EM-Testspiel Abwehrschwache DFB-Elf enttäuscht gegen Weißrussland

Schock für Joachim Löw: Das Testspiel gegen Weißrussland hat zahlreiche Schwächen in der deutschen Elf offenbart. Die Abwehr ist noch nicht eingespielt, im Mittelfeld fehlt es an Ideen. Torhüter Jens Lehmann besiegelte mit seinem Patzer das Unentschieden gegen den Außenseiter.


Kaiserslautern - Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat in ihrem vorletzten Testspiel vor Beginn der Europameisterschaft eine schwache Leistung geboten. Sie kam vor 47.000 Zuschauern in Kaiserslautern gegen das vom deutschen Coach Bernd Stange betreute Weißrussland nur zu einem 2:2 (2:0) und offenbarte dabei, speziell in der Abwehr, immer wieder große Schwächen. Bundestrainer Joachim Löw war nach der Partie aber optimistisch: "In zwölf Tagen werden alle Spieler in einer viel besseren Form sein, das kann ich versprechen."

Bayerns Angreifer Miroslav Klose erzielte - allerdings im Abseits stehend - in der 10. Minute den Führungstreffer für Deutschland. Nach einem schönen Pass seines Sturmpartners Lukas Podolski umkurvte er den weißrussischen Keeper Vasili Khomutovski und schob sicher ein. Nur fünf Minuten später wurde es erneut laut im Stadion, als der für den HSV spielende Anton Putsilo Bastian Schweinsteiger heftig foulte und der Münchner Mittelfeldakteur behandelt werden musste - doch glücklicherweise weiterspielen konnte.

"Mein erster Gedanke war, dass es mich schwerer erwischt hat. Der Knöchel ist dick und ich habe Schmerzen, aber Gott sei Dank sind die Bänder okay - offenbar hatte ich Glück", sagte er. Ob und wie lange der 23-Jährige, der sein 50. Länderspiel absolvierte, eine Trainingspause einlegen muss, ist noch offen. "Eine ganz genaue Diagnose gibt es noch nicht. Wir müssen jetzt schauen, wie wir das am schnellsten hinkriegen. Ich bin aber zuversichtlich, dass es schnell gehen wird ."

Für den zweiten deutschen Treffer zeichnete ein Weißrusse verantwortlich. Der von Beginn an agierende David Odonkor vom spanischen Club Betis Sevilla schloss einen der für ihn typischen Flügelläufe mit einer Flanke ab, die Abwehrspieler Vladimir Korytko dann mit dem linken Fuß ins eigene Tor verlängerte (20. Minute).

Insgesamt trat das deutsche Team in der ersten Halbzeit nicht so souverän auf wie erhofft. Die Weißrussen kamen zu einigen Möglichkeiten, bei denen der deutsche Torhüter Jens Lehmann nicht immer gut aussah. So musste er in der 27. Minute bei einem schwachen Schuss von Putsilo einmal nachgreifen. Kurz vor dem Seitenwechsel parierte er jedoch einen Schuss von Weißrusslands Star Aljaksandr Hleb glänzend.

In den zweiten 45 Minuten ging dann das EM-Casting von Löw weiter. Mit Wiederanpfiff kamen der Schalker Jermaine Jones für Kapitän Michael Ballack und Debütant Marko Marin (Gladbach) für Schweinsteiger. Später folgten der Kölner Patrick Helmes (54. Minute für Klose), Angreifer Oliver Neuville (54. für Podolski), HSV-Akteur Piotr Trochowski (67. für Mittelfeldspieler Torsten Frings) und Bremens Clemens Fritz (79. für Odonkor). "Es ist ein ganz anderes Gefühl, für Deutschland zu spielen", gestand Marin, "ich bin stolz darauf und hoffe, bei der EM dabei zu sein."

Die Konzentrationsschwächen in der deutschen Abwehr wurden aber nicht weniger. In der 49. Minute konnte Weißrusslands Pavel Sitko in seinem ersten Länderspiel, bedrängt von Abwehrspieler Per Mertesacker, seine Chance nicht nutzen und zehn Minuten später war kein weißrussischer Akteur zur Stelle um eine Flanke von Hleb zu verwerten. In der 61. Minute fiel dann aber der verdiente Anschlusstreffer: Einem Linkschuss von Stürmer Vitaly Bulyga konnte Lehmann zwar noch mit den Fingerspitzen das Tempo nehmen, doch Mertesacker kam zu spät, um das Tor zu verhindern.

Zwei Minuten vor Ende der Partie gelang Weißrussland - das zuvor schon mehrere Chancen ungenutzt gelassen hatte - sogar noch der Ausgleich. Erneut war es Bulyga, der Lehmann überwinden konnte. Nach einem Fehler von Jones ließ er Abwehrspieler Christoph Metzelder locker aussteigen und auch Lehmann sah bei dem Flachschuss ins rechte Eck nicht gut aus. "Wir haben lange nicht mehr so gelitten wie heute", sagte Metzelder vom spanischen Meister Real Madrid, "aber wir haben in den letzten Tagen viel trainiert. Das hat man in der zweiten Halbzeit in allen Mannschaftsteilen gemerkt."

Weißrusslands Coach Stange äußerste sich zufrieden: "Wir haben in der ersten Halbzeit zwei ganz herzliche Geschenke gegen eine gut spielende deutsche Mannschaft verteilt. In der zweiten Halbzeit waren wir dann spielerisch dominant", so Stange. "Das war aber absolut normal, dass die Deutschen nach dem Trainingslager abbauen werden. Ich finde das Resultat war verdient. Solche Ergebnisse machen Mut."

Am Mittwoch wird Löw den endgültigen EM-Kader bekanntgeben und drei Spieler aus dem derzeitigen Aufgebot streichen. "Die Entscheidung wird uns schwer fallen. Wir werden uns auf Mallorca noch mal in Ruhe zusammensetzen und alles zusammentragen", sagte er. "Wir haben 26 gute Spieler. Bei denen, die nach Hause müssen, liegt es nicht an der Qualität." Das letzte Testspiel vor der Europameisterschaft findet kommenden Samstag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in der Schalker Arena gegen Serbien statt.

fsc/sid



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