Spätes Remis gegen Ungarn Goretzka rettet Deutschland das Achtelfinale

Das war großes Fingernägelkauen: Die deutsche Mannschaft musste sich den Achtelfinal-Einzug gegen Ungarn hart erkämpfen. Bundestrainer Löw wechselte den entscheidenden Mann ein. Nun wartet England.
Leon Goretzka (l.) jubelt über das 2:2, Kevin Volland und Joshua Kimmich feiern mit

Leon Goretzka (l.) jubelt über das 2:2, Kevin Volland und Joshua Kimmich feiern mit

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Lukas Barth / AP

Die deutsche Mannschaft steht im Achtelfinale der Fußball-Europameisterschaft. Beim 2:2 (0:1) im letzten Vorrundenspiel gegen Ungarn erzielte Ádám Szalai das Führungstor (11. Minute) in der Münchner Arena, Kai Havertz glich zwischenzeitlich aus (66.), András Schäfer sorgte für die erneute Führung (68.). Den Schlusspunkt setzte der eingewechselte Leon Goretzka, dem in der 84. Minute der Ausgleich gelang.

Nach nun vier Punkten aus drei Spielen ist die deutsche Mannschaft Zweiter der Gruppe F und trifft in der nächsten Runde auf England am kommenden Dienstag (21 Uhr). Frankreich und Portugal sind ebenfalls für das Achtelfinale qualifiziert, das Parallelspiel endete 2:2. Ungarn ist ausgeschieden. Eine Übersicht zum Achtelfinale finden Sie hier.

Die Partie begann mit kräftigem Regen – und einer Überraschung der Ungarn. Eine perfekt geschlagene Flanke aus dem rechten Halbfeld von Roland Sallai fand Ádám Szalai, der zwischen Matthias Ginter und Mats Hummels an den Ball kam und per Kopf zum 1:0 vollstreckte (11.). In diesem Moment wäre die DFB-Auswahl als Vierter der Gruppe F bei der EM ausgeschieden.

Zuvor hatte Joshua Kimmich eine erste Möglichkeit für die deutsche Mannschaft aus spitzem Winkel vergeben (3.), aber danach und spätestens mit dem 0:1 wurden die Räume enger, der Platz war viel umkämpfter als noch gegen Portugal, wo die deutsche Mannschaft mit dem 4:2 für Euphorie gesorgt hatte.

Ungarn aber zog sich weit zurück und setzte auf Konter. So war es nicht überraschend, dass die gefährlichste deutsche Szene nach einem Eckball von Kimmich entstand, Hummels köpfte die Hereingabe an die Latte (21.), wenige Sekunden später kam im Strafraum Ginter zum Schuss.

Ausgleich, Gegentor

Daraus entwickelte sich allerdings keine schwungvolle Phase der deutschen Mannschaft, die ihren Gegner zu selten in Bewegung brachte und kaum bis zur Grundlinie vorstoßen konnte. Derweil wurde der Regen immer kräftiger, kurzzeitig flüchteten viele Zuschauer in Richtung Innenraum des Stadions. Erst in der 52. Minute kam das DFB-Team durch einen Schuss von Kai Havertz in die Arme von Péter Gulácsi wieder zu einer nennenswerten Chance.

Dann überschlugen sich die Ereignisse: Zuerst glich Havertz aus (66.), Torwart Gulácsi war an einer Hereingabe vorbeigeflogen, Hummels brachte den Ball mit dem Kopf vor das Tor und Havertz nickte ins leere Tor ein. Nur wenige Sekunden nach Anstoß überraschte Ungarn die deutsche Elf und ging wieder in Führung durch einen Treffer von András Schäfer (68.).

Danach ging Löw auf Risiko und brachte den angeschlagenen Thomas Müller ins Spiel. In der 81. Minute kombinierte sich Deutschland schnell durch, solche Szenen waren selten, doch Toni Kroos vergab aus spitzem Winkel. Dann kam der Auftritt von Leon Goretzka, der in der 58. Minute eingewechselt worden war. Er traf mit einem Schuss aus 15 Metern zum Ausgleich – und damit auch zum Weiterkommen. Auch Jamal Musiala war am Ausgleich beteiligt, er war in der 82. Minute ins Spiel gekommen.

Protestaktion vor Anpfiff

Noch vor dem Anpfiff der Begegung war es zu einem Zwischenfall gekommen. Ein Zuschauer hatte es auf das Feld geschafft und während der ungarischen Nationalhymne vor der Gäste-Mannschaft mit einer Flagge in Regenbogenfarben posiert. Zuvor hatte die Uefa einen Antrag der Stadt München abgelehnt, die Arena des FC Bayern in Regenbogenfarben leuchten zu lassen und war daraufhin massiv kritisiert worden. Hintergrund des Antrags ist ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt. Die Regenbogenflagge gilt als Zeichen der Gleichberechtigung und Vielfalt.

jan
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