Englische Fußballfans buhen während »Black Lives Matter«-Geste »Eine absolute Schande«

Im englischen Spitzenfußball gehört das Knien inzwischen zum Spiel – als Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung. Dass das eine gute Geste sei, darüber schien in England Konsens zu herrschen. Bis jetzt.
Spieler der Zweitligisten Millwall und Derby knien zu Spielbeginn

Spieler der Zweitligisten Millwall und Derby knien zu Spielbeginn

Foto:

Jacques Feeney / Getty Images

Die Rückkehr von Zuschauern sollte dem englischen Fußball ein bisschen was von seiner Magie wieder verleihen. Doch sie hat auch zu einem rassistischen Vorfall geführt, der nun hohe Wellen schlägt.

Beim Championship-Spiel zwischen Millwall und Derby County buhten am Samstag Heimfans die Fußballer aus, als diese niederknieten, als Geste gegen Rassismus, Polizeigewalt und Diskriminierung.

Auf Videoaufnahmen vom Zweitligaspiel ist das Buhen deutlich zu vernehmen, die Lautstärke lässt zudem keinen anderen Schluss zu als den, dass etliche der anwesenden 2000 Zuschauer mitmachten.

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Die Aktion hat ein lautes Echo hervorgerufen. Nicht nur englische Medien schrieben über den Vorfall, auch CNN berichtete . Klubverantwortliche verurteilten das Verhalten. Und manche Spieler fanden noch deutlichere Worte.

Der Schwarze Derby-Stürmer Colin Kazim-Richards twitterte, die Störung des Protests sei »eine absolute Schande«. Kazim-Richards selbst hatte für ein symbolisches Bild gesorgt, als er während der Geste stehen blieb und die Faust in die Höhe reckte, während um ihn herum die Buhrufe klangen. »Ich stehe und ich stehe stolz«, sagte der 34-Jährige hinterher.

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Sein Trainer Wayne Rooney, der Rekordschütze der englischen Nationalmannschaft, sagte, er sei von den Rufen sehr überrascht gewesen. »Es ist schade, eigentlich hat es große Fortschritte in dieser Kampagne gegeben. Das zu hören, ist für viele Menschen sehr enttäuschend und verärgernd«.

Das Knien unmittelbar nach dem Anpfiff des Schiedsrichters begann im englischen Profifußball im vergangenen Juli. Damit soll Unterstützung für den Kampf gegen strukturellen Rassismus und Diskriminierung zum Ausdruck gebracht werden; Auslöser war der Tod des Amerikaners George Floyd. Er starb im Mai, nachdem ein Polizist ihm das Knie über Minuten hinweg in den Nacken gepresst hatte. In der Premier League wird seither konsequent gekniet. Eigentlich schien darüber Konsens zu herrschen, dass die Geste ihre Berechtigung hat. Offenbar ist der Eindruck aber falsch.

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Nicht nur wegen der kollektiven Buhrufe beim Millwall-Spiel muss das bezweifelt werden, sondern auch wegen mancher Reaktion darauf. So wollte der britische Umweltminister George Eustice den Vorfall nicht verurteilen, im Gegenteil: Als er während einer Sky-News-Sendung dazu befragt wurde, nannte er »Black Lives Matter« eine »politische Bewegung«, der es nicht um Gleichberechtigung gehe.

»Wenn Menschen sich auf eine bestimmte Weise äußern wollen, sollten wir das respektieren«, sagte er in Bezug auf die Buhrufe.

Eustice folgt damit einer aus den USA bekannten Argumentationsweise, der sich vor allem die Rechte bedient. Auf »Black Lives Matter« reagiert sie mit »All Lives Matter«. Ein Satz, der eigentlich richtig ist – wenn er jedoch als Reaktion auf »BLM« erfolgt, das eigentliche Anliegen unterminiert: Der »BLM«-Bewegung geht es nicht darum, die Rechte von Weißen Menschen einzuschränken, sondern Gleichberechtigung für Schwarze zu erreichen.

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Der FC Millwall teilte nun mit , man sei »bestürzt und traurig« gewesen. Der Klub versprach, unter anderem mit der »Kick It Out«-Initiative, die gegen Diskriminierung in englischen Stadien vorgeht, zusammenarbeiten zu wollen, um »möglichst schnelle Lösungen« zu finden. »Der Klub hat in den vergangenen Monaten unermüdlich daran gearbeitet, die Rückkehr der Fans vorzubereiten. Was ein positives und aufregendes Ereignis hätte sein sollen, wurde völlig überschattet, sehr zur immensen Enttäuschung und Verärgerung derjenigen, die zu diesen Bemühungen beigetragen haben«, hieß es weiter im Statement: »Der Klub wird nicht zulassen, dass die gute Arbeit umsonst war.«

Es war das erste Fußballwochenende seit Monaten, an dem in England Zuschauer (wenn auch in geringer Anzahl) zugelassen waren. 2000 Fans waren in Millwall im Stadion, letztmals waren im The Den Ende Februar Zuschauer erlaubt. Die Partie gegen Derby verlor Millwall übrigens 0:1. Die Fans des Ostlondoner Klubs Millwall haben ohnehin keinen guten Ruf. Insbesondere in den Siebziger- und Achtzigerjahren war die Szene geprägt von Hooligan-Gewalt.

Der englische Verband FA veröffentlichte am Abend ein Statement, in dem es zwar nicht explizit um den Vorfall in Millwall ging. Darin aber stand, der Verband würde »Spieler und Klubmitarbeiter unterstützen, die auf respektvolle Weise gegen Diskriminierung protestieren wollen, dazu zählt das Knien«. Die FA verurteile es aufs Schärfste, wenn Zuschauer solche Proteste störten, hieß es weiter.

Es gab aber auch andere Reaktionen nach dem Vorfall. Als am Abend Chelsea Leeds United empfing, gingen die Spieler nach dem Anpfiff wie gewohnt auf die Knie.

Die Zuschauer im Stadion begleiteten die Geste mit Applaus.

mon/AP/Reuters