EM-Qualifikation Italien am Abgrund, Spanien zittert, England optimistisch

Europameister Griechenland hat die WM in Deutschland verpasst, bei der EM 2008 fehlt dafür möglicherweise der Weltmeister: Italien steht morgen im Qualifikationsspiel in der Ukraine unter Druck. Aber auch andere große Fußball-Nationen bangen um die Teilnahme.


Hamburg - Bei den Italienern herrscht knapp 14 Monate nach dem Gewinn des WM-Titels Angst vor dem Verpassen der EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz im kommenden Jahr. Morgen muss die "Squadra Azzurra" in der Ukraine antreten. Die "Gazzetta dello Sport" brachte es für die Auswahl von Trainer Roberto Donadoni auf den Punkt. Eine Pleite wäre tödlich, heißt es, den Trainer eingeschlossen. "Für ihn steht alles auf dem Spiel", so das Sportblatt. Italien ist in Gruppe B Dritter (17 Punkte), die Ukraine folgt auf dem vierten Platz (13), hat aber eine Partie weniger ausgetragen als die Gäste. Frankreich liegt mit 19 Zählern an der Spitze und trifft morgen auf den Zweiten Schottland (18).

Weltmeister Gattuso (r.): Mit Italien ins Wanken geraten
DPA

Weltmeister Gattuso (r.): Mit Italien ins Wanken geraten

Ein freiwilliger Rücktritt von Donadoni im Falle einer Niederlage gilt jedoch als unwahrscheinlich. "Damit befasse ich mich nicht. Es geht darum, die heikle Situation zu meistern", sagte der ehemalige Profi. Und Luigi Abete, Präsident des Italienischen Fußball-Verbandes (FIGC), spielt noch auf Zeit. "Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um voreilige Schlüsse zu ziehen", sagte er. "Wir wissen, was auf dem Spiel steht. Eine EM ohne den Weltmeister wäre eine Katastrophe", erklärte Kapitän Fabio Cannavaro. Allerdings haben die Italiener Personalsorgen. Für den verletzten Luca Toni vom deutschen Rekordmeister Bayern München und dem formschwachen Alessandro Del Piero wird Donadoni in der Offensive wohl auf Filippo Inzaghi und Vincenzo Iaquinta setzen. Zudem fehlt der gelbgesperrte Gennaro Gattuso.

Die Ukrainer, die zusammen mit Polen schon Italien die Ausrichtung der EM-Endrunde 2012 weggeschnappt haben, glauben noch an ihre Chance. "Ich bin Optimist. Wir können es schaffen", sagte Nationaltrainer Oleg Blochin. Die Hoffnungen ruhen insbesondere im Angriff auf den beiden England-"Legionären" Andrej Schewtschenko (FC Chelsea) und Andrej Woronin (FC Liverpool), der sagte: "Wir fühlen uns im eigenen Stadion stark genug, um Italien zu bezwingen."

Ganz andere Sorgen hat Frankreichs Coach Raymond Domenech vor dem Duell gegen Schottland. Er fürchtet drei Tage nach dem Rugby-WM-Match zwischen Südafrika und Samoa um den Zustand des Platzes im Pariser Prinzenpark. "Das sind alles schwere Kerle. Der Rasen wird zerstört sein. Ich liebe Rugby, aber das kann ich nicht nachvollziehen. Wir brauchen gute Platzverhältnisse, um gut zu spielen", schimpfte Domenech, der auf seinen gesperrten Stürmerstar Thierry Henry verzichten muss.

England will zweiten Sieg

Verhaltener Optimismus herrscht bei den Engländern, die in Gruppe E auf den Tabellenzweiten Russland (18 Punkte) treffen. "Wir müssen an die Leistung vom 3:0-Sieg gegen Israel anknüpfen", fordert Trainer Steve McClaren. Eine Niederlage würde die EM-Hoffnungen der Engländer (17) auf den Nullpunkt sinken lassen und wahrscheinlich das Aus für den umstrittenen McClaren bedeuten. Auch Russlands Coach Guus Hiddink weiß um die Brisanz für die Hausherren. "Der Druck lastet auf England. Für die zählt nur ein Sieg. Wir können uns eine Niederlage leisten, das wäre nicht das Ende der Welt für uns", sagte der Niederländer.

Keinen Ausrutscher darf sich Portugal (16 Punkte) in der Gruppe A gegen Serbien (15) leisten, während Finnland (18) Spitzenreiter Polen (20) empfängt. Auch in Spanien wird gezittert. Das Team (16) ist Zweiter und trifft in der Gruppe F auf Lettland (6). "Wir würden einen großen Fehler machen, wenn wir glauben, dass wir sie leicht schlagen können. Wir müssen unsere EM-Chance wahren", forderte Spaniens Coach Luis Aragones.

Ohne den verletzten Stürmer Ioannis Amanatidis vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt muss Europameister Griechenland (18) im Spitzenspiel der Gruppe C in Norwegen (16) auskommen. Trainer Otto Rehhagel ist nach der kurzfristigen Abreise des Eintracht-Kapitäns gezwungen, seinen Sturm umzustellen. Beim Erzrivalen Türkei (14) droht Bayern-Mittelfeldspieler Hamit Haltintop wegen Knieproblemen auszufallen. Der WM-Dritte von 2002 will sich gegen Ungarn (9) für das magere 2:2 in Malta rehabilitieren. "Wir werden den Fehler am Mittwoch korrigieren", verkündete Kapitän Hakan Sükür.

mt/sid/dpa



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