DFB-Pleite gegen Niederlande Überall Eigentore

Das EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande begann für die deutschen Fans schon schlecht - und wurde zum Schluss immer schlimmer.

Schwacher Trost für Jonathan Tah: Sein Eigentor war nicht das schlimmste des Tages
Eric Verhoeven / Soccrates / Getty Images

Schwacher Trost für Jonathan Tah: Sein Eigentor war nicht das schlimmste des Tages

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Das Eigentor des Tages I: Nein, gemeint ist nicht der Treffer von Jonathan Tah zum 1:2 (dazu später mehr). Der Fan-Klub der Deutschen Nationalmannschaft hatte für den Klassiker gegen die Niederlande eigentlich das Motto "VOLLGAS" ausgegeben und eine entsprechende Choreografie geplant. Bis jemandem auffiel, dass das in den sozialen Medien aus verständlichen Gründen nicht wirklich gut ankam.

Bei der folgenden Krisenstabsitzung wäre man gerne dabei gewesen. "Mist, ein Shitstorm. Was machen wir jetzt?" - "Die Pappen sind schon verteilt, die können wir nicht mehr einsammeln." - "Für DIE MANNSCHAFT reichen weder die Buchstaben noch der Platz. Außerdem müssten wir dann alle Pappen umsortieren." - "Lass es uns nicht so kompliziert machen. VOLL kann ja stehenbleiben, nur GAS ist halt blöd." - "Ich hab's: wir machen aus GAS einfach EY!" - "VOLL, EY?" - "Nein, VOLLEY!" - "Ja, das ist gut."

Das Ergebnis: Eine Choreografie, über die sich viele Menschen gewundert haben.

Fußballgespielt wurde übrigens auch. Die DFB-Elf verlor 2:4 (1:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Wie schon in den vergangenen beiden Spielen gegen die Niederlande begann Deutschland gut und ging in Führung. Joshua Kimmich filetierte die hochgelobte niederländische Defensive mit einem Steilpass. Lukas Klostermann tauchte frei vor Jasper Cillessen auf, scheiterte aber mit einem kläglichen Schussversuch. Serge Gnabry machte es besser und staubte zum 1:0 ab (9. Minute).

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DFB-Pleite in der EM-Qualifikation: Niederlage gegen die Niederlande

Die zweite Hälfte (Eigentor des Tages II): Wie schon in den vergangenen beiden Partien gegen Deutschland wurde die Niederlande nach der Pause stärker und kam zu Toren: Frenkie de Jong (59.) glich mit einem sehenswerten Treffer aus. Vorher hatte Tah eine Hereingabe von Ryan Babel verpasst. Wenig später traf Tah den Ball - und bugsierte ihn ins eigene Tor (65.). Toni Kroos glich per Handelfmeter aus (73.), bevor der eingewechselte Donyell Malen (79.) und Georginio Wijnaldum (90.+1) die Partie entschieden. Vier Gegentreffer in einem Spiel - das gab es für die DFB-Elf zuletzt vor fünf Jahren.

Das Eigentor des Tages III: RTL hat sich die TV-Rechte für die deutschen EM-Qualifikationsspiele gesichert - und füllte die Übertragung mit Themen, die für das RTL-Publikum relevant sind. Vor dem Spiel unterhielten sich Laura Wontorra und Jürgen Klinsmann unter anderem über Christoph Metzelder. In der Pause blieb dafür keine Zeit - wie auch bei drei Werbeunterbrechungen?

Das dümmste Handspiel der Welt: Vor dem deutschen Ausgleichstreffer zum 2:2 wurde Nico Schulz links steil geschickt. De Ligt grätschte dazwischen, reklamierte dann Abseits und berührte den Ball dabei mit dem Arm. In der Szene muss man sicher keinen Handelfmeter geben. Auf der anderen Seite muss de Ligt im eigenen Strafraum auch nicht wild mit den Armen herumfuchteln, wenn er nicht weiß, wo der Ball ist.

Die Entscheidung: Wenn die Elftal ins Rollen kommt, kann sie richtig "lekker" kombinieren. So geschehen vor dem Tor zum 3:2. Nach einem Ballverlust von Matthias Ginter spielte Memphis einen schönen Steilpass in den Lauf von Wijnaldum. Der lupfte in die Mitte zum mitgelaufenen Malen, der den deutschen Fans gab, was sie sehen wollten: einen Volley.

Die Fans fordern, Malen liefert: VOLLEY!
Martin Meissner / AP

Die Fans fordern, Malen liefert: VOLLEY!

Die Folgen: Nach dem 3:2-Auswärtssieg in den Niederlanden war Deutschland Tabellenführer in der Quali-Gruppe C. Mit einem zweiten Sieg gegen den stärksten Gegner hätte die DFB-Elf im Prinzip schon für die EM planen können. Durch die erste Niederlage im Kalenderjahr 2019 fällt das Team von Joachim Löw hinter Nordirland zurück auf Platz zwei. Das kann sich am Montag (9. September, 20.45 Uhr, TV: RTL, Liveticker SPIEGEL ONLINE) allerdings schon wieder ändern. Dann spielt Deutschland in Belfast. Die Niederländer liegen noch auf Platz drei, haben aber ein Spiel weniger bestritten und durch das Tor in der Nachspielzeit den direkten Vergleich gegen Deutschland gewonnen. Ein entscheidender Vorteil, falls beide Nationen am Ende der Qualifikation punktgleich sein sollten.

Deutschland - Niederlande 2:4 (1:0)
1:0 Gnabry (9.)
1:1 De Jong (59.)
1:2 Tah (Eigentor, 65.)
2:2 Kroos (Handelfmeter, 73.)
2:3 Malen (79.)
2:4 Wijnaldum (90.+1)
Deutschland: Neuer - Tah, Süle, Ginter (84. Brandt) - Schulz, Kroos, Kimmich, Klostermann - Werner (61. Havertz), Reus (61. Gündogan), Gnabry
Niederlande: Cillessen - Blind, Van Dijk, De Ligt, Dumfries (58. Pröpper) - Wijnaldum, De Jong, De Roon (58. Malen) - Babel (81. Aké), Depay, Promes
Zuschauer: 51.299
Schiedsrichter: Soares Dias
Gelbe Karten: Kimmich / Depay, De Roon, De Jong



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dt1700744 07.09.2019
1. 2:4 gegen NL. Verdient! Und wer hat diese Niederlage zu verantworten?
Joachim Löw und sein Trainerstab. Wie kann ich gegen die Niederlande mit solch einer Mannschaftsaufstellung in das Spiel gehen? Mit einem 3-4-3 System, wobei die Abwehr aus drei Innenverteidigern besteht. Das Mittelfeld mit Klostermann rechts und Schulz links, die halb zwischen Abwehr und Mittelfeld agieren sollen. Und dann einen Kimmich und einen Kroos auf der Sechs/Acht? Zwei Schönspieler? Wer von den beiden soll denn die Niederländer im Mittelfeld aufhalten? Wann endet endlich dieser Wahn mit Kimmich mit Mittelfeld? Das ist ja eine Parallele zu Lahm bei der WM 2014 bis endlich die Korrektur vorgenommen wurde. Wobei Kimmich selbst als rechter Verteidiger zu offensiv agiert, siehe WM 2018. Die Mexikaner hatten sich sechs Monate lang auf dieses Match vorbereitet und die Schwachstelle in der deutschen Defensive ausgemacht: Kimmich. Und dann rollte jeder mexikanische Angriff über Kimmichs Seite und so fiel auch das entscheidende Tor. Einer der beiden zentralen Mittelfeldspieler muss einer mit körperlichem Format sein, der die Gegner aufhält und auch einmal "reinhaut". Kimmich, Kroos, nein, bestimmt nicht. Da gehört ein Emre Can hin, der eine entsprechende körperliche Präsenz hat. Was hat sich der Trainerstab nur gedacht? Und die Angriffsreihe: Reus als Mittelstürmer? Reus als offensiver Mittelfeldspieler und Werner als Mittelstürmer, dazu Gnarby außen und … Brandt. Verwunderlich auch die Auswechselungen. Die Stürmer Reus und Werner werden herausgenommen für zwei Mittelfeldspieler? Wieso spielte der englische Meister Gündogan, ein hervorragender Ballverteiler, nicht von Anfang an? Und Havertz, die herausragende Spielerpersönlichkeit der letzten Saison wird auch nur eingewechselt. Da hilft nur ein "altmodisches" Wort: Üben.
halverhahn 07.09.2019
2. Falsche Taktik und falsche Spieler!
Das kreide ich Löw wieder an. Tah und Klostermann sind nicht auf diesem internationalen Niveau und gehören daher für mich nicht in die DFB-Elf. Schulz hatte einen rabenschwarzen Tag, soviele Fehlpässe hab ich bei dem noch nie auf einmal gesehen. Die Auswechselungen hab ich auch null verstanden. Reus und Werner hatten zwar auch beide einen ganz schlechten Tag, doch mit der Einwechselung von Gündogan und Havertz war quasi keine Offensive mehr vorhanden bzw nur noch Gnabry vorne völlig alleine. Damit kann man vorne gar nichts mehr mit reißen!! Was Löw damit bezwecken wollte, bleibt wohl sein Geheimnis! Fazit: schlecht gespielt, verdient verloren und Löw hat daran auch wieder seinen großen Anteil!
BoMo_UAE 07.09.2019
3. Einwechslungen
Loews Einwechlungen ware wohl allesamt sinnlos. Wie kann man Reus und Werner rausnehmen, wenn man das Spiel noch drehen will? Voellig unverstaendlich....
DerDifferenzierteBlick 07.09.2019
4. Das Problem heißt Löw...
Ginter und Tah sind schlicht nicht stark genug auf dem Niveau und hätten niemals aufgestellt werden dürfen, insbesondere wenn man Spieler wie Süle, Hummels und (und ja, auch Boateng) hat. Das Problem ist der Trainer. Siehe auch die WM 2018 (wo Löw u.a. auf Sane! und Gnabry! [wäre fit geworden] verzichtet hat, obwohl beide schon eine extrem starke Saison gespielt hatten) oder die EM 2016 (u.a. lange auf den einzigen starken RV - nämlich Kimmich - verzichtet, der dann gar nicht eingespielt war) oder die EM 2012 (Kroos!) oder auch zeitweilig die WM 2014 (u.a. Höwedes/Mustafi als Außenverteidiger! trotz Lahm!!). Alle Fehler waren von gefühlt sämtlichen Experten vorher als solche vorhergesagt worden - und alle Fehler hat Löw später eingestanden - aber eben zu spät (bis auf 2014, wo es gerade noch rechtzeitig kam). Ein Trainer, der ständig vorhersehbare Fehler macht (von der "Taktik" mal gar nicht zu sprechen), die dann zu katastrophalen Ergebnissen führen (siehe u.a. das historisch schlechteste Abschneiden Deutschlands bei einer WM überhaupt und das schlechteste Jahr der Nationalmannschaft überhaupt), hätte schon lange nicht mehr gehalten werden dürfen. Insbesondere, da Deutschland aktuell in der Breite eine Spielerqualität hat wie lange nicht (wenn überhaupt) und eigentlich überall zu den Topfavoriten gehören müsste! Ich hoffe perspektivisch auf Klopp!
malumi 07.09.2019
5. Schrecklich
Sind wir schon so weit, dass ein normales Wort zum Stigma wird? Das Wort VOLLGAS wird als Vergasung interpretiert, nur weil irgendjemand einen Zusammenhang interpretiert. Gleichzeitig wird diskutiert, ob Grimms Märchen indiziert werden sollten, weil der "böse Wolf" den aktuellen Wertvorstellungen nicht mehr entspricht. Es ist einfach nur schrecklich.
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