EM-Qualifikation Griechenland feiert Otto Rehhagel

Jubel in Griechenland, Hoffnung in Schottland, Erleichterung in England. Der letzte Spieltag der EM-Qualifikation bot noch einmal Dramatik in der Stadien Europas. Eine große Überraschung gelang dabei den lettischen Fußballern.


Hamburg - Otto Rehhagel hat die griechische Fußball-Nationalmannschaft durch ein 1:0 über Nordirland zur EM-Endrunde 2004 geführt, sein Trainerkollege Berti Vogts dank deutscher Schützenhilfe und einem 1:0-Erfolg über Litauen noch mit Schottland die Playoffs erreicht. Zum Abschluss der EM-Qualifikation lösten neben der DFB-Auswahl und Griechenland auch England, Italien, die Schweiz und Dänemark das direkte Ticket für die Euro 2004 in Portugal.

"Wir haben einen gewaltigen Imagegewinn für den griechischen Fußball erreicht. Wir wollen uns in Portugal gut präsentieren und kein Sparringspartner sein", sagte Rehhagel kurz nach dem Triumph über Nordirland und der zweiten EM-Teilnahme nach 1980. "Mann des Abends" war dabei im ausverkauften Athener Apostolos Nikolaidis-Stadion Vassilis Tsartas, der in der 69. Minute per Foulelfmeter den Siegtreffer erzielte. Für den Topfavoriten Spanien bleibt trotz des 4:0 (1:0)-Sieges in Armenien nur der zweite Platz und damit die Teilnahme an den Playoffs am 15./16. und 18./19. November.

Dort könnte Spanien auch auf Schottland treffen. Der frühere Bundestrainer Vogts rückte mit seiner Mannschaft nach dem 1:0 gegen Litauen 1:0 und dem 3:0-Erfolg von Gruppensieger Deutschland über Island noch auf den zweiten Tabellenplatz vor. "Wir sind alle stolz, dass wir es geschafft haben", meinte Vogts: "In den Playoffs hoffen wir zuerst auf ein Auswärtsspiel, dann ist alles möglich."

Vogts und der Großteil der 51.000 Zuschauer im ausverkauften Hampden Park mussten allerdings bis zur 70. Minute warten, ehe Darren Fletcher den erlösenden Siegtreffer erzielte. Vogts bewies dabei ein glückliches Händchen. Der Coach hatte den 19 Jahre alten Mittelfeldspieler vom englischen Meister Manchester United erst kurz zuvor eingewechselt.

Sicherheitsstufe eins herrschte unterdessen in Istanbul. 50 Fans der englischen Fußball-Nationalelf waren zuvor von der Polizei vorübergehend verhaftet und überwiegend schon wieder ausgewiesen worden. Englischen Fans war der Zutritt zum Stadion verwehrt geblieben, 5100 Polizisten waren im Einsatz. Auf dem Spielfeld blieb es dagegen ruhig, lediglich David Beckham sorgte durch einen verschossenen Foulelfmeter für Aufregung. 0:0 stand es nach 90 Minuten, was die direkte Qualifikation der Engländer für die Euro 2004 bedeutete. Die Türken hoffen über den Umweg der Relegation ebenfalls das Ticket für Portugal lösen zu können. Die Auslosung für die Playoff-Spiele findet am Montag statt.

Italien ließ beim 4:0-Sieg gegen Aserbaidschan nichts mehr anbrennen und holte vor Wales (2:3 gegen Serbien und Montenegro) den Sieg in Gruppe neun. Christian Vieri (16.), zweimal Filippo Inzaghi (24. und 88.) und Marco di Vaio (65.) erzielten die Treffer für die "Squadra Azzurra". Unterdessen beendete der bereits qualifizierte Titelverteidiger Frankreich nach dem 3:0 gegen Israel ohne Verlustpunkt die Qualifikation.

Im mit 30.500 Zuschauern ausverkauften St. Jakob-Park zu Basel machten Hakan Yakin (7.) und Alexander Frei (61.) die zweite EM-Teilnahme der Schweiz perfekt. Die Mannschaft um den Gladbacher Schlussmann und Kapitän Jörg Stiel schloss mit 15 Punkten als Tabellenerster die Gruppe 10 ab. Den zweiten Platz und damit die Teilnahme an den Playoffs sicherte sich Russland (14) durch einen 3:1 (2:0)-Sieg gegen Georgien. Dimitri Bulikin (29.), Igor Titow (45.) und Dimitri Sitschew (73.) trafen für die Gastgeber, der Freiburger Bundesligaprofi Alexander Iaschwili (5.) hatte Georgien in Führung gebracht.

Ex-Europameister Dänemark hat den Vierkampf in der Qualifikationsgruppe 2 am letzten Spieltag für sich entschieden. Der Mannschaft von Morten Olsen genügte ein 1:1 in Bosnien-Herzegowina, um sich mit 15 Punkten den Gruppensieg zu sichern. Norwegen holte sich durch ein 1:0 gegen Luxemburg noch den zweiten Tabellenplatz.

Ebenfalls in den Playoffs steht überraschend Lettland. Die Mannschaft von Trainer Aleksander Starkovs gewann durch einen Treffer von Maris Verpakovskis 1:0 (1:0) bei den bereits qualifizierten Schweden und belegt damit den zweiten Platz in Gruppe 4.

Durch den lettischen Sieg hatte WM-Teilnehmer Polen trotz des 2:1 (1:0)-Erfolges in Ungarn das Nachsehen. Für Polen traf Andrzej Niedzelan (10. und 62.) doppelt, den zwischenzeitlichen Ausgleich markierte der Stuttgarter Imre Szabics (49.). Polen beendet damit die Qualifikation mit 13 Punkten hinter Schweden (17) und Lettland (16) auf dem dritten Tabellenplatz.

Unterdessen hat der Dortmunder Torjäger Jan Koller der bereits qualifizierten tschechischen Nationalmannschaft einen Erfolg zum Abschluss beschert. Dem 2,02-Meter-Mann gelang beim 3:2 (1:0)-Sieg der Tschechen in Wien gegen Gastgeber Österreich in der Schlussminute der Siegtreffer.



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