Italien vor dem Finale Freudensprünge aufgespart

Noch ein Erfolg bei der EM, dann ist Torhüter Gianluigi Buffon in Italien endgültig eine Legende. Als Europameister würde der Keeper zu Dino Zoff aufschließen. Für Unruhe sorgte dagegen Coach Cesare Prandelli, der vor dem Finale laut über seine Zukunft nachdenkt.

Torhüter Buffon: "Ich werde jubeln, wenn ich den Cup hochhalte"
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Torhüter Buffon: "Ich werde jubeln, wenn ich den Cup hochhalte"


Hamburg - Die Botschaft auf dem Teambus der italienischen Nationalmannschaft ist eindeutig: "Färbt Europa blau!" steht auf Italienisch und Englisch in großen Lettern auf dem Fahrzeug, das die "Squadra Azzurra" rund 31 Stunden vor dem Anpfiff zum EM-Endspiel gegen Spanien (20.45 Uhr Liveticker, SPIEGEL ONLINE) ins Teamquartier beförderte.

Sollte das Italiens Coach Cesare Prandelli und seinem Team im Finale gelingen, dürfte vor allem der Status von Italiens Torwart Gianluigi Buffon steigen. Mit einem Sieg und dem Europameistertitel würde der Weltklassetorwart zu einer weiteren italienischen Fußballlegende aufschließen: Dino Zoff. Der ehemalige Nationaltorhüter ist der einzige italienische Spieler, der vor Buffon auch Welt- und Europameister war.

Zoff gewann die Titel 1968 bei der EM und 1982 bei der WM. Diesen Rekord will Buffon einstellen. Deshalb dürfte er nach dem Viertelfinalsieg gegen Englandund dem Triumph gegen Deutschland nicht ausgelassen gejubelt haben: "Ich mache keine Freudensprünge für ein Halbfinale. Ich werde jubeln, wenn ich den Cup hochhalte", meinte der Keeper.

Der 34-jährige Routinier ist der große Rückhalt der "Azzurri" - nicht nur als Torwart, auch als Kapitän: "Spieler wie Buffon geben Sicherheit", sagt Italiens Verbandspräsident Giancarlo Abete. Trainer Cesare Prandelli verbindet ein sehr enges Vertrauensverhältnis mit Buffon. "Was wir besprechen, bleibt zwischen Buffon und mir", betonte Prandelli.

Mit seiner Routine führte Buffon die "Azzurri" 2006 in Deutschland zum Weltmeistertitelund Juventus Turin in dieser Saison zur Meisterschaft. Auch dank seiner Paraden blieb Juve in der Serie A eine Saison lang ungeschlagen.

Cesare Prandelli lässt seine Zukunft offen

Bis dahin ist der Weg für den italienischen Trainer Cesare Prandelli noch weit. Zudem sorgte der Coach ausgerechnet kurz vor dem Endspiel für Unruhe. Er stellte öffentlich seine Zukunft als Nationaltrainer in Frage. Irgendwann nach dem Spiel am Sonntag in Kiew gegen Weltmeister und Titelverteidiger Spanien wolle Prandelli über die Erfüllung seines bis 2014 laufenden Vertrags entscheiden.

"Ich will mir einige Tage Zeit nehmen und dann mit ehrlichem Herzen darüber sprechen", sagte der Coach am Tag nach dem Triumph im EM-Halbfinale gegen Deutschland. "Die letzten zwei Monate waren sehr anstrengend", sagte Prandelli mit Rückblick auf die Auswirkungen des Korruptionsskandals im italienischen Fußball auf seine Arbeit.

Außerdem stört Prandelli der geringe Stellenwert seines Teams bei den Fans im Vergleich zur Bedeutung der Spitzenvereine wie Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand. "Manchmal frage ich mich, ob die Nationalmannschaft wirklich jemanden interessiert. In Italien sind die Vereine wichtiger als die Nationalelf", sagte Prandelli.

Die Äußerungen des Trainers vor dem Endspiel dürfte aber vor allem taktischer Natur sein. Auf diese Weise verringert er den Druck auf sich und die Mannschaft. Bei seinen Spielern scheint das nur bedingt anzukommen. "Ich bin nicht hier, um Zweiter zu werden", stellte Gianluigi Buffon klar.

joe/sid/dpa



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Stäffelesrutscher 30.06.2012
1.
Kleine Frage an die Regelexperten: darf Buffon tatsächlich Haarspangen während des Spiels tragen? Alles mögliche wird abgelebt, Kettchen sind verboten, aber piksende Dinger aus Plastik oder Metall gehen?
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