Neonazis in der Regionalliga Wie Energie Cottbus von Rechten unterwandert wird

Sie drohen und üben Gewalt aus: Ein rechtsradikales Netzwerk soll sich in der Fanszene von Energie Cottbus etabliert haben. Das geht aus Medienberichten hervor. Wie konnte die Lage so eskalieren?

Fans von Energie Cottbus (Archivbild)
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Fans von Energie Cottbus (Archivbild)


Mehrere Zuschauer zeigten den Hitlergruß, andere riefen nationalsozialistische Parolen: Für Energie Cottbus waren Vorfälle im eigenen Fanblock beim Auswärtsspiel beim SV Babelsberg Ende April ein Tiefpunkt. Der Fußball-Regionalligist hat bereits seit mehreren Jahren Probleme mit rechten Gruppierungen unter seinen Anhängern. Doch scheint alles zuletzt noch schlimmer geworden zu sein.

Einige Gruppen seien gewaltbereit und sollen anderen Energie-Anhängern gedroht haben. Das geht aus einer gemeinsamen Recherche von RBB und den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (PNN) hervor. Von "rechten Mafiastrukturen" ist die Rede. Im Zentrum stehen offenbar die beiden Gruppen "Inferno Cottbus" und ihre Unterorganisation "Unbequeme Jugend". Wie konnte die Lage so eskalieren?

Der SPIEGEL erfuhr aus unterschiedlichen Kreisen, dass die frühere Klubführung die Gruppen zu lange gewähren ließ. Zwar gibt es seit 2013 ein Stadionverbot für "Inferno Cottbus", doch der Verein habe inzwischen Schwierigkeiten, die Sanktionen umzusetzen. Die Gruppen tauchen weiter im Stadion auf und haben sich etablieren können. "Inferno Cottbus" wurde 1999 gegründet.

Einige Mitglieder seien - etwa durch Beruf oder Engagement in der Stadt - gesellschaftlich anerkannt. Offensichtlich nutzen die rechten Netzwerke nun ihren Einfluss, um die Fanszene auf ihre Linie zu bringen. Energie Cottbus gab auf Anfrage keine Stellungnahme ab.

Kaum einer spricht öffentlich über die Probleme - aus Angst

Auch der Status der "kleinen Großstadt" - Cottbus hat 100.000 Einwohner - mache die Lage aktuell gefährlich, schreiben die PNN, die einen Energie-Fan zitieren. "Cottbus ist überschaubar, eine Bedrohungslage in der Stadt ist deutlich zu spüren", wird der Anhänger zitiert, der seit 15 Jahren aktiv in der Fanszene dabei ist. Aus Angst vor "Inferno Cottbus" möchte er seinen Namen nicht nennen.

Über Bedrohungen öffentlich sprechen möchte kaum jemand. Das erschwert die Arbeit für die Sicherheitsbehörden. "Es ist kompliziert. Es wird viel mit Angst gearbeitet", sagt Ines Filohn, Pressesprecherin der Polizeidirektion Süd in Brandenburg, dem SPIEGEL.

Dass die Mitglieder der Gruppen gewaltbereit sind, zeigten die schweren Ausschreitungen in Babelsberg. Gegen mehrere Personen läuft ein Strafverfahren wegen Landfriedensbruch. Das hat die Polizei dem SPIEGEL bestätigt. "Inferno Cottbus" und "Unbequeme Jugend" sollen bis zu 150 Mitglieder haben, darunter Neonazis, Kampfsportler, Rocker und Hooligans.

Nach den Vorfällen in Babelsberg wurde Cottbus-Geschäftsführer Normen Kothe, seit 2010 im Amt, von der "Lausitzer Rundschau" mit den Worten zitiert: "Diese Personen wollen kein Fußballspiel sehen und kennen anscheinend keine rechtsstaatlichen Grenzen mehr."

jan



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