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Sieg gegen Aserbaidschan: Glanzloser Erfolg gegen Berti

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

EM-Qualifikation Deutschland schleppt sich zu Pflichtsieg in Aserbaidschan

Es war eine Kraftprobe: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat auch das letzte Spiel vor der Sommerpause gewonnen. In der EM-Qualifikation besiegte das Team von Bundestrainer Löw Aserbaidschan. Matchwinner einer müden DFB-Elf waren Mesut Özil und zwei Stürmer.

Hamburg - Man wird lange suchen müssen, um einen derart zurückhaltenden Torjubel von Mesut Özil zu finden: Der deutsche Nationalspieler hatte in der 30. Minute das 1:0 in Aserbaidschan erzielt, jetzt durfte er seiner Freude freien Lauf lassen. Stattdessen wischte sich der Profi von Real Madrid nur mit dem Trikot den Schweiß von der Stirn. Deutschlands letztes EM-Qualifikationsspiel vor der Sommerpause geriet für die Spieler zur Qual.

Doch die DFB-Auswahl hat die Kraftprobe bestanden. In Baku gewann das Team von Bundestrainer Joachim Löw durch Tore von Özil, Mario Gomez (41.) und André Schürrle 3:1 (2:0), feierte in der Gruppe A den siebten Sieg im siebten Spiel und hat die Teilnahme an der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine beinahe sicher.

"Sieben Spiele, 21 Punkte - da kann man der Mannschaft nur ein großes Kompliment machen. Wir haben läuferisch und kämpferisch noch einmal alles abgerufen", sagte Löw. Dafür musste sein Team jedoch an die Schmerzgrenze gehen - und konnte sich auf Ausnahmekönner Özil verlassen.

Die Entschuldigung für ein schwaches Spiel hatte Arne Friedrich bereits vor dem Anpfiff gegeben. "Mein Kopf ist leer. Ich kann nicht mehr", so der Profi vom VfL Wolfsburg. Ein schöner Reim, am Dienstagabend war er lange Zeit das Motto einer deutschen Mannschaft, deren Kräfte offensichtlich am Ende sind.

Wenn Aserbaidschan, 108. der Fifa-Weltrangliste, ihr gleichwertig ist, dann stimmt etwas nicht. Und die Anfangsminuten in Baku zeigten, dass mit der DFB-Auswahl so ziemlich gar nichts stimmte. Der Außenseiter war klar überlegen. In der sechsten Minute verfehlte Alexandr Chertagonov aus etwa 25 Metern das Tor nur knapp.

Deutscher Fehlstart eröffnet Aserbaidschan Chancen

Die deutsche Mannschaft fand kaum ins Spiel. Nach nur neun Minuten tobte Bundestrainer Löw erstmals an der Seitenlinie: Einen schlimmen Fehlpass von Mats Hummels nahm Vugar Nadyrov auf. Seine Bogenlampe klatschte nur an die Latte, weil Torwart Manuel Neuer noch seine Fingerspitzen hinter den Ball bekam.

Oliver Bierhoff hatte vor dem Anpfiff noch versucht, die Spannung hochzuhalten. Jeder Spieler solle daran denken, dass er sich nur noch ein letztes Mal richtig am Riemen reißen müsse, dann sei Urlaub, so der Nationalmannschaftsmanager. Doch Özil spielte zunächst so, als sei er längst am Strand. Philipp Lahm, von Löw im defensiven Mittelfeld aufgeboten, musste ständig die Ballverluste des Offensivkünstlers ausbügeln. Und Lukas Podolski tauchte erneut ab.

Logische Folge: Aus dem Spiel heraus ging zunächst nichts. Die erste gute Szene der DFB-Auswahl hatte Toni Kroos, der in der 17. Minute einen Freistoß an den Pfosten setzte. Aserbaidschan war kurz beeindruckt, dann wurde dem Team von Trainer Berti Vogts wieder bewusst, dass es dazu in der ersten Halbzeit kaum einen Grund gab. Der Außenseiter, bisher nur mit einem Sieg in der EM-Qualifikation, verteidigte passabel und stellte Deutschland damit vor einige Probleme.

Einzelaktion von Özil bringt die Führung

Ausgerechnet Özil weckte die müde deutsche Mannschaft. Nachdem Kroos mit einem Weitschuss an Keeper Kamran Agyev gescheitert war (28.), erzielte der Profi von Real Madrid das 1:0. Eine Flanke von Benedikt Höwedes (diesmal auf der rechten Abwehrseite) fand in der Mitte zunächst keinen Abnehmer. Özil zwang sich am linken Strafraumeck zu einem Sprint, zog ab und traf sehenswert ins lange Eck (30.). Sein spartanischer Jubel zeigte anschließend zwei Dinge: Erschöpfung und Erleichterung.

Vor der Pause reichte es immerhin noch zu einem weiteren Scorerpunkt. Holger Badstuber zeigte ungeahnte fußballerische Qualitäten und setzte seinen Mitspieler mit einem öffnenden Pass ein. Özil ging auf links auf und davon und sah in der Mitte Mario Gomez, der zum 2:0 abstaubte (41.).

Mit dem beruhigenden Vorsprung im Rücken schaffte es die Nationalmannschaft, einen erneuten Fehlstart zu vermeiden. Schon zu Beginn der zweiten 45 Minuten merkte man dem Team an, dass es rasch die Entscheidung suchte. Doch Thomas Müller zielte über das Tor (47.), Gomez' Versuch stellte kein Problem für Agayev dar (57.). Podolski verstolperte in aussichtsreicher Position (59.).

Der Außenseiter trifft kurz vor Schluss

Aserbaidschan glaubte man mit dieser mittelprächtigen Drangperiode im Griff zu haben. Doch die Gastgeber steckten nicht auf. Nadyrov stand plötzlich halblinks frei vor Neuer. Schiedsrichter Koukoulakis entschied auf Abseits, die Fernsehbilder entlarvten seinen Pfiff aber als Fehlentscheidung (64.).

Fünf Minuten vor seiner Auswechslung hätte Özil sein zweites Tor erzielen müssen, doch nach Doppelpass mit Gomez verfehlte er das Tor um wenige Zentimeter (75.). Kurz darauf war er froh, dass er das Spielfeld verlassen durfte. Seine Mannschaftskollegen mussten noch etwas durchhalten - und den Anschlusstreffer hinnehmen. Der eingewechselte Murad Huseynov beförderte nach einem Durcheinander in der deutschen Abwehr den Ball zum 1:2 über die Linie (89.).

Im Stadion wurde es nun richtig laut - doch die DFB-Auswahl schleppte sich erfolgreich durch die letzte Drangperiode des Gegners. In der Nachspielzeit beruhigte André Schürrle mit dem 3:1 die Nerven von Löw. Um 20:52 war dann für die Nationalspieler eine lange Saison endlich zu Ende.

"Wir wollten ein gutes Ergebnis, die Zuschauer wollten natürlich einen Sieg. Aber Deutschland spielt in einer anderen Liga als Aserbaidschan", sagte Trainer Vogts nach dem Schlusspfiff. Für Deutschland geht es in der EM-Qualifikation am Freitag, 2. September, weiter. Gegner in Gelsenkirchen ist dann Österreich.

Aserbaidschan - Deutschland 1:3 (0:2)
0:1 Özil (30.)
0:2 Gomez (41.)
1:2 Huseynov (89.)
1:3 Schürrle (90. + 3)
Aserbaidschan: K. Agayev - Malikov, R. F. Sadigov, V. Huseynov, Allahverdiyev - Chertoganov (86. Sadygov) - Amirguliyev, Abushev, Ismayilov (58. Isayev), Nadyrov - Javadov (72. M. Huseynov)
Deutschland: Neuer - Höwedes, Badstuber, Hummels, Aogo - Lahm, Kroos - Müller (88. Holtby), Özil (81. Götze), Podolski (76. Schürrle) - Gomez
Schiedsrichter: Koukoulakis (Griechenland)
Zuschauer: 30.000
Gelbe Karten: - Höwedes

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