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EM-Qualifikation Erfolg gegen Belgien krönt perfekte DFB-Bilanz

Zehn Spiele, zehn Siege: Die Deutsche Nationalmannschaft hat einen neuen Rekord aufgestellt und auch das letzte EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien gewonnen. Besonders großen Anteil am Sieg hatten Mario Gomez und Mesut Özil, der mit dafür sorgte, dass die Türkei nun in den Playoffs steht.
Von Jan Reschke

Hamburg - Es ist eine makellose Bilanz: Deutschland hat in zehn EM-Qualifikationsspielen zehn Siege geholt. Der finale Erfolg gelang mit einem 3:1 (2:0) gegen Belgien. Mesut Özil (30.), André Schürrle (33.) und Mario Gomez (48.) sowie der Belgier Marouane Fellaini (86.) trafen beim Triumph, der vor allem eines deutlich gemacht hat: Der EM-Titel 2012 wird nur über Deutschland führen.

"Wir wollten unbedingt das letzte Spiel gewinnen. Am Anfang hatten wir ein bisschen Schwierigkeiten, nach dem 1:0 kamen wir wieder ins Spiel und haben verdient gewonnen", so Torschütze Özil. Bundestrainer Löw sagte: "Es war schon wichtig, dass wir dieses Finish durchziehen, einfach auch um zu zeigen: Die Deutschen lassen nicht nach."

Im Vergleich zur Partie gegen die Türkei veränderte Bundestrainer Joachim Löw seine Startelf gleich auf fünf Positionen: Im offensiven Mittelfeld konnte Mesut Özil wieder mitwirken. Der Dortmunder Mario Götze war von Löw schon vor der Partie wieder zurück zum BVB geschickt worden. Für den angeschlagenen Bastian Schweinsteiger begann Toni Kroos. In der Abwehr tauschte Löw auf zwei Positionen. Für Jérôme Boateng und Holger Badstuber begannen Benedikt Höwedes auf rechts und Mats Hummels innen. Schürrle begann für den gegen die Türkei enttäuschenden Podolski, der wie Schweinsteiger und Boateng angeschlagen auf der Tribüne saß. "Eine neu formierte Mannschaft - das macht im Moment nichts aus. Wir sind gut gerüstet", sagte Thomas Müller.

Bundestrainer Löw hatte vor dem Spiel eine klare Zielsetzung vorgegeben: "Wir wollen zehn Siege und einen neuen Rekord aufstellen." Eine optimale Ausbeute hatte es zuletzt 1982 gegeben, als in acht WM-Qualifikationsspielen acht Erfolge gelungen waren.

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DFB-Einzelkritik: Schürrle mit Turbo, Müller ohne Ideen

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Allerdings schienen ihm seine Spieler zunächst nicht richtig zugehört zu haben, die Partie begann auf beiden Seiten verhalten, Chancen blieben Mangelware. Ein Schuss von Vincent Kompany zwei Meter neben das Tor (12.) war da schon die gefährlichste Gelegenheit. Gomez verpasste in der 18. Minute eine Flanke von Schürrle. Ansonsten blieben die Aktionen in der DFB-Offensive meist in den Ansätzen stecken. Die Zuspiele waren häufig zu ungenau, die Spielanlage ideenlos.

Bis zur 25. Minute, ab der plötzlich all das zu sehen war, was die deutsche Mannschaft in der bisherigen Qualifikation so stark gemacht hat. Schürrles Schuss knapp neben das Tor (26.) war der Auftakt einer Drangphase, an deren Ende die Vorentscheidung gefallen war.

In der 30. Minute tauchte Gomez frei vor dem Tor von Simon Mignolet auf, doch der Stürmer scheiterte am belgischen Keeper. Die resultierende Ecke trat Kroos. Der Ball landete schließlich bei Sami Khedira, des abgeblockter Schuss kam zu Özil und dessen Schuss landete in der rechten Ecke, 1:0. Nur drei Minuten später zog Gomez einen Konter mustergültig an, legte perfekt auf Schürrle ab, der sich die Gelegenheit frei vor dem Tor nicht entgehen ließ, 2:0. "Ich will mich natürlich anbieten, wenn ich die Chance bekomme. Ich glaube, heute habe ich sie genutzt", sagte Schürrle: "Wir können aus dem Nichts Tore machen. Mit den drei Toren sind die Belgier noch gut bedient."

Gomez trifft kurz nach der Pause

Von Belgien sah man anschließend nicht mehr viel. Lediglich in der 42. Minute ging ein Schuss von Jan Vertonghen knapp am Tor von Manuel Neuer vorbei, der ansonsten bis dahin einen sehr ruhig Abend hatte. Belgiens Nationaltrainer George Leekens sagte: "Die deutsche Mannschaft war sehr stark. Man hat aber in den ersten 20 Minuten gesehen, dass das kleine Belgien auch Fußball spielen kann. Wir wollten die drei Punkte und haben offensiv gespielt." Gomez verpasste in der 45. Minute nach einem Doppelpass mit Khedira den dritten Treffer.

Den legte er dafür aber nur drei Minuten nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit nach: Nach Zuspiel von Özil schoss er den Ball in die rechte Torecke. Mit der deutlichen Führung ließ es die deutsche Offensive fortan ruhiger angehen. Kontrolle statt Kantersieg hieß offenbar die Devise. In der 68. Minute musste Neuer eingreifen, nachdem Hummels den Ball gegen Romelu Lukaku verloren hatte.

Löw reagierte auf die nun etwas lethargische Vorstellung seines Teams und wechselte Marco Reus für Thomas Müller ein (71.), in der 77. Minute war für Torschütze Gomez ebenfalls Schluss. Für ihn kam Cacau. Die DFB-Elf spielte die Partie nun locker herunter. Einzig aufsehenerregend war aus deutscher Sicht bis dahin höchstens noch ein Wechsel in der 84. Minute: Da verhalf Löw dem Dortmunder Ilkay Gündogan zu seinem Debüt in der Nationalmannschaft.

Das erste Tor der Belgier durch Fellaini (86.) änderte nichts mehr am klaren Sieg von Deutschland.

Der deutsche Erfolg hat auch Auswirkungen auf Tabellensituation in der Gruppe A. Da zog die Türkei dank eines 1:0 (0:0)-Sieges gegen Aserbaidschan noch an Belgien vorbei auf den zweiten Platz und spielt nun in den Playoffs um die EM-Teilnahme. "Ich freue mich natürlich für die", sagte der türkisch-stämmige Özil.

"Wir wollten uns auf keinen Fall nachsagen lassen, dass wir den Wettbewerb beeinflussen mit einer schlechten Leistung. Wir wollten das Spiel nicht für die Türken gewinnen, sondern für uns", so Bundestrainer Löw, der nach dem Spiel zudem auf die glänzenden Perspektiven seines Kaders verwies: "Noch nie war die Kadernominierung so einfach, früher habe ich mir tage-, wochen- teilweise monatelang Gedanken gemacht."

Deutschland - Belgien 3:1 (2:0)
1:0 Özil (30.)
2:0 Schürrle (33.)
3:0 Gomez (48.)
3:1 Fellaini (86.)
Deutschland: Neuer - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Lahm (ab 84. Gündogan) - Khedira, Kroos - Müller (ab 71. Reus), Özil, Schürrle - Gomez (ab 76. Cacau)
Belgien:
Mignolet - Ciman, Kompany, Vertonghen, Lombaerts - Fellaini, Simons - Dembele (ab 64. Mertens), Witsel, Hazard - Ogunjimi (ab 46. Lukaku
Schiedsrichter: Svein Oddvar Moen (Norwegen)
Zuschauer: 48.483
Gelbe Karten: Khedira - Witsel

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