EM-Qualifikation Deutschland schlägt Österreich mit Glück und Gomez

Mario Gomez sei Dank: Der Stürmer hat im Alleingang für einen glücklichen Sieg gegen Österreich gesorgt. In Wien zeigte die deutsche Nationalmannschaft eine schwache Partie, erzielte ein Eigentor - und hätte sich nicht über eine Niederlage beschweren können.

AP

Hamburg - 90. Minute im Ernst-Happel-Stadion: Zwischen Österreich und Deutschland steht es unentschieden. Es ist ein schmeichelhaftes Ergebnis für die DFB-Auswahl, die im sechsten EM-Qualifikationsspiel der Gruppe A die bislang schlechteste Partie gezeigt hatte. Philipp Lahm bringt noch einmal eine Flanke herein, in der Mitte steigt Mario Gomez hoch und köpft das Siegtor für die deutsche Nationalmannschaft.

Ausgerechnet Gomez, der in der Nationalmannschaft bisher nur schwer zurecht kam - und der in Wien bereits die 1:0-Führung erzielt hatte (44.). Der Bundesliga-Torschützenkönig beendet damit seinen ganz persönlichen Fluch. Vor knapp drei Jahren im EM-Gruppenspiel gegen Österreich hatte er hier noch eine Riesenchance kläglich vergeben. Vergessen. Am Ende freute sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw über ein glückliches 2:1 (1:0) im Prestige-Duell gegen den Nachbarn und den sechsten Sieg im sechsten Spiel. Mit nun 18 Punkten ist Deutschland die Teilnahme an der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine im nächsten Jahr kaum noch zu nehmen.

Doppel-Torschütze Gomez war überglücklich - vor allem über seinen zweiten Treffer: "Ich hatte spekuliert, auf den zweiten Pfosten zu gehen. Als der Ball in der Luft war, dachte ich schon: Geil! Fußball ist verrückt." Sein Mannschaftskollege vom FC Bayern, Lahm, sagte: "Glück muss man sich immer auch erarbeiten. Wir haben uns heute schwer getan, aber wenn man mit drei Punkten rausgeht, kann man zufrieden geht."

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DFB-Einzelkritik: Friedrich schwach, Kroos bissig, Gomez stark
Österreich, das seit 25 Jahren nicht mehr gegen Deutschland gewonnen hatte, fügte sich bereits vor dem Spiel freiwillig in die Statistenrolle. In den Anfangsminuten agierte das Team zurückhaltend. Für eine Mannschaft, die nur mit einem Sieg noch realistische Chancen auf die EM-Qualifikation haben würde, kam vor allem aus dem Spiel heraus wenig. Nach einem Freistoß von Christian Fuchs köpfte Martin Harnik am Tor vorbei (4.). Das war zunächst alles.

Auf der Gegenseite hatte das Team von Dietmar Constantini gleich mehrmals Glück: Gomez tauchte nach tollem Pass von Mesut Özil frei vor dem Tor auf, doch Keeper Christian Gratzei konnte zur Ecke klären (7.). Danach zog Lukas Podolski aus der zweiten Reihe ab und traf die Latte (8.). Deutschland, das auf die verletzten Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose verzichten musste, war zu Beginn die bessere Mannschaft.

Gomez köpfte nach einem Freistoß von Toni Kroos in die Arme von Gratzei (13.), Thomas Müller verfehlte das gegnerische Tor knapp (21.). Die Gastgeber enttäuschten ihre Fans im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion: Schon im Mittelfeld gingen viele Bälle verloren, die deutsche Innenverteidigung mit Arne Friedrich und Mats Hummels stand zunächst besser als im Freundschaftsspiel gegen Uruguay (2:1). Sowohl Harnik als auch Sturmkollege Erwin Hoffer konnten sich kaum in Szene setzen.

Stattdessen setzte Österreich früh auf Verzweiflungstaten. Paul Scharners Schuss aus 25 Metern erinnerte Manuel Neuer daran, warum er an diesem Abend auf dem Platz stand. Der Torwart parierte sicher (24.). Geradezu absurd war der Versuch von Fuchs aus 35 Metern, der weit in den Wiener Nachthimmel aufstieg (26.). Eine weitere Standardsituation brachte die bis dahin beste Chance für die Heim-Elf: Nach einer Ecke flog Neuer ziellos durch den Fünfmeterraum, Harnik fiel der Ball auf den Fuß, doch der Profi des VfB Stuttgart war zu überrascht. Sein Schuss ging über das deutsche Tor (31.).

Schmeichelhafte deutsche Pausen-Führung

Das Team von Bundestrainer Löw hatte zu diesem Zeitpunkt längst aufgehört, strukturiert nach vorne zu spielen, profitierte aber davon, dass es dem Gegner oft genauso erging. Bis auf eine Szene aus der 41. Minute. Auf der rechten Seite kombinierte Österreich einmal geschickt, Hoffer setzte sich im Strafraum gegen Friedrich durch, schoss dann aber am Tor vorbei.

Als jeder deutsche Zuschauer im Stadion längst sein Bier für ein 0:0 zur Pause eingetauscht hätte, schlug Gomez zu. Nach einer Ecke von Kroos fiel dem Bayern-Stürmer der Ball auf die Brust. Von seinem Knie trudelte das Leder über die Linie: 1:0 (44.). Ein schmeichelhaftes Ergebnis, das aber nicht lange Bestand haben sollte.

Friedrich hatte rasch ein Einsehen und besorgte kurz nach dem Wiederanpfiff den Ausgleich, als er eine Hereingabe von David Alaba ins eigene Tor abfälschte (50.). Das Kräfteverhältnis bildete das Resultat aber immer noch nicht adäquat ab. Schmelzer verlor auf der linken Abwehrseite einen Zweikampf gegen Harnik, der an den zweiten Pfosten zu Kulovits flankte. Der scheiterte aus spitzem Winkel an Neuer (52). Deutschland wankte.

"Man muss klar sagen: Heute haben wir glücklich gewonnen. Wir konnten in vielen Phasen unsere spielerischen Vorteile nicht ausspielen", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Doch gerade in dieser schwachen deutschen Phase schaffte es Österreich nicht, entscheidend nachzusetzen. Die DFB-Elf verschleppte das Tempo, Löw wechselte. André Schürrle kam für Podolski, Badstuber für den entkräfteten Sami Khedira. Die deutsche Mannschaft wirkte in der Folge etwas sicherer. Die Chancen hatte aber der Gegner. Harnik zog von rechts nach innen, jagte den Ball aber aus 18 Metern über das Tor (69.).

Als bei den Gastgebern die Kräfte nachließen, durfte die deutsche Mannschaft wieder an ein Unentschieden glauben. Dass es an diesem Abend noch mehr wurde, war allein Gomez zu verdanken. Am Ende gab sich Österreichs Trainer Constantini zerknirscht: "Die Leistung war in Ordnung, wir haben immerhin gegen den Vierten der Weltrangliste gespielt. Man sagt bestimnmt wieder, dass die Deutschen eben bis zum Schluss hellwach sind. Aber wir haben auch bis zum Schluss alles versucht."

Österreich - Deutschland 1:2 (0:1)
0:1 Gomez (44.)
1:1 Friedrich (50./Eigentor)
1:2 Gomez (90.)
Österreich: Gratzei - Klein, Scharner , Pogatetz, Fuchs - Ekrem Dag (66. Junuzovic), Kulovits, Baumgartlinger, Alaba - Harnik (81. Royer), Hoffer (88. Janko)Deutschland: Neuer - Lahm, Friedrich, Hummels, Schmelzer - Khedira (69. Badstuber), Kroos (90+3. Aogo), Müller, Özil, Podolski (66. Schürrle) - Gomez
Schiedsrichter: Busacca (Schweiz)
Zuschauer: 47.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Baumgartlinger, Scharner - Gomez

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
prqc 03.06.2011
1. Gut gemacht!
Das Ergebnis zählt - aber das Team muss sich noch steigern, um mit Mannschaften wie Spanien mithalten zu können!
qahless 03.06.2011
2. schmeichelhaft...
Der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnt immer Deutschland... Wer solche Spiele gewinnt, hat bei dem eigentlichen Potential wohl noch eine große Zukunft vor sich. Ganz großen Respekt natürlich auch an die Österreicher!
enrico3000 03.06.2011
3. kommentare
ich weiß nicht wie es allen anderen geht aber mir gehen die Kommentare von Mehmet gehörig auf den Senkel. Alles wird schön geredet und entschuldigt. Für jeden Fehler hat er sofort die Erklärung parat. Selbst der Bundestrainer analysiert das Spiel ktitischer als ein Mehmet Scholl. Absolut überflüssig seine Kommentare. Schade, dass er für das nichtssagende Gebrabbel auch noch Geld bekommt.
Crom 03.06.2011
4. ...
Ohne Schweinsteiger und mit einem schwachen Khedira merkt man sofort wie doch ein Spieler mit Überblick und Ballsichheit wie Ballack fehlt. Lahm konnte als "Kapitän" das Team auch nicht wirklich nach vorne bringen.
tomkey 03.06.2011
5. Neuer's Trickkiste
Klasse fand ich die Leistung des Ex-S04-Ultras Manuel Neuer. Das ist ein ganz gewitzter .. schon a richtiges bajuwarisches Schlitzohr. Der Neubayer konnte mit seiner außergewöhnlichen Raus-Lauf-Technik nicht nur Trainer, Mitspieler und Journalisten mal wieder von seinem Weltklasse-Nimbus überzeugen .. Nein, er konnte sogar für seine Fans, die ihn ja nicht erst seit gestern für den besten Torhüter der Welt halten, eine Spannung und Erwartungshaltung aufbauen, die bei zukünftigen Spielen für den FC Bayern zum Zerreissen gespannt sein wird. Schafft er es, bei den Bayern auch solche geniale Tricks zu präsentieren? Kann er auf internationaler Bühne (die er ja bei Schalke 04 lt. Neuer-Jünger nicht so richtig hatte), ebenfalls in die Trickkiste greifen? ManU .. Chelsea .. ihr wißt ja gar nicht, was euch entgangen ist. Gerade beim Inselfußball hätte der Manuel seine Tricks verfeinern können. Aber das hat ihm ja nun der Uli mit dem vielen Geld verdorben.
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