EM-Qualifikation Englands Spiel in Bulgarien wegen rassistischer Anfeindungen zweimal unterbrochen

Die englische Fußballnationalmannschaft steht kurz vor der Qualifikation für die Europameisterschaft. Der klare Sieg in Bulgarien geriet wegen rassistischer Rufe von den Tribünen jedoch in den Hintergrund.

Englands Spieler während einer Spielunterbrechung: Ermahnungen per Lautsprecher
Anton Uzunov/REUTERS

Englands Spieler während einer Spielunterbrechung: Ermahnungen per Lautsprecher


Die englische Fußballnationalmannschaft steht kurz vor der Qualifikation für die Europameisterschaft 2020. Durch einen 6:0 (4:0)-Sieg gegen Bulgarien reicht den Engländern in den verbleibenden beiden Partien gegen Montenegro und den Kosovo ein Punkt, um nicht mehr von den ersten beiden Plätzen in ihrer Qualifikationsgruppe verdrängt werden zu können.

Das Spiel in der bulgarischen Hauptstadt Sofia wurde jedoch von rassistischen Anfeindungen gegen englische Nationalspieler überschattet. Schiedsrichter Ivan Bebek unterbrach die Partie in der ersten Hälfte zweimal, nachdem sich englische Offizielle beim Vierten Offiziellen offenbar über rassistische Rufe von bulgarischen Zuschauern beschwert hatten.

Nach knapp einer halben Stunde stoppte Bebek das Spiel erstmals. Erst nach einer Lautsprecherdurchsage, in der gedroht wurde, das Spiel abzubrechen, sollten die rassistischen Anfeindungen nicht aufhören, ließ der Schiedsrichter weiterspielen. Kurz vor der Halbzeit wurde die Partie ein weiteres Mal unterbrochen. Diesmal hatte offenbar Englands Nationaltrainer Gareth Southgate das Schiedsrichtergespann über rassistische Äußerungen der Zuschauer in Kenntnis gesetzt.

Gruppe von Zuschauern verlässt das Stadion

Der Schiedsrichter diskutierte am Spielfeldrand mit Offiziellen. Im Fernsehen war daraufhin zu sehen, wie eine schwarz gekleidete Gruppe von Zuschauern die Tribüne verließ. Ob die Zuschauer freiwillig gingen oder dazu aufgefordert worden waren, ist unklar. Auf Fotos ist zu sehen, wie einer der Zuschauer ein Shirt hochhält, auf dem in Anlehnung an die "Respect"-Kampagne der Uefa "No Respect" steht. Auch gibt es Fotos, auf denen offenbar bulgarische Zuschauer den Hitlergruß zeigen.

Zum Zeitpunkt der zweiten Spielunterbrechung stand es bereits 3:0 für England. Marcus Rashford hatte die Three Lions in Führung gebracht (7. Minute), Ross Barkley traf doppelt (20., 32.). Kurz nachdem die Partie nach der zweiten Unterbrechung wieder freigegeben wurde, traf Raheem Sterling zum 4:0 und 5:0 (40.+4, 69.). Harry Kane traf zum Endstand (85.).

Raheem Sterling bejubelt einen seiner Treffer
Vadim Ghirda/AP

Raheem Sterling bejubelt einen seiner Treffer

Uefa verfasst Rassismus-Protokoll

Bereits vor der Partie hatte das englische Team rassistische Anfeindungen befürchtet. Englands Stürmer Tammy Abraham hatte angekündigt, im Falle rassistischer Beleidigungen werde die Mannschaft geschlossen den Platz verlassen. "Es betrifft nicht nur eine Person, es betrifft das ganze Team", sagte er. "Wenn wir entscheiden, dass wir aus diesen Gründen nicht auf dem Platz bleiben wollen, dann gehen wir als Team in die Kabine."

Die Uefa hat für den Fall rassistischer Anfeindungen ein Drei-Stufen-Protokoll verfasst:

  • Wird der Schiedsrichter ein erstes Mal darauf aufmerksam gemacht, dass Spieler rassistisch beleidigt werden, unterbricht er die Partie und veranlasst eine Lautsprecherdurchsage.
  • Stoppen die rassistischen Anfeindungen daraufhin nicht, wird das Spiel für einen Zeitraum von fünf bis zehn Minuten unterbrochen. Nach einer zweiten Durchsage wird das Spiel fortgesetzt.
  • Erst wenn der Schiedsrichter ein drittes Mal auf ein solches Fehlverhalten der Zuschauer aufmerksam gemacht wird, wird der Schiedsrichter dazu angehalten, das Spiel abzubrechen.

Bereits in den Spielen gegen den Kosovo und Tschechien waren die bulgarischen Zuschauer durch rassistische Anfeindungen aufgefallen. Deswegen blieben gegen England Teile der Tribüne geschlossen.

hba



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.