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DFB-Remis gegen Irland Ein Königreich für eine Idee

Selten hat ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft so wenig Spaß gemacht - auch ihr selbst nicht. Gegen destruktive Iren fehlen Ideen, auch flehende Blicke von Lukas Podolski bringen nichts. Die Laune verdirbt ein spätes Gegentor. Alles Wichtige zum 1:1.

Ausgangslage: So richtig besorgt war keiner nach der historischen 0:2-Pleite in Polen. So richtig toll fand sie auch keiner. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hatte in der EM-Qualifikation etwas gutzumachen. Der fest eingeplante Sieg gegen Irland wurde daher einfach noch fester, quasi knüppelhart, eingeplant. Oder wie Bundestrainer Joachim Löw feststellte: "Man muss das nächste Spiel gewinnen."

Ergebnis: 1:1 (0:0), Torschützen: Toni Kroos (71. Minute), John O'Shea (90.+4).

Zahlen des Spiels: 23:4 Torschüsse und 9:1 Ecken für Deutschland.

Erste Halbzeit: Wenn (Fußball-)Weisheiten strapaziert werden, dann meist, wenn es nicht so dolle läuft. Also bitte: Ein Plan ist ein Plan. Nicht mehr. Mit der beinahe gleichen Startelf wie in Polen, André Schürrle (Magen-Darm-Virus) und Christoph Kramer (grippaler Infekt) wurden durch Julian Draxler und Matthias Ginter ersetzt, rannte Deutschland spätestens an der Strafraumgrenze auf sieben oder mehr Iren zu.

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Unentschieden gegen Irland: Überraschung in letzter Minute

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Und so sehr das erwartet worden war, so ideenlos und fehlerbehaftet zeigte sich das deutsche Team. Chancen? Ein Lattenschuss von Erik Durm, ein Fernschuss von Toni Kroos und ein Kopfball von Antonio Rüdiger. Davor, dazwischen und danach war der Weltmeister vorne ungefährlich und hinten nicht gefordert.

Zweite Halbzeit: Das Publikum in der nicht ausverkauften Arena auf Schalke hatte der Nationalmannschaft vor dem Anpfiff nochmals für den vierten WM-Stern auf dem Leibchen gedankt. Die Elf belohnte die Fans nach dem Seitwechsel mit etwas mehr Elan. Der große Erlöser schien Kroos zu sein, der mit dem gefühlt 18. Schuss traf. Für ihn war es das dritte Tor gegen Irland, so viele wie kein anderer DFB-Spieler in der Geschichte. Den Spielverderber gab O'Shea, der mit der letzten Aktion der Partie erst Mats Hummels entwischte und dann ins Tor schoss.

Verzweiflungstat des Spiels: Lukas Podolski wollte so gerne einen Elfmeter. Der eingewechselte Profi des FC Arsenal schaffte es in der 58. Minute in den irischen Strafraum, stolperte und fiel in seinen Gegenspieler. Der flehende Blick Podolskis in Richtung Schiedsrichter, er stand sinnbildlich für die Partie.

DFB-Spieler Podolski: Elfmeter?

DFB-Spieler Podolski: Elfmeter?

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Solist des Abends: Manuel Neuer. In der alten Heimat mit 45 Minuten Zeit, sich zu stretchen und das Dach der Schalker Arena auf undichte Stellen zu untersuchen. Nach der Pause mit einer guten Parade, dann schon im mentalen Vorbereitungsmodus auf das kommende Bundesligaspiel gegen Werder Bremen. Chancenlos beim Ausgleich.

Rettungstat des Abends: Erik Durm. Der erste gelungene Angriff der Gäste war schon so gut wie drin - Wes Hoolahan musste die Flanke von James McClean nur noch über die Linie drücken. Durms Grätsche verhinderte zunächst den späten Ausgleich (85.). Die beste Aktion des zuletzt stark kritisierten Dortmunders nach seinem Lattentreffer.

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DFB-Team in der Einzelkritik: Hilflos vor der grünen Wand

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Phantom des Spiels: Irlands Rekordnationalspieler Robbie Keane hat schon 65 Länderspieltore erzielt. Er war schon bei Inter Mailand, Tottenham Hotspur und dem FC Liverpool aktiv. In Gelsenkirchen stand Keane auch auf dem Spielerbogen, auf dem Platz war der Stürmer (elf Ballkontakte) bis zu seiner Auswechslung in der 63. Minute aber kaum zu sehen.

Analyse des Spiels: Stammt von Toni Kroos. Auf die Frage, ob der späte Ausgleich ein Schock gewesen sei, gab der Profi von Real Madrid Einblicke in sein Seelenleben: "Was heißt Schock? Da muss schon anderes passieren, dass ich geschockt bin. Wir sind natürlich enttäuscht, das war völlig unnötig."

Die Lage der Fußball-Nation: Vier Punkte aus drei Spielen, das reicht für Platz vier in der Gruppe D. Für die zuletzt kritisierten Außenverteidiger gab es kaum eine Chance zur Bewährung, zu schwach war der Gegner. Auch die Chancenverwertung bleibt ein Thema. Das dürfte auch nach dem nächsten Qualifikationsspiel kaum besser werden. Der zweite Sieg soll am 14. November in Nürnberg gefeiert werden. Gegner: Gibraltar, bisher mit drei Niederlagen und 0:17 Toren.

Deutschland - Irland 1:1 (0:0)
1:0 Kroos (71.)
1:1 O'Shea (90.+4)
Deutschland: Neuer - Rüdiger, Boateng, Hummels, Durm - Ginter (ab 46. Podolski), Kroos - Bellarabi (ab 87. Rudy), Götze, Draxler (ab 70. Kruse) - Thomas Müller
Irland: Forde - Meyler, O'Shea, Wilson, Ward - McGeady, Whelan (ab 54. Hendrick), Quinn (ab 76. Hoolahan), McClean - Walters - Keane (ab 63. Gibson)
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 51.204
Gelbe Karten: Hummels - Whelan, Wilson
Torschüsse: 23:4
Ecken: 9:1
Ballbesitz in Prozent: 63:37