BVB-Transfer Can Emre für alle

Emre Can ist für Borussia Dortmund eine echte Verstärkung, und das gleich auf mehreren Positionen. Die Frage lautet nun, wie ihn Trainer Lucien Favre einsetzen wird - und wann.
Von Tobias Escher

Es war eine schwere Geburt. Über einer Woche wurde spekuliert, ob Emre Can von Juventus Turin zu Borussia Dortmund wechselt. Bis zum letzten Tag des Transferfensters feilschten beide Klubs um die Modalitäten. Nun ist es offiziell: Der BVB wird Can zunächst bis zum Sommer ausleihen, danach wird er fest verpflichtet. Über die dann zu zahlende Ablöse machte die Borussia keine Angaben, Medien spekulieren über eine Summe in Höhe von 25 Millionen Euro.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der BVB verpflichtet einen Wunschspieler. Can verkörpert Eigenschaften, die dem BVB in der Vergangenheit fehlten: Er bringt Härte im Zweikampf mit, Geschwindigkeit im Spiel nach vorne und in der Rückwärtsverteidigung - und eine Flexibilität, die jeder moderne Trainer schätzt.

In Turin aussortiert

Cans Vita liest sich beeindruckend. Ausgebildet wurde er beim FC Bayern München, danach war er Stammspieler in Leverkusen (2013-2014) und Liverpool (2014-2018). Auch in Turin setzte er sich in seinem ersten Jahr durch und feierte als feste Größe des Teams die italienische Meisterschaft.

Vergangenen Sommer sank Cans Stern in Turin. Der neue Trainer Maurizio Sarri setzte nicht auf ihn. In der Liga stand er gerade einmal in zwei Partien in der Startelf, für die Champions League hat Juventus ihn gar nicht erst gemeldet.

Warum Sarri den deutschen Nationalspieler aussortierte, lässt sich nur mutmaßen. Vielleicht sah er ihn als zu spielschwach an, um ihm einen Platz in der bevorzugten Mittelfeldraute anzuvertrauen. Für Dortmund war Cans Rolle als Ersatzspieler ein Glücksfall: Der BVB erhält Can, mit 26 Jahren im besten Fußballer-Alter, zu einem vernünftigen Preis.

Can in der Fünferkette?

In Dortmund gibt es gleich mehrere Positionen, die Can besetzen könnte. Die besten Einsatzchancen ergeben sich in der Abwehr. Seit Lucien Favre von Vierer- auf Dreierkette umgestellt hat, sucht er händeringend nach Verteidigern. So schulte er bereits Außenverteidiger Lukas Piszczek und Sechser Julian Weigl (im Winter zu Benfica gewechselt) zu Innenverteidigern um. Ideal waren diese Lösungen nicht, Favre vertraut den jungen Ersatzmännern Dan-Axel Zagadou, 20, und Leonardo Balerdi, 21, trotzdem nicht.

Can verschafft dem BVB-Coach neue Optionen: Er kann sowohl als halblinker als auch als halbrechter Innenverteidiger eingesetzt werden. In puncto Robustheit und Geschwindigkeit wäre er vor allem auf der halbrechten Seite eine Verbesserung. Piszczek könnte auf seine angestammte Rechtsverteidiger-Position zurückkehren. Dadurch könnte Dauerläufer Hakimi auch mal eine Pause erhalten. Aber auch Can könnte auf der Rechtsverteidiger-Position auflaufen.

Oder doch im Mittelfeld?

Cans Stammposition liegt indes im zentralen Mittelfeld. Hier kann er seine Stärken am besten ausspielen: Can ist ein Balljäger. Er schießt im Pressing nach vorne, stellt sich dem Zweikampf, nimmt dem Gegner den Ball ab. Dabei stürmt er nicht blind nach vorne, sondern fügt sich in das Pressingsystem seiner Mannschaft ein. Das bewies er bereits in Liverpool unter Trainer Jürgen Klopp.

Auch in Dortmund dürfte Can im zentralen Mittelfeld Einsatzchancen erhalten. Zuletzt bevorzugte Favre hier zwar eine Doppelsechs aus Axel Witsel und Julian Brandt. Gerade Brandts Kreativität half der Mannschaft. Dortmund gelingt es mit dieser Doppelsechs besser, die eigene Abwehr mit dem Angriff zu verbinden. Das funktioniert vor allem gegen schwächere Gegner wie Augsburg (5:3) und Köln (5:1).

Brandts Faible für riskante Pässe und gefährliche Dribblings dürfte Favre gegen starke Gegner als zu riskant einstufen. Beim 3:3 gegen RB Leipzig etwa leitete Brandt mit einem Fehlpass ein Gegentor ein. Auch gegen den Ball überzeugt das Duo Witsel-Brandt nicht immer, zu oft agiert Brandt vor und nicht neben Witsel.

Eine Doppelsechs aus Witsel und Can böte mehr defensive Robustheit und weniger Risiko. Gerade gegen stärkere Gegner könnte Favre auf diese Variante zurückgreifen. So etwa Anfang März, wenn der BVB binnen einer Woche nach Mönchengladbach und Paris (Champions-League-Achtelfinale) reisen wird, ehe das Derby gegen Schalke ansteht.

Witsel und Can würden das vielleicht körperlich stärkste Mittelfeld-Duo der Bundesliga bilden. Dank Cans starkem Antritt müsste der BVB in dieser Zone dennoch kein Geschwindigkeitsdefizit befürchten. Verlierer wäre Thomas Delaney. Der verletzte Dauerläufer wird sich wohl hinter Can und Brandt ins zweite Glied einsortieren müssen.

Droht ein Luxusproblem?

Can wird definitiv Einsatzzeiten erhalten, sei es in der Dreierkette oder auf der Doppelsechs. Dank seiner Flexibilität ist er der ideale Spieler, um den Kader aufzufüllen. Daraus ergibt sich aber auch ein Problem: Cans Stellenwert (und sein kolportiertes Gehalt) prädestinieren ihn dafür, unumstrittener Stammspieler in der Mannschaft zu sein.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ob er dieses Ziel kurzfristig erreicht, ist fraglich. Favre ist ein konservativer Trainer, der Neulinge langsam an die Stammelf heranführt. Es ist also unwahrscheinlich, dass Can bereits gegen Union Berlin sein Startelf-Debüt feiert. Nach den zuletzt offensiv so starken Auftritten besteht für Favre keine Notwendigkeit, seine Startelf zu verändern. Doch Cans Zeit wird kommen. Ein Spieler, der nahezu auf jeder Position spielen kann, findet seinen Platz.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.