DFB-Gegner Italien "Die Deutschen haben Angst vor uns"

Voller Selbstbewusstsein geht die "Squadra Azzurra" ins EM-Halbfinale gegen Deutschland. Das italienische Team rechnet fest mit einem Sieg. Die Mannschaft setzt auf ihre neue Spielstärke - und darauf, dass sie nie gegen eine DFB-Elf in einem wichtigen Turnier verloren hat.

DPA

Hamburg - Dass Andrea Pirlo ziemlich abgebrüht ist, zeigte sein frecher Elfmeter gegen Englands Torhüter Joe Hart: lässig, technisch brillant und unhaltbar. Nun griff der Italiener vor dem Halbfinale gegen Deutschland am Abend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) erneut in die Trickkiste. Eher beiläufig erinnerte der Spielmacher der Azzurri an die bisherigen Turnier-Duelle beider Teams - und verwies listig schmunzelnd auf die rabenschwarze Bilanz der DFB-Elf. So stark und zuversichtlich sich die DFB-Elf vor der Partie auch geben mag, Pirlo ist sicher: "Die Deutschen haben Angst vor uns."

Zusammen mit Torhüter Gianluigi Buffon, Daniele De Rossi und Andrea Barzagli gehörte Pirlo zum Weltmeisterteam 2006, das den damaligen Gastgeber Deutschland im Halbfinale nach Verlängerung 2:0 besiegte. Auch jene Italiener, die nicht dabei waren, werten die Partie vor sechs Jahren als gutes Omen: "Ich glaube zwar nicht, dass die Deutschen uns gegenüber einen Minderwertigkeitskomplex haben. Aber sie respektieren uns mehr als andere. So wird es auch am Donnerstag sein", prophezeite der Deutsch-Italiener Riccardo Montolivo, dessen Meinung dieser Tage besonders gefragt ist. "Jede Mannschaft hat Schwächen, aber die Deutschen haben nur ganz wenige", sagt er.

Auch die italienischen Zeitungen sehen in der gemeinsamen Geschichte einen Vorteil für die Azzurri: Sie drucken Bilder von den Siegen der Italiener in den WM-Halbfinals von 1970 und 2006 sowie im Endspiel 1982. "Sie haben Angst vor uns", titelte die Sportzeitung "Tuttosport" und die "Gazzetta dello Sport" warnte die DFB-Elf mit der etwas holprigen deutschen Schlagzeile: "Achtung Italia".

Parallelen mit Triumphjahr 2006

Italien hofft auf die Fortsetzung der Serie - und zieht Parallelen zum Triumphjahr 2006: Wie damals ist der neuerliche Wettskandal angesichts des bisherigen Turnierabschneidens der Azzurri kaum noch Thema. Vergessen sind auch die blamablen Vorbereitungsspiele, als man gegen die USA (0:1) und Russland (0:3) verlor. Es scheint, als habe die turbulente Vorbereitung gekrönt durch eine Razzia im Trainingslager, den Zusammenhalt der Italiener gestärkt. Und als erspiele sich das Team von Trainer Cesare Prandelli immer mehr - beinahe überhebliche - Selbstsicherheit: "Unser Mittelfeld ist so stark wie das der Spanier. Das haben wir bewiesen", sagte Pirlo. Und sein Coach ergänzte: "Wir haben große Lust auf dieses Spiel. Unser Adrenalinspiegel ist ganz oben."

Prandelli wird als Vater des Erfolgs gefeiert. Der 54-Jährige hat das ängstliche Catenaccio-System überwunden und seinem Team einen eher landesuntypischen Angriffsfußball beigebracht. Dabei setzt er auf polarisierende Offensivspieler wie Antonio Cassano und Mario Balotelli. "Wir dürfen uns nicht zurückziehen, sondern müssen versuchen, Deutschland unser Spiel aufzuzwingen", sagt Prandelli. Doch den Italienern gelangen in ihren bisherigen Spielen - abgesehen vom Elfmeterschießen gegen England - erst vier Tore bei dieser EM. Ganz scheint Italien seinen ergebnisorientierten Fußball also noch nicht losgeworden zu sein.

"Schwächen der Deutschen nutzen"

Sorgen bereiten den Italienern weniger ihre Gegner als die eigene körperliche Verfassung: Nach dem kräftezehrenden Viertelfinale gegen England am Sonntag haben sie zwei Tage weniger Regenerationszeit als die deutschen Spieler. "Das kann sich in solch einer wichtigen Turnierphase bemerkbar machen", sagte Teamarzt Enrico Castellacci. Unklar ist zudem, ob Mittelfeldstar Daniele De Rossi und Abwehrspieler Ignazio Abate im Halbfinale einsatzbereit sind. Innenverteidiger Giorgio Chiellini meldete sich hingegen fit. Alle drei mussten gegen England wegen Muskelproblemen ausgewechselt werden.

Prandelli hat somit wenig Variationsmöglichkeiten für seine Aufstellung. Seine Taktik ist deshalb simpel: "Wir müssen die Momente nutzen, in denen Deutschland schwächer ist", sagte Prandelli: "Jede Mannschaft hat solche Phasen."

Deutschland - Italien in Warschau (20.45 Uhr)
(voraussichtliche Aufstellungen)
Deutschland: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger , Khedira - Reus, Özil, Podolski - Gomez
Italien: Buffon - Abate, Barzagli, Bonucci, Chiellieni - Marchisio, Pirlo, De Rossi - Montolivo - Cassano, Balotelli

insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
WhereIsMyMoney 28.06.2012
1. Alles Gesölze
Wenn es ein Team gibt vor dem die Italiener und vor allem Prandelli Respekt haben, dann ist es Deutschland. Diese Aussagen von Pirlo sind nur Psychospielchen um vielleicht den einen oder anderen zu verunsichern. Doch die deutschen Spieler sind so hungrig und selbstbewusst wie nie, es wird nicht funktionieren. Ich denke die deutsche Mannschaft wird ein Riesentempo vorlegen, da brechen die Italiener irgendwann ein. Löw wird es diesmal wohl mit Reus-Gomez und vielleicht Götze probieren. Man muss die Schwäche der Italiener auf den Außen einfach nutzen. Schürle hat mich nicht ganz überzeugt, da sollte Götze mal eine Chance bekommen. Da muss mir niemand kommen: oh es ist doch HF, wie kann da einer reinkommen der noch nicht gespielt hat. Er ist der richtige Mann, alles andere kümmert mich nicht.
misterbighh 28.06.2012
2. Solange die nicht
Zitat von sysopREUTERSVoller Selbstbewusstsein geht die "Squadra Azzurra" ins EM-Halbfinale gegen Deutschland. Das italienische Team rechnet fest mit einem Sieg. Die Mannschaft setzt auf ihre neue Spielstärke - und darauf, dass sie nie gegen eine DFB-Elf in einem wichtigen Turnier verloren hat. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,841266,00.html
Wieder jemanden bestochen haben, brauchen wir vor dem Fallobst keine Angst haben. Okay sie spucken, kratzen, beißen aber so sind Kinder halt.
zTyphoon 28.06.2012
3. optional
Sehr schön SPON. Wieder mal die Aussage von Pirlo ausgepackt, zum gefühlten 100. Mal in den letzten 3 Tagen. Aber egal, Pirlo hatte wohl recht. Siehe Löw, die verschobene PK und den lächerlichen "Maulwurf" Vorfall.
Udo Pankratz 28.06.2012
4. Rechnen ...
Zitat von sysopREUTERSVoller Selbstbewusstsein geht die "Squadra Azzurra" ins EM-Halbfinale gegen Deutschland. Das italienische Team rechnet fest mit einem Sieg. Die Mannschaft setzt auf ihre neue Spielstärke - und darauf, dass sie nie gegen eine DFB-Elf in einem wichtigen Turnier verloren hat. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,841266,00.html
können die Italiener vielleicht, aber nicht fest mit einem Sieg. Wenn so deren neue Überheblichkeit aussieht: herzlichen Glückwunsch. Sollen sie die Deutsche Elf ruhig unterschätzen. Viel Glück!
zickezackehoihoihoi 28.06.2012
5. Die
Zitat von WhereIsMyMoneyWenn es ein Team gibt vor dem die Italiener und vor allem Prandelli Respekt haben, dann ist es Deutschland. Diese Aussagen von Pirlo sind nur Psychospielchen um vielleicht den einen oder anderen zu verunsichern. Doch die deutschen Spieler sind so hungrig und selbstbewusst wie nie, es wird nicht funktionieren. Ich denke die deutsche Mannschaft wird ein Riesentempo vorlegen, da brechen die Italiener irgendwann ein. Löw wird es diesmal wohl mit Reus-Gomez und vielleicht Götze probieren. Man muss die Schwäche der Italiener auf den Außen einfach nutzen. Schürle hat mich nicht ganz überzeugt, da sollte Götze mal eine Chance bekommen. Da muss mir niemand kommen: oh es ist doch HF, wie kann da einer reinkommen der noch nicht gespielt hat. Er ist der richtige Mann, alles andere kümmert mich nicht.
Zeit von Götze wird kommen. Aber er scheint einfach nicht 100% fit zu sein und ihm fehlt leider noch die Erfahrung. Und gerade die wird heute wichtig sein, deshalb denke ich nicht, dass er auflaufen wird (zu recht).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.