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DFB-Sieg über Dänemark Löws Wechselglück

Joachim Löw hat wieder einmal recht behalten. Beim Spiel gegen Dänemark setzte er ausgerechnet auf EM-Neuling Lars Bender - und der schoss das entscheidende Tor. Schon zuvor machte der Bundestrainer mit der Aufstellung von Hummels und Gomez alles richtig. Seine Personalpolitik ist voll aufgegangen.

Bei Bundestrainer Joachim Löw und seinem Team läuft es im Moment auch, wenn es nicht so läuft. Selbst wenn die Offensive gegen Dänemark zahlreiche Chancen nicht genutzt hat und die spielerische Linie beim 2:1-Erfolg nur in Ansätzen erkennbar war: Am Ende stehen neun Punkte aus drei Spielen, der Gruppensieg und der Einzug ins Viertelfinale.

Und die Torschützen hätte man sich nicht besser aussuchen können: der Jubilar Lukas Podolski in seinem 100. Länderspiel und der Startelf-Debütant Lars Bender bei seiner ersten EM. Und wieder einmal lautet Löws Bilanz am Ende des Abends: alles richtig gemacht. Wie mit der Aufstellung von Innenverteidiger Mats Hummels zu Turnierbeginn. Wie beim Festhalten an Mittelstürmer Mario Gomez vor der Partie gegen die Niederlande.

Der Bundestrainer hatte noch im Vorfeld vehement vor den unbequemen Dänen gewarnt und sah sich auch darin anschließend bestätigt. "Es war ein schwieriges Spiel, eine Partie, wo wir viel zu verlieren und wenig zu gewinnen hatten", fasste Löw zusammen. Seine Mannschaft hatte sich zuvor trotz des relativ frühen Führungstores durch Podolski (19. Minute) schwer getan, die Defensive der dicht stehenden Skandinavier zu überwinden.

Beste Torgelegenheiten ausgelassen

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Deutscher Sieg über Dänemark: Mit drei Siegen ins Viertelfinale

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Torgelegenheiten gab es zwar, aber weder Thomas Müller noch Sami Khedira und Mario Gomez konnten an diesem Abend beste Chancen ausnutzen. "Uns hat der Killerinstinkt gefehlt", formulierte Löw, und auch Gomez bemängelte: "Wir hätten heute drei oder vier Tore mehr machen müssen."

Stattdessen nutzte der Gegner eine leichte Konfusion in der deutschen Abwehr nach einem Eckball aus und kam durch Michael Krohn-Dehli zum Ausgleich in der 24. Minute. Ein gefährliches Ergebnis, denn ein weiterer Treffer der Dänen hätte bei dem gleichzeitigen Sieg der Portugiesen gegen die Niederlande sogar das Vorrunden-Aus für Deutschland bedeutet. Dem Team merkte man gerade in Phasen der zweiten Halbzeit an, dass dies manchem Spieler durch den Kopf ging.

So hatten der Gleichstand und mit ihm die bleibende Unsicherheit bis in die Schlussphase Bestand. Bis Rechtsverteidiger Bender die Elf erlöste und einen gelungen Angriff über den überragenden Khedira und den kurz zuvor eingewechselten Miroslav Klose zehn Minuten vor dem Abpfiff zum Siegtor abschloss.

Özil ist noch nicht im Turnier

Für den Leverkusener, der das erste Mal in seiner Profilaufbahn überhaupt auf der rechten Abwehrseite zu spielen hatte und den gesperrten Jérome Boateng insgesamt gut vertrat, ein besonderer Moment. Ebenso wie zuvor für Podolski, der dieses Spiel "mit Sicherheit in Erinnerung behalten" wird.

Andere werden die Partie rasch vergessen wollen: Mesut Özil zum Beispiel, der sich vom Bundestrainer zwar das Lob abholte, "sehr ballsicher" gespielt zu haben. Aber der Edeltechniker von Real Madrid hat noch nicht ins Turnier gefunden. Für seine Verhältnisse agierte er äußerst dezent. Zusammen mit Thomas Müller gehörte Özil zu den Aufsteigern des WM-Turniers vor zwei Jahren, und wie der Flügelspieler sucht auch Özil noch nach seiner EM-Form.

Die Brillanz aus der EM-Qualifikation, als das Team teilweise rauschhafte Auftritte hinlegte, hat bei diesem Turnier bislang gefehlt. Andererseits kann man am Ende nicht mehr herausholen, als von drei Partien alle drei zu gewinnen. "Vor drei oder vier Jahren hätte die Mannschaft ein Spiel wie das heutige vielleicht noch nicht für sich entschieden", sagte der Trainer. Damit erkannte er bei seinem Team eine Reife, die bei vergangenen Turnieren und den damaligen Anläufen, einen Titel zu holen, noch nicht da war.

"Wir haben ja auch nicht gegen irgendwen gespielt", sagte Podolski nach dem Schlusspfiff und wies damit auf die Stärke des Gegners hin. Tatsächlich machten die Dänen aus ihren begrenzten Möglichkeiten das Beste und ließen der Löw-Elf vor dem Strafraum nur wenig Räume zum Kombinieren. Eine Blaupause für den nächsten Gegner Griechenland (Freitag 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Sie werden ähnlich spielen, auch sie sind Meister der Effizienz", so Löw. Die Griechen könnten "wahnsinnig gut verteidigen, und manchmal beißt man bei ihnen auf Granit".

Das ging der deutschen Offensive gegen die Dänen ähnlich. Am Ende jedoch war auch die skandinavische Betonwand geknackt. Und solche Spiele muss man erst mal gewinnen.

Dänemark - Deutschland 1:2 (1:1)
0:1 Podolski (19.)
1:1 Krohn-Dehli (24.)
1:2 L. Bender (80.)
Dänemark: Andersen - Jacobsen, Kjaer, Agger, S. Poulsen - Kvist - Eriksen, J. Poulsen (ab 82. Mikkelsen), Zimling (ab 79. C. Poulsen), Krohn-Dehli - Bendtner Deutschland: Neuer - L. Bender, Hummels, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - Müller (ab 84. Kroos), Özil, Podolski (ab 64. Schürrle) - Gomez (ab 74. Klose)
Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)
Zuschauer: 32.000