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Portugal vs. Niederlande: Ronaldo riesig, Holländer hoffnungslos

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Peinliches EM-Aus Oranje trägt Schwarz

Die Niederlande sind zum ersten Mal in einem EM-Turnier mit null Punkten in der Vorrunde ausgeschieden. Doch die Wut bei Deutschlands Nachbarn hält sich in Grenzen, es ist die Resignation, die überwiegt. Wie lange kann sich Trainer Bert van Marwijk noch halten?

Die Farbe der niederländischen Trikots passte zur Stimmung im deutschen Nachbarland: Trauer. Für Oranje, den amtierenden Vizeweltmeister, ist die EM 2012 vorbei. "Gekleidet in nüchternes Schwarz schloss das Team am Sonntag die Tore der Todesgruppe hinter sich", schrieb die niederländische Tageszeitung "de Volkskrant" am Tag nach dem blamablen Vorrundenaus gegen Portugal.

1:2 (1:1) verlor die Elftal ihr letztes Gruppenspiel gegen die Portugiesen. Doch die dritte Niederlage in Folge war nur der logische Abschluss einer aus niederländischer Sicht katastrophalen Vorrunde. Null Punkte. Ein nie dagewesenes Desaster.

Doch statt Unverständnis und Wut herrscht bei den Oranje-Fans Resignation. Man hatte es kommen sehen, schon nach der Testspielpleite gegen Deutschland im November: Diese Elftal spielt einen anderen Fußball als noch vor zwei Jahren bei der WM in Südafrika, es ist eine andere Mannschaft - obwohl einige Vizeweltmeister in ihren Reihen stehen.

Portugal habe mit dem "großen Cristiano Ronaldo" das Spiel der Niederlande bis auf die "Knochen zerlegt", analysiert "de Volkskrant", Oranje sei nicht einmal in die Nähe des nötigen Zwei-Tore-Vorsprungs gekommen. Nach 15 Minuten sei dem Team von Trainer Bert van Marwijk "das Benzin ausgegangen" - wie in den vorangegangenen Partien. Als ob die "sparsamen Holländer" den Tank nur zu einem Viertel voll gemacht hätten.

Nach zehn Minuten war die Luft raus

Nach dem Führungstreffer in der elften Minute war die Luft raus. Sowohl physisch als auch fußballerisch überrannte Portugal die Niederländer. Und die hatten - auch wegen ihres seit Monaten mangelhaften Gruppenzusammenhalts - kaum etwas dagegen zu werfen. "Es war ein Wunder, dass wir nicht vier, fünf Gegentreffer fingen", urteilte "de Volkskrant".

"Es ist schwer, füreinander zu kämpfen, wenn das Vertrauen weg ist", sagte Spielmacher Wesley Sneijder. "Ich bin hierhergekommen, um Europameister zu werden. Nun fahren wir mit leeren Händen nach Hause." Reservist Khalid Boulahrouz fügte hinzu: "Es ist einiges passiert, was besprochen werden muss."

Van Marwijk nahm die Verantwortung für die Pleite auf sich. "Es hat hier von Anfang an nicht geklappt. Nicht nur die Spieler haben Fehler gemacht, sondern auch ich", sagte der Bondscoach. Zu seiner Zukunft wollte er sich noch nicht äußern - "mein Vertrag läuft bis 2016." Der niederländische Fußballverband KNVB will jedoch vorerst an van Marwijk festhalten. "Ein Abschied steht nicht auf der Tagesordnung. Ich finde, dass er Kredit verdient hat", sagte KNVB-Chef Bert van Oostveen dem niederländischen TV-Sender NOS.

Spekulationen über mögliche Nachfolger gibt es dennoch. Vize-Meister Feyenoord Rotterdam erklärte bereits, seinen Trainer Ronald Koeman nicht freizugeben. "Sein Vertrag enthält keinerlei Klauseln für eine vorzeitige Auflösung. Auch nicht für den Fall, dass er Bondscoach werden könnte", sagte Feyenoords Sportdirektor Martin van Geel.

"Oranje"-Fans fordert van Marwijks Rücktritt

Für die niederländischen Fußball-Anhänger steht indes fest: van Marvijk muss weg. Eine Abstimmung der Online-Ausgabe der Tageszeitung "De Telegraaf" ergab, dass weit über die Hälfte der Befragten van Marvijks Rücktritt fordern.

Das Spiel gegen Portugal stand symbolisch für die derzeitige Situation im niederländischen Fußball. Van Marwijk und Co. hätten in Charkiw "eine schwarze Seite" in der niederländischen Fußballgeschichte geschrieben, resümiert "De Telegraaf". Van Marwijks Schwiegersohn Mark van Bommel gestand: "Am liebsten würde ich das Turnier mit einem Sack über dem Kopf verlassen." Oranje hat seine Trauerkleidung auch einen Tag nach dem Spiel nicht abgelegt.

Portugal - Niederlande 2:1 (1:1)
0:1 van der Vaart (11.)
1:1 Cristiano Ronaldo (28.)
2:1 Cristiano Ronaldo (74.)
Portugal: Rui Patricio - João Pereira, Bruno Alves, Pepe, Fabio Coentrão - Meireles (72. Custódio), Veloso, João Moutinho - Nani (87. Rolando), Hélder Postiga (64. N. Oliveira), Cristiano Ronaldo
Niederlande: Stekelenburg - van der Wiel, Vlaar, Mathijsen, Willems (67. Afellay) - N. de Jong, van der Vaart - Robben, van Persie, Sneijder - Huntelaar Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer (in Charkow): 37.445
Gelbe Karten: João Pereira, Meireles / Willems (2), van Persie

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