DFB-Sieg über Nordirland Das Beste zum Schluss

Schnell, kaltblütig und sogar defensiv einigermaßen sicher - so gut wie in diesem Spiel hatte sich die Nationalelf 2019 noch nicht präsentiert. Jetzt wartet die nächste Hürde: die EM-Auslosung zu verstehen.

Daniel Roland AFP

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Szene des Spiels: Die letzte Spielszene des Jahres für die Nationalmannschaft war ein Angriff der Nordiren. Die Partie war für den DFB entschieden, eigentlich hätte man längst in den Feierabendbierchen-Modus übergehen können. Aber als die Gäste noch einmal in den deutschen Strafraum und in Schussposition kamen, warfen sich erst Joshua Kimmich, dann Emre Can in die Schussbahn, als ginge es um einen Turniersieg.

Ergebnis des Spiels: Dabei stand es da schon 6:1. Dreimal Serge Gnabry, zweimal Leon Goretzka und einmal Julian Brandt sorgten für Festtagstimmung und den Gruppensieg vor den Niederlanden. Michael Smith hatte die Nordiren früh in Führung gebracht. Danach aber spielte nur noch eine Mannschaft, wie man dem Spielbericht entnehmen kann.

Die erste Halbzeit: Bisher hatte die Elf von Joachim Löw in diesem Jahr konstant eine gute und eine weniger gute Halbzeit abgeliefert. Und als es nach sieben Minuten bereits 0:1 stand, keimte der Verdacht, dass dies die schlechtere Hälfte werden würde. Das war am Ende auch so, aber nur weil die zweite noch besser war. Deutschland dominierte das Spiel, hatte hübsche Offensivaktionen und ging verdient 2:1 führend in die Pause.

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Deutschland vs. Nordirland: Versöhnliches Quali-Finale

Die zweite Halbzeit: Den Galaauftritt hat sich die deutsche Mannschaft bis zum Schluss aufbewahrt. Es war die beste Halbzeit des Jahres mit schön anzusehenden Kombinationen, einer Kaltblütigkeit vor dem Tor, die es lange nicht gab, gepaart mit einer grundsoliden Defensive, verkörpert durch Can und Jonathan Tah.

Spieler des Spiels: Es wäre einfach, einen dreifachen Torschützen zum Man of the Match zu küren - auch weil Serge Gnabry es sich auch abseits seiner Treffer verdient hätte. Dennoch gilt die Auszeichnung diesmal einem, der schon weg zu sein schien von den Startelfplätzen. Jonas Hector spielte in seinem 43. Länderspiel ganz stark auf, gewann fast ausnahmslos Laufduelle und Zweikämpfe und bereitete beide Tore in der ersten Hälfte vor. Die Nachricht, dass bei seinem Verein in Köln mit Markus Gisdol und Horst Heldt eine neue sportliche Führung auf ihn warte, muss ihm irgendwie Beine gemacht haben.

Wechsel des Spiels: Nach gut 70 Minuten passierte das, was den Journalisten eine schöne Geschichte kaputt machte. Niklas Stark wurde eingewechselt, und die Serie der von ihm trotz acht Kadernominierungen verpassten acht Spiele fand ihr Ende. Stark, durch eine Gesichtsmaske nach dem Nasenbeinbruch geschützt, fand endlich zu seinem Debüt, und das eröffnete den Journalisten eine andere schöne Geschichte.

Zahl des Spiels: Die anerkannte Glückszahl Dreizehn. Gnabry hat jetzt in seinen 13 Länderspielen 13 Tore erzielt. Eine solche Bilanz hinzulegen gelang zuletzt Gerd Müller - vor exakt 50 Jahren. Und der trug bekanntermaßen die Rückennummer 13.

Raketenwissenschaft des Spiels: Die Zusammensetzung der Gruppen bei der EM 2020. Schon seit Tagen wird über mögliche Konstellationen und unmögliche Absurditäten der Auslosung am 30.11. diskutiert, die sich die Uefa selbst durch ihren neuen Modus beschert hat. Wobei das nicht einmal mit dem Auslosungsdatum so eindeutig ist. Am Freitag wird nämlich bereits die Besetzung der Playoffs bekannt gegeben, bei denen noch weitere EM-Plätze im März ausgespielt werden. Gleichzeitig müssen die Teams bei der Auslosung behutsam auf die zwölf EM-Gastgeberländer verteilt werden. Im Kalten Krieg gab es die Kreml-Astrologen, heute müsste es die Uefa-Astrologen geben. Selbst langjährige Experten verzweifeln an den Details.

Einen guten Überblick, wie kompliziert das alles ist, gibt es hier bei den Kollegen von sportschau.de. Einige Teams wissen kurioserweise heute Abend schon, gegen wen sie bei der EM spielen müssen. Joachim Löw weiß zumindest, wo er die Vorrunde verbringt. Alle drei Spiele werden in München ausgetragen. Heim-EM! Wohnzimmer!! Gruppenphase dahoam!!!

Erkenntnis des Spiels: Vor vier Tagen gegen Weißrussland war noch das mäßige Zuschauerinteresse das große Thema. Jetzt sang das Publikum selig: "Oh, wie ist das schön." Alles, was derzeit mit der Nationalmannschaft zusammenhängt, ist eben irgendwie instabil.

Deutschland-Nordirland 6:1 (2:1)
0:1 Smith (7.)
1:1 Gnabry (19.)
2:1 Goretzka (42.)
3:1 Gnabry (47.)
4:1 Gnabry (60.)
5:1 Goretzka (73.)
6:1 Brandt (90.+1)
Deutschland: Ter Stegen - Klostermann (65. Stark), Can, Tah, Hector - Kimmich, Kroos - Gündogan - Goretzka (73. Serdar), Gnabry (80. Amiri), Brandt
Nordirland: Peacock-Farrell - McNair (77. Boyce), Cathcart, Flanagan - Smith, Evans (65. McLaughlin), Davis, Saville, Ferguson - Thompson, Magennis (83. Lavery)
Schiedsrichter: Carlos del Cerro Grande (Spanien)
Gelbe Karten: keine
Zuschauer: 43.000



insgesamt 79 Beiträge
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Alfred +1 20.11.2019
1. Leidenschaft...
Ich sah in diesem Spiel erstmals wieder die Leidenschaft, die ich am Sonnabend und vielen Spielen davor vermisste. Das fußballerische Schachbrett lebt auch von körperlicher Präsenz. Die war heute seitens der heimischen Elf da! Dass nicht jeder Gegenzug perfekt gelingt, liegt in der Natur der Sache. Aber sich dagegen mit aller Präsenz wehren, sollte in der Natur dieses Sports liegen, Leidenschaft! Heute gelang dies, es bleibt die Hoffnung auf mehr. Weg mit der Pomade über der La Mannschaft!!!
Gerdd 20.11.2019
2. Aber das Beste: Kein Karton!
Ich habe das Spiel nicht selbst gesehen, aber wenn ich lese "Gelbe Karten: Keine" - dann bin ich davon angetan.
eunegin 20.11.2019
3. schön, aber alles relativ.
Bei all dem Jubel besser auf dem Boden bleiben. Ist ja alles nett, aber Nordirland ist nicht gerade eine Fußballgroßmacht und hat gerade mal so viele Einwohner wie Hamburg. Jetzt mal die Auslosung abwarten - und verstehen...
ace4271 20.11.2019
4. Na, mal sehen wie lange es dauert.....
..... bis der Erste schreibt: Blabla, Glück, schwache Nordiren, Blabla, Löw muss weg, Blabla. Die Welt hat es gestern geschafft, nach der vorzeitigen Qualifikation der jungen Mannschaft von einem neuen Tiefpunkt zu schreiben. Wie gesagt, Mal schauen wie lang es dauert........
neckargirl1 20.11.2019
5. Reschpekt!
Da hat dieser furchtbar "schlechte" Trainer wohl doch alles richtig gemacht. Die Einstellung stimmte, das Spiel war kurzweilig und einige Spieler, ohne die es nach Meinung einiger sogenannter "Experten" eh nicht geht kommen auch noch zurück. Eine Mannschaft im Umbruch, die keinen Rumpelfussball wie unter Völlers Zeiten spielt, die hervorragende Perspektiven hat und die sich entwickeln wird. Dem Trainer sei Dank. 6 Tore gegen eine normalerweise knallharte Abwehr zu erzielen ist ein Ausrufezeichen. Siehe das 0:0 der Niederländer gegen die selbe Mannschaft. Aber klar, war ja nur Nordirland. Und Herrn Höneß sei gesagt - die deutsche Nationalmannschaft ist immer noch das beste was wir haben.
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