EM-Qualifikation Überlegene Deutsche verlieren in Polen

Bittere Niederlage für den Weltmeister: Deutschland dominierte das EM-Qualifikationsspiel in Polen, hatte reihenweise Chancen und musste sich doch geschlagen geben. Für das DFB-Team war es die erste Pleite gegen den Nachbarn überhaupt.

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SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - In das Nationalstadion von Warschau wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft so schnell nicht zurückkehren wollen. 2012 kassierte sie dort eine der bittersten Niederlagen ihrer Geschichte, als sie im EM-Halbfinale Italien unterlag. Zwei Jahre später unterlag das Team, nun als Weltmeister, in der Qualifikation zur EM 2016 Polen 0:2 (0:0). Die Deutschen ließen reihenweise Chancen ungenutzt, den Gastgebern hingegen reichten zwei Möglichkeiten für zwei Treffer: Arkadiusz Milik (51. Minute) und Sebastian Mila (88.) sorgten für den ersten polnischen Sieg im 19. Spiel gegen Deutschland.

"Klar bin ich enttäuscht. Aber eigentlich kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Höchstens den, dass wir mit unseren Chancen zu fahrlässig umgegangen sind", sagte Bundestrainer Joachim Löw: "Wir haben ja fast auf ein Tor gespielt." Polen verteidigte mit nun sechs Punkten die Tabellenführung, Deutschland rutscht hinter Irland (6) und Schottland (3) auf Rang vier der Qualifikationsgruppe D.

Löw, der vor dem vermeintlich stärksten Gruppengegner gewarnt hatte, musste seine Abwehr erneut umstellen. Auf der rechten Seite begann Antonio Rüdiger, Mats Hummels kehrte in die Innenverteidigung neben Jérôme Boateng zurück. Links spielte wie schon beim 2:1 gegen Schottland Erik Durm. In der Offensive gab es nur eine Änderung, Neu-Nationalspieler Karim Bellarabi begann für Marco Reus, der sich im ersten EM-Qualifikationsspiel schwer verletzt hatte. Mit dem Einsatz steht auch fest, dass Bellarabi nicht mehr für Marokko auflaufen darf. Für das Land seines Vaters hätte er ebenfalls spielen können.

Bellarabi war es auch, der von Anfang an für viel Gefahr sorgte - und auch die größten Chancen hatte: In der 38. Minute kam er nach einer Flanke von Mario Götze zum Abschluss, schoss aber aus spitzem Winkel knapp vorbei. Sechs Minuten später wurde der Leverkusener stark von Thomas Müller bedient, legte sich jedoch noch den Ball vom linken auf den stärkeren rechten Fuß. Die Zeit reichte den Polen, um Bellarabi noch entscheidend zu stören.

Große Chancen vor der Pause

Die Chancen fielen in die stärkste Phase der DFB-Auswahl vor der Pause. Auch Müller, der sich noch abdrängen ließ (39.) und etwas später über das Tor köpfte (43.), sowie Hummels nach einem Abpraller (45.) scheiterten. Davor hatte es dem deutschen Spiel an Tempo gefehlt, Polen konnte so immer wieder erfolgreich verschieben und die Räume eng machen. Zu Beginn waren die Gastgeber sogar noch mutiger und hatten Deutschland rund eine Viertelstunde lang vor Probleme gestellt. Dann aber konnten die Gäste allmählich ihre gewohnte Spielweise etablieren, ohne jedoch zum Führungstreffer zu kommen.

Das erste Tor gelang dafür überraschend den Polen in der 51. Minute. Nach einem Ballverlust - einige DFB-Spieler reklamierten auf Foulspiel - konnten sich die Gastgeber dem deutschen Pressing entziehen, Erik Durm klärte einen langen Ball direkt zu Lukasz Piszczek und der BVB-Profi bediente per Flanke Milik. Beim Kopfball des von Bayer Leverkusen an Ajax Amsterdam ausgeliehenen Stürmers sahen nicht nur Boateng und Hummels schlecht aus, sondern auch Manuel Neuer, der herauslief, aber nicht klären konnte.

Entscheidung in der Schlussphase

Deutschland reagierte mit noch mehr Angriffsdruck: Götze (53.), André Schürrle (55.) und Durm (63.) scheiterten jedoch alle an Polens Torwart Wojciech Szczesny. In der 67. Minute kam erneut Bellarabi nach einem Doppelpass mit Müller gefährlich in den Strafraum, aber wieder fabrizierte er nur einen harmlosen Schuss.

Polen wurde immer weiter in die Defensive gedrängt, nur selten gelangen Konter. Deutschland versuchte es weiter spielerisch, während bei den Gastgebern die Kräfte schwanden. Und es gab weitere Chancen: Zunächst für Bellarabi, der in der 79. Minute Szczesny mit einem Schuss aus 18 Metern zu einer Glanzparade zwang. Drei Minuten später jagte der eingewechselte Lukas Podolski den Ball aus rund elf Metern an die Latte.

Das DFB-Team vergab reihenweise Chancen, die Polen machten es deutlich besser: Nach einem Einwurf verlor Durm einen Zweikampf gegen Robert Lewandowski, der bediente Mila und dieser traf souverän zum Endstand.

"Wir hatten uns viel vorgenommen, aber heute hat es nicht gereicht. Das Spiel müssen wir jetzt so schnell wie möglich abhaken und uns gut auf Dienstag vorbereiten", sagte Bellarabi nach seinem starken Debüt. Am Dienstag trifft Deutschland in Gelsenkirchen auf Irland (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL).

Polen - Deutschland 2:0 (0:0)
1:0 Milik (51.)
2:0 Mila (88.)
Polen: Szczesny - Piszczek, Szukala, Glik, Wawrzyniak (85. Jedrzejczyk) - Krychowiak, Jodlowiec - Grosicki (71. Sobota), Rybus - Milik (77. Mila), Lewandowski
Deutschland: Neuer - Rüdiger (83. Kruse), Boateng, Hummels, Durm - Kramer (71. Draxler), Kroos - Bellarabi, Götze, Schürrle (77. Podolski) - Müller
Schiedsrichter: Proenca (Portugal)
Zuschauer (in Warschau): 58.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Szukala, Lewandowski, Piszczek - Boateng, Bellarabi

insgesamt 58 Beiträge
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Orthoklas 11.10.2014
1. Gewollt und nicht gekonnt
Polen hat clever gespielt - etwas Glück gehabt - und nicht unverdient gewonnen! Die Patzer in unserer Abwehr sind dagegen dramatisch! Das einzig Positive: Bellarabi! Was für ein tolles Spiel von ihm!!
dani76 11.10.2014
2. na toll
und sowas nennt sich Weltmeister.Einziger Lichtblick war Bellarabi...
susa_pilar 11.10.2014
3. Neuer
Sorry, aber nach dem brutalen Foul von Lewandowski hätte Kramer ausgewechselt werden müssen: er fehlte im entscheidenden Moment! Natürlich entschuldigt das nicht das Herumirren im Strafraum von Neuer!
heijopei 11.10.2014
4. Löw
hätte nach der WM auch zurücktreten sollen.Was will er denn noch erreichen? Es hat sich mit ihm als Trainer abgenutzt. Aber er könnte es immer noch tun.
Captain09 11.10.2014
5.
och Jogi....Mensch....
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