EM-Playoffs gegen England Nationalspieler wehrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe

Keine zehn Stunden nach den Rassismus-Beschuldigungen geht der erste verdächtigte Nationalspieler in die Offensive. An den Vorwürfen zweier englischer U21-Akteure sei nichts dran, versicherte ein Bremer Nachwuchsspieler, der selber eine englische Mutter hat.

Bremen - Nachdem britische Medien den Namen Aaron Hunt aufgrund von Fernsehbildern ins Spiel gebracht hatten, reagierte dessen Club Werder Bremen am Abend mit einer Pressemitteilung. "Ich habe keine rassistischen Ausdrücke gebraucht. Natürlich hat es in diesem Spiel von beiden Seiten einige heftige verbale Auseinandersetzungen gegeben, aber so etwas passiert in jedem Spiel", wird der Sohn einer englischen Mutter darin zitiert. Hunt zeigte sich befremdet darüber, in eine rassistische Ecke gedrängt zu werden: Er habe eine Woche lang mit Kevin-Prince Boateng das Zimmer geteilt. "Er ist ein farbiger Spieler. Das sagt hoffentlich genug", erklärte Hunt.

Bei der heutigen Befragung durch Trainer Dieter Eilts widersprachen alle bis zum Abend erreichbaren Akteure den englischen Darstellungen, wonach die dunkelhäutigen Spieler Micah Richards und Anton Ferdinand beim gestrigen 2:0-Sieg im EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland Opfer rassistischer Schmähungen durch deutsche Spieler geworden seien. Kapitän Stefan Kießling hatte bereits direkt nach dem Spiel bei dem DFB-Delegationsleiter Wolfgang Holzhäuser erklärt, derartige Vorfälle nicht bemerkt zu haben.

Der englische Verband FA kündigte an, die Uefa in den nächsten Tagen über die Vorkommnisse zu informieren. "Die Sache liegt in den Händen der FA. Sie wird damit in angemessener Art und Weise umgehen", sagte der bei West Ham United unter Vertrag stehende Ferdinand.

"Das muss untersucht werden. Wenn etwas vorgefallen ist, wird das Konsequenzen haben. Über eine Bestrafung muss die Disziplinar-Kommission entscheiden. Ich will nicht über das Ergebnis spekulieren. Aber Rassismus ist eine ernste Angelegenheit", sagte Uefa-Präsident Lennart Johansson dem englischen Radio-Sender BBC.

Die möglichen Sanktionen bei rassistischen Vorkommnissen reichen von individueller Bestrafung über Geldstrafen bis zum Ausschluss von Mannschaften aus dem Wettbewerb. Offiziell will die Uefa zu dem Fall aber erst Stellung beziehen, wenn sie den Bericht des tschechischen Schiedsrichters Jaroslav Jara erhalten hat.

mig/sid/dpa

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