Debatte über Symbol gegen Homophobie bei der Fußball-EM Uefa verbietet Regenbogen-Arena

Als Signal gegen ein LGBTQ-feindliches Gesetz der ungarischen Regierung wollte München das Stadion für das EM-Spiel der DFB-Elf gegen Ungarn bunt leuchten lassen. Die Uefa aber untersagt die Toleranz-Bekundung.
Die Arena in München

Die Arena in München

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Frank Hoermann / Sven Simon / imago images

Das Münchner Stadion darf beim EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn am Mittwoch nicht in Regenbogen-Farben beleuchtet werden. Die Europäische Fußball-Union Uefa lehnte am Dienstag einen entsprechenden Antrag des Münchner Stadtrats ab, der das Signal für Vielfalt und selbstbestimmte Lebensformen sexueller Orientierung gefordert hatte.

»Die Uefa ist gemäß ihrer Satzung eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieses speziellen Antrags – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen nationalen Parlaments abzielt – muss die Uefa diesen Antrag ablehnen«, hieß es vom Verband.

Die Uefa ergänzte, sie habe »der Stadt München dennoch vorgeschlagen, das Stadion entweder am 28. Juni – dem Christopher Street Liberation Day – oder zwischen dem 3. und 9. Juli, der Christopher-Street-Day-Woche in München, in den Regenbogenfarben zu beleuchten.« Das letzte EM-Spiel in München findet am 2. Juli statt.

Zuvor hatte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter in einem Schreiben an die Uefa im Namen des Stadtrats die Beleuchtung beantragt, um »ein Zeichen im Sinne der Weltoffenheit und Toleranz« zu setzen sowie »ein weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis« auszusenden.

Die Münchner wurden in ihrer Forderung unter anderem von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) sowie dem deutschen Nationalspieler Leon Goretzka sowie Ungarns Willi Orban unterstützt.

Regenbogenfahnen für die Fans

»Wir als Verband finden es sehr befremdlich, wie die Uefa mit Werten umgeht, die in der Gesellschaft allgemein akzeptiert werden sollten«, sagte LSVD-Sprecher Markus Ulrich dem Sport-Informations-Dienst: »Die Uefa hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt – und es ist klar zu erkennen, auf welche Seite sie sich mit ihrer Entscheidung stellt.«

Der Münchner Vorstoß richtete sich unmissverständlich gegen die Politik der rechtsnationalen Regierung Ungarns unter Ministerpräsident Viktor Orbán. Diese hatte zuletzt ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt, durch das Parlament gebracht und damit heftige Kritik ausgelöst.

Als Reaktion auf das Verbot der Uefa wollen Verantwortliche aus der Bundesliga ihre Stadien in Regenbogenfarben leuchten lassen. So wollen etwa der 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt am Mittwoch während der EM-Partie der deutschen Mannschaft gegen Ungarn (21 Uhr, TV: ZDF; Liveticker: SPIEGEL.de) ein farbenfrohes Ausrufezeichen für Vielfalt setzen.

Der Dachverband der deutschen Christopher Street Days (CSD) will mit Partnern wie Amnesty International zudem den Zuschauerinnen und Zuschauern in München 11.000 Regenbogenfahnen zur Verfügung stellen. »Zeigen wir den LGBTIQ* in Ungarn, dass sie nicht alleine sind«, hieß es in einer Erklärung: »Doch zeigen wir auch aller Welt, dass Menschenrechte für alle Menschen zu gelten haben.«

sak/sid
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