DFB-Team schlägt Weißrussland Volle Kapelle? Von wegen

Nur 33.000 Zuschauer wollten sehen, wie die deutsche Nationalelf die EM-Qualifikation gegen Weißrussland perfekt macht. Das DFB-Team tat aber erneut zu wenig, um den Liebesentzug zu stoppen.
Die Blaskapelle musste den Ton erst noch finden

Die Blaskapelle musste den Ton erst noch finden

Foto: THILO SCHMUELGEN/ REUTERS

Auch die Blaskapelle musste erst einmal ins Spiel kommen. Die Bläser im deutschen Fanblock hatten in der ersten Halbzeit noch ihre Probleme, den richtigen Ton zu finden. Aber das hatten sie mit der deutschen Mannschaft gemeinsam, die zwar auch von Beginn an gegen Weißrussland ins Angriffshorn geblasen hatte, aber bei ihren Offensivbemühungen ähnlich wenig orchestriert wirkte wie die Musiker auf der Tribüne.

Am Ende war der Sieg mit 4:0 (1:0) dann doch noch so ausgefallen, dass man das Wort standesgemäß ohne schlechtes Gewissen benutzen kann. Die Qualifikation für die EM ist durch diesen Pflichtsieg geschafft, und die Bläser konnten ihr "Super Deutschland olé" intonieren.

Blasmusik auf der Fantribüne kennt man von den niederländischen Fans, die seit vielen Jahren von der Kapelle "Kleintje Pils" rund um die Welt begleitet wird. Sie steht für die Begeisterung der Oranje-Fans. Die deutsche Blaskapelle im Mönchengladbacher Borussia-Park dagegen blies in einem Stadion, das mit 33.000 Zuschauern gerade einmal zu drei Vierteln gefüllt war.

Der Oberrang in Gladbach blieb leer

Der Oberrang in Gladbach blieb leer

Foto: Bongarts/Getty Images

Blöcke im Oberrang komplett leer

Auf den Tribünen taten sich erhebliche Lücken auf, manche Blöcke im Oberrang blieben komplett leer. Beim Heimspiel der Gladbacher Borussia gegen den FC Augsburg vor ein paar Wochen waren fast 20.000 Menschen mehr im Stadion gewesen. So viele leere Plätze bei einem Länderspiel in Deutschland gab es seit Jahren nicht. Der DFB hat nach den Schwierigkeiten, eine international satisfaktionsfähige Abwehr aufzustellen, jetzt noch ein weiteres Problem mit seinem Aushängeschild Nationalmannschaft.

Nun ist Weißrussland sicherlich nicht der attraktivste Gegner, den man sich vorstellen kann, aber das ist der FC Augsburg auch nicht. Kapitän Manuel Neuer hatte sich in dieser Woche bereits an einer Erklärung versucht: die späte Anstoßzeit, das Wetter im November - aber all dies hatte jahrelang niemanden abgehalten, 60 oder 80 Euro selbst für eine Partie gegen Weißrussland auszugeben. Dazu sind viele offenbar nicht mehr bereit.

Die Mannschaft ist kein Selbstläufer mehr

"Jahrelang gingen die Dinge von allein, das ist vorbei. Wir müssen mehr tun, auch in Sachen Zuschauer", hatte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff im Vorfeld des Spiels Selbstkritik anklingen lassen. Aber die Erkenntnis, dass die DFB-Elf kein Selbstläufer mehr für das Publikum ist, ist spätestens nach der WM 2018 bereits häufig thematisiert worden. Es gab danach ein paar öffentliche Trainingseinheiten, das scheint nicht auszureichen, um die Scharen wieder anzulocken.

Die PR wie jetzt um das neue Trikot der Nationalmannschaft, die bemühten Choreografien des Fanklubs Nationalmannschaft vor dem Anpfiff - solche Dinge haben viele, die die Nationalelf mal gut fanden, abgeschreckt. Leon Goretzka hat vor der Presse gesagt: "Wir sind ein kunterbunter Haufen mit geilen Typen." Das wird nach außen allerdings kaum deutlich.

Die Choreo vor dem Spiel ließ sich kaum identifizieren

Die Choreo vor dem Spiel ließ sich kaum identifizieren

Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Spektakulärer begeisternder Fußball wäre sicher ein Rezept, manch Unzufriedene zurückzuholen - aber den gab es auch am Samstagabend in Mönchengladbach nur in einzelnen Momenten. Als zum Beispiel Local Hero Matthias Ginter den Ball mit der Hacke zum 1:0 ins Tor beförderte oder Toni Kroos vor dem 4:0 seinen Gegenspieler quasi auf dem Bierdeckel ausspielte.

Aber das waren Augenblicke, dazwischen verfiel die Mannschaft immer wieder in uninspiriertes Ballgeschiebe, von den Außen kam zu wenig Druck, die Abwehr geriet bei den Angriffen der kreuzbraven Weißrussen mehrfach in Not. All das war wenig dazu angetan, Werbung in eigener Sache zu machen.

Immer wieder Verletzte

"Wir haben das Spiel gut kontrolliert", hatte der Bundestrainer dennoch anschließend mehr Positives anzumerken. Er glaubte sogar bei dem Team, "den Charakter, den wir bei einem Turnier brauchen" erkannt zu haben. Die vielen Verletzten, mit denen sich Joachim Löw auch jetzt wieder in der Vorbereitung herumzuschlagen hatte, muss man sicher als Argument nennen, warum es noch nicht so richtig läuft. Diesmal hieß es: Kein Marco Reus, kein Kai Havertz, auch kein Julian Draxler, den man schon fast vergessen hat. Aber etwas mehr Präzision, etwas mehr Esprit, etwas mehr Feinabstimmung hätte man sich auch von denen erwarten können, die am Samstag gespielt haben.

Am Dienstag geht es zum abschließenden Qualifikationsspiel nach Frankfurt gegen Nordirland. Auch für dieses Spiel ist der Vorverkauf schleppend verlaufen - und der Umstand, dass es in dem Spiel nun nicht mehr um allzu viel geht, wird nicht dazu beitragen, dass die Leute die Kassenhäuser stürmen.

Umso wichtiger wäre ein Spiel, das den Fans wegen der Qualität im Gedächtnis bleibt. Sonst wird dem DFB auch künftig der Marsch geblasen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.