Niederlage gegen Polen 28 Mal probiert, 28 Mal ist nichts passiert

Was die deutsche Nationalmannschaft auch versuchte, sie brachte den Ball einfach nicht ins polnische Tor. Die besten Chancen vergab der Neue, Neuer machte einen Fehler und Polen die Treffer. Alles Wichtige zum EM-Qualifikationsspiel.

Lukas Podolski: Wurde eingewechselt, traf die Latte
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Lukas Podolski: Wurde eingewechselt, traf die Latte

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Die Ausgangslage: Klose, Lahm, Mertesacker zurückgetreten; Reus, Schweinsteiger, Khedira verletzt - Joachim Löw musste sich vor dem Spiel reichlich Gedanken über seine Aufstellung machen. Nun gut, das ist schließlich auch sein Job. Und so verhalf der Bundestrainer Karim Bellarabi gleich zum ersten Startelf-Einsatz, im zentralen Mittelfeld begannen wie schon zum Auftakt in der EM-Qualifikation gegen Schottland Christoph Kramer und Toni Kroos. Lukas Podolski saß mal wieder nur auf der Bank. Bei den Polen begannen unter anderem Robert Lewandowski (Bayern München) und Lukasz Piszczek (Borussia Dortmund). Ein Wiedersehen gab es für die deutsche Nationalmannschaft mit dem Nationalstadion von Warschau. Dort verlor das Team 2012 im EM-Halbfinale 1:2 gegen Italien. Ein schlechtes Omen?

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Die Start-Aufstellungen:

Deutschland: Neuer - Rüdiger, Boateng, Hummels, Durm - Kramer, Kroos - Bellarabi, Götze, Schürrle - Müller
Polen: Szczesny - Piszczek, Glik, Szukala, Wawrzyniak - Grosicki, Jodlowiec, Krychowiak, Rybus - Milik, Lewandowski

Das Ergebnis: 2:0 (0:0) für Polen. Es war der erste Sieg der polnischen Nationalmannschaft gegen Deutschland im 19. Aufeinandertreffen.

Die Zahl des Spiels: 28 Torschüsse gab der Weltmeister ab, nur fünf das polnische Team. Es war der erste Mal seit dem verlorenen Halbfinale der WM 2010 gegen Spanien, dass die deutsche Mannschaft ohne eigenes Tor in einem Pflichtspiel blieb.

Die erste Halbzeit: Was hatte Löw nicht vor Polen gewarnt: "Hartnäckig" sei der Gegner, "aufsässig und technisch gut". Man musste den Eindruck gewinnen, Polen ginge als klarer Favorit in das Duell mit dem Weltmeister. Mit Anpfiff war dann aber alles beim Alten, die deutsche Mannschaft dominierte. Thomas Müller (39. Minute) und Karim Bellarabi (38./44.) vergaben die besten Chancen in den ersten 45 Minuten. Außer Antonio Rüdiger und Torhüter Manuel Neuer gaben alle deutschen Spieler in der ersten Hälfte Schüsse in Richtung Tor ab.

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Die zweite Halbzeit: In der 51. Minute schickte Piszczek eine Flanke in den deutschen Strafraum, die fast so schön war wie der Name des Abnehmers: Arkadiusz Milik, bei Leverkusen unter Vertrag und an Ajax Amsterdam ausgeliehen, stieg hoch und traf ins lange Eck. Manuel Neuer hatte sich verschätzt und traf statt des Balls nur das Gesicht von Jérôme Boateng. Erik Durm, Mario Götze und André Schürrle hatten schnell die Chance zum Ausgleich, schossen aber jeweils zu harmlos, um Wojciech Szczesny im Tor der Polen zu überwinden. Als die deutsche Mannschaft mit letzter Kraft um den Ausgleich bemüht war, legte Robert Lewandowski quer auf Sebastian Mila und der traf zum 2:0-Endstand.

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Diskussionen des Spiels: Vor dem 1:0 der Polen grätschte Grzegorz Krychowiak gegen Mario Götze und eroberte den Ball. Foul oder nicht? Der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proença ließ genauso weiterspielen wie vor dem 2:0, als sich Robert Lewandowski Durm mithilfe seines Ellenbogens vom Hals hielt und den Dortmunder eben dort traf.

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Debütant des Spiels: Wie schon erwähnt durfte Karim Bellarabi gleich bei seiner ersten Berufung von Beginn an spielen. Er ist damit der 73. Spieler, dem Joachim Löw zum Debüt in der A-Nationalmannschaft verhalf. Der 24-Jährige von Bayer Leverkusen war vergangene Saison noch mit Eintracht Braunschweig abgestiegen, gegen Polen zeigte er von Beginn an auf der rechten Seite, was ihn laut Löw so stark macht ("unglaublich stark im Eins-gegen-Eins").

Fast hätte Bellarabi auch sein erstes Länderspieltor erzielt, Chancen genug waren da (sechs Torschüsse). Doch zunächst ging sein Volley nach 38 Minuten knapp vorbei. Kurz darauf zögerte er vor dem polnischen Tor zu lange (44. Minute). Auch in der zweiten Hälfte scheiterte er mit seinen Schüssen entweder an seiner Zögerlichkeit oder an Torhüter Szczesny. "Eigentlich muss ich ein paar von den Chancen mitnehmen", ärgerte sich Bellarabi nach dem Schlusspfiff.

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Der neue Mann an Löws Seite: Thomas Schneider kam gegen Polen ebenfalls zu seinem ersten Einsatz bei der Nationalmannschaft. Der 41-Jährige, der früher als Spieler bei Hannover 96 und in Stuttgart und als Trainer ebenfalls beim VfB aktiv war, ist Nachfolger von Hans-Dieter Flick als Löw-Assistent. Flick trat nach der WM seinen Job als Sportdirektor beim DFB an.

AP/dpa
Der Winker des Spiels: Den Preis für die starke Leistung Bellarabis zahlte André Schürrle. Auf der linken Seite stand der Mann vom FC Chelsea vor allem in der ersten Hälfte oft völlig frei, winkte, rief - und bekam doch kaum einen Ball, weil eben fast alles über Bellarabis rechten Flügel lief. Schürrles Vereinstrainer José Mourinho sagte kürzlich über den Deutschen: "Manchmal ist er phänomenal, aber manchmal ist er nur mittelmäßig. Aber wenn er phänomenal ist, dann ist er phänomenal." An diesem Abend in Warschau war Schürrle eher mittelmäßig. Deshalb durfte Lukas Podolski ab der 78. Minute noch mitspielen.

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Doppel-Klatscher des Spiels: Als Podolski vom Aufwärmen zur Mittellinie joggte, um eingewechselt zu werden, gab Polens Nationaltrainer Adam Nawaka dem im polnischen Gliwice (Gleiwitz) geborenen Deutschen einen freundschaftlichen Klapps mit. Deutlich brachialer war die erste Aktion Podolskis auf dem Feld, als er einen Abpraller volley aufs Tor drosch, aber nur die Latte traf (81.).

Die Situation nach der Niederlage: Mit drei Punkten aus zwei Spielen ist Deutschland vorerst Vierter in der Gruppe D, punktgleich mit Schottland, das aber das bessere Torverhältnis (2:2) als die deutsche Elf (2:3) hat. Erster sind die Polen (6 Punkte) vor Irland (6). Georgien und Gibraltar sind jeweils noch ohne Punkt. Am Dienstag empfängt Deutschland in Gelsenkirchen die Iren (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL).

insgesamt 43 Beiträge
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FFMer 12.10.2014
1. Etwas zuviel Faulerei auf polnischer Seite
Trotzdem haben sie verdient gewonnen. Schön anzusehen war es nicht. Die Pfeifkonzerte sobald ein deutscher Spieler am Ball war, waren äußerst unsportlich und zeugen nicht gerade von Größe, liebe Polen.
sonnenfeld22 12.10.2014
2. Das Allerpeinlichste aber war der Kung-Fu-Treter
Nach dem Spiel jammerte der ins Mikro, dass beiden Toren ein Foul voran ging. Schumacher II hätte ja nur wieder einen Gegenspieler abstechen können, dann hätte es bestimmt wieder mit dem Sieg geklappt!
sebastian.teichert 12.10.2014
3. Belarabi
Also ich fand den Debütanten bei weitem nicht so überragend wie er gelobt wird. Immer zu sehen aber wenn es wichtig war, hat er den Ball vertändelt, weit daneben geschossen oder irgendwelche anderen sinnlosen Aktionen gerissen. Painful. Aber gut. Es war absehbar. Und wohl gut, dass es jetzt passiert wo es nicht direkte Konsequenzen hat. Schade um den Punkt/die Punkte. Starke Leistung - nicht vorhandener Abschluss. Und Polen. Kaum fähig 5-7 Sekunden den Ball zu halten aber Tore machen. Naja das ist Fußball... Wenn's wichtig wird gewinnen wir doch ;)
CONTRAST 12.10.2014
4. Ausgerechnet Polen?
Das passt doch! Warum auch nicht? Wird dem DFB endlich klar, dass die Verlängerung mit Löw eine Fehlentscheidung war?
dhbean 12.10.2014
5. gut so
dann wird es spannend und auch nicht leichter gegen Irland....von wegen leichte Gruppe
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