli 1982, als beide Teams sich im WM-Halbfinale trafen.

Schumacher mit dem Kaugummi

Ein Abend, der die Licht- und Schattenwürfe dieses Sports in einer Weise verkörperte, dass man sich auch 37 Jahre später daran erinnert, als sei die Partie erst letztlich gespielt worden. Die brillanten Franzosen um Michel Platini, Alain Giresse und Jean Tigana gegen eine deutsche Mannschaft, die ihre Qualitäten zuvörderst in Kampfkraft und Einsatz definierte - ein Einsatz, der weit über die Grenze hinausging, als Torwart Toni Schumacher den Franzosen Patrick Battiston ausknockte.

Das Bild des Kaugummi kauenden Schumachers, der, den Ball unterm Arm, zusieht, wie Battiston anschließend mit der Trage abtransportiert wird, ist ein Gemälde der WM-Geschichte. Der hässliche Deutsche, er war von dort an ein Kölner. Schumacher, der nach einer unvergessen dramatischen Verlängerung die Franzosen im Elfmeterschießen verzweifeln ließ.

Fotos aus der deutschen Turniergeschichte mit Frankreich und Portugal:

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Fotostrecke: Jacketkronen und Dreifach-Müller

Vier Jahre später in Mexiko hätten Platini und Co. die Gelegenheit zur Revanche gehabt, als es erneut im Halbfinale gegen das DFB-Team, mittlerweile von Franz Beckenbauer betreut, ging. Aber die Mannschaft, ausgebrannt nach einem fantastischen Viertelfinale gegen Brasilien, biss sich an der deutschen Elf die Zähne aus. Wieder überragte Schumacher; Andreas Brehme und Rudi Völler erledigten den Rest.

Es dauerte 28 Jahre, bis man sich wieder traf, wieder eine WM, diesmal das Viertelfinale von Rio. Mats Hummels war der Mann des Spiels beim 1:0 - vorne machte er ein Tor, hinten verhinderte er es. So hatten sich die Franzosen noch zwei Jahre in Geduld zu üben, bis sie endlich bei einem Großevent mal wieder den Platz als Sieger verließen. Beim EM-Halbfinale 2016 in Marseille leistete Bastian Schweinsteiger mildtätige Hilfe mit einem unnötigen Handspiel im Strafraum. Antoine Griezmann nahm das Elfmetergeschenk an, das Spiel, bis dahin von der Löw-Elf dominiert, war gekippt. Frankreich zog ins Endspiel ein und verlor dort gegen Portugal.

Bastion Schweinsteiger

Die EM 2016, sie war der große Triumph Portugals, der Triumph Cristiano Ronaldos, auch wenn der Superstar das Endspiel, frühzeitig böse gefoult und verletzt, weitgehend von außen verfolgen musste. Dass die Portugiesen bei anderen Turnieren nicht so erfolgreich waren, lag auch mehrfach an Deutschland: 2006 entzauberte Bastian Schweinsteiger in Stuttgart mit seinen drei Toren im Spiel um den dritten Platz die Portugiesen, deren Star damals noch Luis Figo hieß. Ein Spiel wie eine einzige Feierstunde der neuen Lust am Fußball um die deutsche Mannschaft, das Abschiedsspiel des Jürgen Klinsmann. Auch wenn er damals der einzige war, der das bereits wusste.

Die DFB-Elf hatte 2006 gegen Portugal allerdings auch etwas gutzumachen: Sechs Jahre zuvor hatte sie sich bei der EM von Sérgio Conceição beim 0:3 düpieren lassen. Ein erster Tiefpunkt der Nationalmannschaft war erreicht. An diesem Abend war klar, dass der DFB eine grundlegende Reform brauchte. Bis zu Klinsmann dauerte es trotzdem noch vier Jahre.

Sein Nachfolger Joachim Löw bekam es gleich bei seiner ersten Turnier-Bewährungsprobe wieder mit Portugal zu tun, die Löw-Elf hatte sich bei der EM 2008 bis zum Viertelfinale durchgewurschtelt, Portugal mit dem aufstrebenden Ronaldo war eigentlich favorisiert, wieder lieferte Schweinsteiger eine große Partie ab, Deutschland gewann 3:2.

Bei der nächsten EM stand wieder Portugal im Weg, diesmal als Auftaktgegner in Lemberg. Die Schlagzeilen an diesem Tag gehörten Mario Gómez: Er schoss den DFB zum 1:0-Erfolg, anschließend jedoch hatte er sich mit dem ätzenden Urteil von TV-Experte Mehmet Scholl auseinanderzusetzen. Stichwort: wundlegen. Das ist auch schon wieder sieben Jahre her.

Waidwund waren zwei Jahre später eher die Portugiesen, als sie beim bisher letzten Turnierduell mit Deutschland von Thomas Müller sturmreif geschossen wurden. Mit seinen drei Treffern beim 4:0-Erfolg von Salvador, sozusagen die sehr späte Antwort auf die drei Tore von Sérgio Conceição, legte der Bayern-Angreifer die Spur, die vier Wochen später zum WM-Titel führte. Eigentlich nicht die schlechtesten Erinnerungen. Die EM kann kommen.

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Peter A. M. K. Lublewski 01.12.2019
1. Ich werde es ja nicht
"Das Bild des Kaugummi kauenden Schumachers, der, den Ball unterm Arm, zusieht, wie Battiston anschließend mit der Trage abtransportiert wird, ist ein Gemälde der WM-Geschichte. Der hässliche Deutsche, er war von dort an ein Kölner." mehr erleben, aber wetten, dass auf diesem Ereignis noch in 100 Jahren herumgeritten wird?
mirage122 01.12.2019
2. Kann die EM kommen?
Ich sehe das leider etwas anders. Immerhin hat sich unser Dauer-Trainer nicht geändert, nicht wirklich etwas dazu gelernt und praktiziert immer noch sein Konzept zur Aufstellung seiner persönlichen Lieblinge. Es wird ein recht kurzlebiges Gastspiel werden. Die gesamte Mannschaft ist völlig lustlos und wird einzig und allein von den Medien hochgejubelt!
Mister Stone 01.12.2019
3.
Löws Defensive kann Frankreichs Offensive nicht aufhalten. Weil Löw meint, es wäre das Privileg seiner Mannschaft, das Spiel zu machen. Es wäre Zeit genug, dies zu erkennen und eine beinharte Defensive aufzubauen, tief stehend, schmutzig verteidigend. So wie andere Teams das klugerweise tun, wenn sie (sprint-)technisch und spielerisch unterlegen sind. Aber Löw hatte schon immer eine Genesis-Neurose. Er will stets was großes, neues, geniales erschaffen. Wie dumm...
August R. 01.12.2019
4.
Schon komisch, dass das Langzeitgedächtnis bei Frankreich so viel weiter reicht als bei Portugal. Und schade. Denn dadurch fehlt die Begegnung bei der EM 2000 in der Aufzählung. Eine wahre Sternstunde...
gibmichdiekirsche 01.12.2019
5.
Zitat von August R.Schon komisch, dass das Langzeitgedächtnis bei Frankreich so viel weiter reicht als bei Portugal. Und schade. Denn dadurch fehlt die Begegnung bei der EM 2000 in der Aufzählung. Eine wahre Sternstunde...
Bitte nochmal nachlesen. Im Artikel findet sich ein Satz beginnend mit "Sechs Jahre zuvor...". 2006 wurde Schweinsteiger aber nicht als Deifachtorschütze anerkannt. Eines "seiner" drei Tore wird in den Annalen offiziell als Eigentor von Petit geführt, der einen Schweinsteiger-Freistoß ins eigene Netz lenkte. Was aber nichts daran ändert, dass dieses Spiel um Platz 3 in Stuttgart in bester Erinnerung ist und Schweinsteiger eine Galavorstellung zeigte.
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