England Keegans Ärger mit "Spritzen-Shearer"

Weil Stürmerstar Alan Shearer eine Cortison-Injektion bekam, wird Kevin Keegan in englischen Medien heftig kritisiert. Denn eigentlich wollte der Teammanager keinen Spieler fitspritzen lassen


Alan Shearer: "On" gegen Portugal
REUTERS

Alan Shearer: "On" gegen Portugal

Brüssel - Das linke Knie von Alan Shearer hat ist der englischen Fußball-Öffentlichkeit ein Dorn im Auge. Mit Entrüstung reagierten Fans und Medien auf die Enthüllung des englischen Fußballverbandes (FA), dass dem Kapitän der Nationalmannschaft zur Behandlung seiner Verletzung ein Cortison-Mittel injiziert wurde. Teammanger Kevin Keegen, der im Auftaktspiel der Europameisterschaft gegen Portugal am Montag in Eindhoven auf den 29-jährigen Stürmerstar zurückgreifen konnte, geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Vor wenigen Wochen hatte es der Nationaltrainer strikt abgelehnt, seine Spieler bei der EM spritzen zu lassen.

"Spitzen-Shearer", schrieb das Massenblatt "News of the World" am Montag auf seiner Internetseite und warf Keegan vor, die Gesundheit Shearers aufs Spiel zu setzen. In der Umfrage eines privaten Fernsehsenders äußerten sich über 70 Prozent der Befragten negativ über die Behandlung. Shearer selbst verteidigte den medizinischen Eingriff. "Die Injektion war notwendig und erfolgreich. Ich fühle mich hundertprozentig fit, das Knie ist okay", sagte der Sturmführer der englischen Mannschaft.

Die FA rechtfertigte die "Spritzen-Kur" für Shearer, die bereits am vergangenen Donnerstag in England vorgenommen wurde, bevor die Mannschaft nach Belgien reiste und im belgischen Ardennen-Kurort Spa ihr Trainingscamp aufschlug. "Die Behandlung wurde nach Absprache mit Shearers Club Newcastle United und nach Konsultation unabhängiger Mediziner vorgenommen", teilte Verbandssprecher Steve Double mit. Ein zuvor durchgeführte Röntgendiagnose hatte ergeben, dass sich im Knie des 60-fachen Nationalspielers Flüssigkeit angesammelt hatte. Eine derartige Behandlung sei Standard, so Double, "und den Rat der Ärzte zu ignorieren, wäre töricht gewesen. Im Übrigen handelte es sich nicht um eine schmerstillende Spritze".

Keegan hatte sich vor drei Wochen ganz entschieden gegen jegliche Art von Injektionen ausgesprochen. "Das Risiko, einen verletzten Spieler mit einer Spritze einsatzfähig zu machen, würde ich niemals eingehen", so damals der frühere Stürmerstar des Hamburger SV, "eine Ausnahme wäre vielleicht, wenn wir ins Finale kämen. Dann würde ich es zulassen, weil die Spieler nach dem Turnier drei bis vier Wochen Zeit zur Erholung haben."

Der seit einigen Wochen heftig umstrittene Shearer, der in den vergangenen sechs Länderspielen kein Tor mehr erzielte, leidet bereits seit rund sechs Wochen an einer Sehnenentzündung im linken Knie, die beim letzten EM-Test gegen Malta (2:1) am vorigen Samstag wieder aufbrach. Danach konnte der Spielführer, der bei der EM 1996 mit sechs Treffern Torschützenkönig wurde und anschließend für 40 Millionen Mark von den Blackburn Rovers zu Newcastle United wechselte, fünf Tage nicht trainieren. Die englischen Mannschaftsärzte gaben erst am Samstag "grünes Licht", nachdem Shearer den entscheidenden Fitnesstest im Trainingszentrum "La Fraineuse" bei Spa bestand.



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