England gegen Russland Es hätte alles so schön sein können

England spielte gegen Russland so schön - und doch wenig erfolgreich. Noel Gallagher schrieb eine Brandrede, Igor Akinfejew war Krake und Depp. Dann kamen die Idioten. Alles Wichtige zum Spiel.

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Ausgangslage: England gefeiert als spektakuläre und offensiv hochbegabte Talentetruppe mit Abi-2016-Altersschnitt, Russland fast schon traditionell belächelt als Wundertüte - wer wollte, konnte vor dem Duell in Marseille eine deutliche Favoritenrolle für das Team um Wayne Rooney rauslesen. Wer nicht wollte, guckte in die Statistik: Noch nie hatte England ein EM-Eröffnungsspiel gewonnen.

Startaufstellungen

England: Hart - Walker, Cahill, Smalling, Rose - Alli, Dier, Rooney - Lallana, Sterling - Kane. - Trainer: Hodgson

Russland: Akinfejew - Smolnikow, Ignaschewitsch, Beresuzki, Schtschennikow - Neustädter, Golowin - Smolow, Schatow, Kokorin - Dzyuba. - Trainer: Slutzki

Ergebnis: 1:1 (0:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Halbzeit: Nach zwei Minuten: Englische Fans singen "God save the Queen" so inbrünstig und laut, dass es sich anhört, als sänge ganz Marseille mit. Nach drei Minuten: der erste englische Torschuss (Dele Alli). Nach fünf Minuten: ein Slapstick-Abstoß von Englands Torwart Joe Hart. Nach sechs Minuten: die erste Riesenchance für England (Adam Lallana frei vor Igor Akinfejew). Dieses Spiel versprach nach 360 Sekunden so viel, wie es über 90 Minuten unmöglich halten konnte. Die englische Partie sah wirklich gut aus, entpuppte sich bei näherem Hinsehen aber als nicht so toll. Ausgerechnet das Russische kennt das passende Bild dafür: "Potemkinsches Dorf".

Allerdings: Die russischen Angriffsbemühungen sahen nicht nur nicht gut aus. Es gab sie nicht mal.

Zweite Halbzeit: Gleich zu Beginn fast die russische Führung nach einer Aktion über die rechte Seite. Eric Dier prüfte dann Joe Hart - Beinahe-Eigentor. Fjodor Smolow schoss schließlich knapp rechts am Tor vorbei. Sechzig Minuten waren gespielt und die Russen wirkten wie nach einem tiefen Zug aus der Sauerstoffflasche. Bis Dier kam. Dessen Freistoß aus 18 Metern sorgte für Englands Führung. Dass es nicht die Entscheidung war, lag an der englischen Nachlässigkeit und Wassilij Beresuzki, der in der Nachspielzeit das 1:1 köpfte.

Parade des Spiels, ach was, des Turniers: Igor Akinfejew. In der 71. Minute schoss Rooney von der Strafraumgrenze ziemlich platziert in Richtung des linken Torecks, aber Akinfejew streckte seinen Arm aus und lenkte den Ball noch an die Latte.

Igor Akinfejews Super-Parade
DPA

Igor Akinfejews Super-Parade

Bock des Spiels: Leistete sich auch Akinfejew, direkt im Anschluss an seine Super-Parade. Bei Diers Freistoß musste der russische Torwart einfach in seiner Ecke bleiben, wackelte aber stattdessen in die andere.

Frage des Spiels: Wo bleibt Vardy? Der englische Stürmerstar blieb auch dann auf der Bank, als auf dem Platz endlich Räume für sein Konterspiel da waren.

Gastbeitrag: Kam vor dem Spiel von Noel Gallagher. Der Oasis-Gründer diktierte dem "Tagesspiegel" eine regelrechte Brandrede in den Block, in dem der Musiker zum Beispiel den englischen Trainer Roy Hodgson attackierte: "Ich garantiere euch, er wird wieder den lausigen Rooney aufstellen und damit fängt der Dreck doch schon an." Rooney spielte dabei gar nicht mal schlecht und wurde vor dem Ausgleich ausgewechselt. Der Dreck ging trotzdem los. Leider auch auf den Rängen.

Blocksturm: Kurz vor Abpfiff kam es zu hässlichen Szenen, als offenbar russische Fans den englischen Block stürmten und die Ordner regelrecht überrannten. Marseille, Russen, Engländer - das sind nach wenigen Tagen EM schon Synonyme für Gewaltexzesse und Polizeiversagen.

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Stadion in Marseille: Ärger nach dem Abpfiff

Erkenntnisse des Spiels: Selbst das hoffnungsgrüne Outfit der Queen bei ihren Geburtstagsfeierlichkeiten zum 90. half nichts: England kann keine EM-Eröffnungsspiele gewinnen. England kann schön spielen, muss bei diesem Turnier aber unbedingt an der Chancenverwertung arbeiten. Aber vielleicht könnten sich die idiotischen Schläger beider Nationen in Marseille an diesem Spiel ein Beispiel nehmen: Engländer und Russen können sich auch schiedlich-friedlich trennen.



insgesamt 53 Beiträge
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Tharsonius 11.06.2016
1. Randalierende
Fans sofort ins den Flieger und ab nach hause....
"Armenhaus" 11.06.2016
2. Vor dem Spiel ist ...
€uropa reflektiert seinen augenblicklichen Zustand.- Hier ( EM France 2016) geht noch einiges - zurüch zum Tagesgeschehen :) ..-
karend 11.06.2016
3. .
"Russische Fans stürmen englischen Block" Fans? Solche brutalen Typen sind keine Fußballfans. Vielleicht sollte das nächste Russlandspiel ohne Zuschauer abgehalten werden.
dr.simona.reiter 12.06.2016
4.
Die Russen spielen sehr stark. Ich schätze, die werden ins Finale kommen
didiastranger 12.06.2016
5. Natürlich sind
dieRussen schuld. Wer wie ich die ENGs kennt, weiß dass sie die Meister der Provokation sind. Lebe bei denen. Als Deutscher bekommt man das zu spüren. Ich ignoriere das, aber es gibt eben Leute die springen darauf an.Darauf warten ENGs nur. Aber die sind ja immer die Guten. Russia Bashing , nur noch ekelhaft.
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