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DFB-Elf gegen Griechenland "Özils Explosion kommt noch"

Deutschland gegen Griechenland - und das mitten in der Euro-Krise? Bundestrainer Löw spielt die politische Brisanz des EM-Viertelfinales herunter. Er kümmert sich lieber um die sportlichen Probleme - zum Beispiel Mesut Özil: "Die Explosion kommt noch, das spüre ich."

"Angela Merkel redet mir nicht in Aufstellung und Taktik rein, und ich gebe keine politischen Statements." - Vor dem EM-Viertelfinale gegen Griechenland am Freitag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will Bundestrainer Joachim Löw die Schärfe aus dem Duell nehmen. "Für uns ist das ein ganz normales Spiel", betonte der Coach auf der DFB-Pressekonferenz am Dienstag in Danzig.

Die Mannschaft soll sich nicht von der politischen Brisanz der Partie ablenken lassen, die schon Tage vor dem Spiel von der Boulevardpresse in beiden Ländern nach Kräften geschürt wird. Stattdessen will Löw den Fokus auf das Auftreten des eigenen Teams richten. Besonders im Defensivverhalten haben dem Bundestrainer beim 2:1-Erfolg über Dänemark einige Punkte nicht gefallen.

So sei die Mannschaft nach dem 1:1-Ausgleichstreffer im Pressing nicht zwingend genug gewesen und habe den Gegnern "zu viel Luft gegeben." Außerdem seien die Abstände zwischen Verteidigung und Mittelfeld in mehreren Situationen zu groß gewesen, bemängelte Löw.

Die Folge: Die Defensivkräfte Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira mussten viele Löcher schließen. Besonders der Bayern-Profi wirkte nach dem Spiel ausgepumpt und klagte selbst: "Ich bin sehr müde gerade."

Für das Spiel gegen die abwehrstarken Griechen gab Löw die Parole aus: "Die Mauer muss stehen!" In der Offensive sei das DFB-Team stark genug besetzt, um gegen jeden Gegner zu treffen. Wichtig sei es, in der Verteidigung keine Fehler zu machen.

"Der Laufweg bestimmt den Pass"

Im Offensivspiel erwartet der Bundestrainer eine Leistungssteigerung von Mesut Özil. Zwar sei Löw bislang mit seiner Spielweise bei der EM zufrieden, er sehe bei dem Profi von Real Madrid aber noch Luft nach oben: "Die Explosion kommt noch, das spüre ich."

Gegen Dänemark hätten aber auch die Laufwege von Özils Mitspielern nicht gepasst. Die Aktionen der Spieler ohne Ball seien "nicht fordernd genug" gewesen, viele Bälle seien in den Fuß gespielt worden anstatt in den Lauf. Die Konsequenz: Das Offensivspiel der Deutschen wirkte über weite Strecken statisch, bis in Strafraumnähe lief der Ball zwar flüssig durch die eigenen Reihen, in der Gefahrenzone stellten die Dänen jedoch die Räume geschickt zu, und der DFB-Elf fehlten die kreativen Ideen.

Hier sieht Löw Özils Kollegen in der Offensive gefordert: "Der Laufweg bestimmt den Pass, nicht andersherum", so sein Credo. Wenn also Podolski, Müller, Gomez und Co. nicht in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehr laufen, werden die Geistesblitze von Özil weiter auf sich warten lassen.

Im Mannschaftstraining am Dienstagvormittag fehlte der 23-Jährige, ebenso wie seine Mitspieler Schweinsteiger und Lars Bender. Das Trio ist leicht angeschlagen, soll am Mittwoch aber wieder am Training teilnehmen können.

Zwei Übungseinheiten stehen vor dem Viertelfinale noch auf dem Programm. Der Bundestrainer warnte zwar davor, die Griechen zu unterschätzen, strahlte zugleich aber große Gelassenheit aus. "Ich bin entspannt", sagte er.

Das liegt auch daran, dass den Griechen mit Giorgos Karagounis der Schlüsselspieler am Freitag fehlen wird. Der Mittelfeldmann kassierte im letzten Vorrundenspiel gegen Russland (1:0) wegen einer Schwalbe, die keine war, die zweite Gelbe Karte im Turnier und ist damit gegen Deutschland gesperrt. Löw versuchte gar nicht erst, das Fehlen von Karagounis herunterzuspielen: "Das ist ein schmerzhafter Ausfall für die Griechen."

Ein Ausfall, der die Chance der DFB-Elf auf den Einzug ins Halbfinale noch größer werden lässt, als sie eh schon ist.

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