Rassismus im EM-Qualifikationsspiel England gegen Bulgarien "Einer der schrecklichsten Abende, die ich im Fußball gesehen habe"

Der englische Fußballverband FA fordert nach rassistischen Vorfällen beim EM-Qualifikationsspiel gegen Bulgarien Konsequenzen. Nationaltrainer Gareth Southgate erklärt, warum sein Team weitergespielt hat.

Bulgarische Fans beim Spiel gegen England
Nick Potts / DPA

Bulgarische Fans beim Spiel gegen England


Das Spiel soll ein Nachspiel haben. Der englische Fußball-Verband FA hat nach den rassistischen Vorfällen bei der EM-Qualifikationspartie gegen Bulgarien in Sofia Untersuchungen durch die Uefa gefordert. "Wie wir bedauerlicherweise wissen, ist es nicht das erste Mal, dass unsere Spieler von dieser Art Missbrauch betroffen sind", hieß es in einer Mitteilung der FA. Greg Clarke, FA-Vorsitzender, nannte das Geschehen beim englischen Auswärtsspiel "einer der schrecklichsten Abende , die ich je im Fußball gesehen habe."

Die Partie war in der ersten Halbzeit zweimal wegen rassistischer Äußerungen von bulgarischen Fans unterbrochen worden. Schiedsrichter Ivan Bebek hatte über den Stadionsprecher vor dem Abbruch der Partie gewarnt und sich mit Englands Nationaltrainer Gareth Southgate besprochen. Clarke berichtete später, dass sich das englische Team dafür entschieden habe weiterzuspielen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen:

Englands Nationaltrainer Gareth Southgate (2.v.l.) umarmt Raheem Sterling: "Ich bin unglaublich stolz auf alle Spieler."
Carl Recine / REUTERS

Englands Nationaltrainer Gareth Southgate (2.v.l.) umarmt Raheem Sterling: "Ich bin unglaublich stolz auf alle Spieler."

"Die Spieler kamen zusammen und haben gesagt: Nein, wir wollen spielen, wir wollen gewinnen. Und wir wollen nicht, dass die Rassisten gewinnen", sagte Clarke.

Chelsea-Angreifer Tammy Abraham hatte vor der Begegnung angekündigt, dass das Team den Rasen bei rassistischen Vorfällen verlassen werde. Das taten sie nun aber nicht. Das Spiel endete 6:0 (4:0). Marcus Rashford (7.), Ross Barkley (20., 32.), Sterling (45., 69.) und Harry Kane (85.) schossen die Tore. Englands Kapitän Kane sagte zur Entscheidung weiterzuspielen: "Wir wollten die Antwort auf dem Platz geben."

Nationaltrainer Gareth Southgate erklärte: "Wir könnten dafür kritisiert werden, dass wir nicht weit genug gegangen sind, aber ich glaube, wir haben ein wichtiges Statement abgegeben." Und Southgate lobte sein Team: "Mit der Art, wie wir unter solch schwierigen Umständen gespielt haben, haben wir ein großes Zeichen gesetzt. Ich glaube nicht, dass ein Spiel dieser Größenordnung jemals zweimal unterbrochen wurde. Ich bin unglaublich stolz auf alle Spieler und Mitarbeiter."

Sterling widerspricht Bulgariens Nationaltrainer Balakow

In einem Video, das bei Twitter veröffentlicht wurde, sieht man, wie Southgate während des Spiels den Vierten Offiziellen auf die Affenlaute von den Tribünen gegen seinen Spieler Tyrone Mings hinweist. Und man erkennt Fans, die den Hitlergruß zeigen.

Der englische "Guardian" schrieb von einer "50 Mann starken, schwarz gekleideten Gruppe", die für einen Großteil der rassistischen Rufe verantwortlich gewesen sein soll. "Die geistlose Minderheit hat Schande über Bulgarien gebracht", heißt es in dem Artikel.

Nationalspieler Raheem Sterling, unter den englischen Profis ein Vorkämpfer gegen Rassismus, schrieb nach dem Spiel bei Twitter:

Einen Artikel der englischen BBC, in dem der frühere Bundesligaprofi und heutige bulgarische Nationaltrainer Krassimir Balakow behauptet, dass England ein größeres Rassismusproblem habe als sein Heimatland, kommentierte Sterling so:

Während der Halbzeitpause soll Bulgariens Kapitän Ivelin Popov mit bulgarischen Fans diskutiert haben. Womöglich, um die rassistischen Äußerungen zu stoppen. Englands Angreifer Rashford sagte dazu später: "Mir wurde davon erzählt. Da allein zu stehen und das Richtige zu tun, braucht Courage und sollte hier nicht unerwähnt bleiben."

Schon beim EM-Qualifikationsspiel in Montenegro Ende März waren englische Spieler rassistisch beleidigt worden. Damals hatte es unter anderem Affenlaute gegen Linksverteidiger Danny Rose gegeben. Die Uefa hatte danach ein Verfahren gegen den montenegrinischen Verband eingeleitet.

Am 26. April wurden eine Zuschauersperre sowie eine Geldstrafe von 20.000 Euro verhängt, worauf Montenegro Einspruch einlegte. Dieser wurde abgelehnt. Montenegro musste das Heimspiel gegen den Kosovo im Mai ohne Zuschauer bestreiten. Auch Sterling hatte damals Punktabzüge und Geisterspiele als Strafe gefordert.

Bereits in den Spielen gegen den Kosovo und Tschechien waren die bulgarischen Zuschauer durch rassistischen Anfeindungen aufgefallen. Deswegen blieben gegen England Teile der Tribüne geschlossen.

mey



insgesamt 49 Beiträge
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HamWirGelacht 15.10.2019
1. Super-Antwort auf dem Platz !!!
Kann es eine bessere Antwort auf diese Schwachmaten geben als ein 6:0 Kantersieg.
Immanuel K. 15.10.2019
2. Welches Land...
...ein größeres Rassismusproblem hat, lassen wir mal dahin gestellt... Wer ernsthaft gegen Rassismus ist, kehrt vor der eigenen Haustür - auf andere zu zeigen, bedeutet, den eigenen Rassismus zu relativieren und damit zu unterstützen...
gnarze 15.10.2019
3. Sportliche Antwort
6-0 Klatsche als Antwort auf diese Hirnis... Kann man mal so machen, allerdings verwunderlich, dass der Schiedsrichter die Partie nicht nach dem zweiten Vorfall abgebrochen hat,
Herr Knigge 15.10.2019
4.
Die Störenfriede rausziehen, x Tausend Euro pro Vorfall (=Person) für den Verein - fertig. Ist ja nicht so, dass man in einem Stadion Kameras hätte, um so etwas einwandfrei zu identifizieren...
laracrofti 15.10.2019
5. Keine Reden mehr,
sondern klare Kante zeigen! Ein letzte Ermahnung an Bulgarien (die 6:0 Klatsche ist schon eine nette Strafe, gerade weil auch die "Richtigen" gegen diese Rassisten getroffen hatten), beim nächsten Vorfall Ausschluss aus dem Wettbewerb. Die bulgarischen Spieler hätten Größe zeigen (und Schadensbegrenzung machen) können, indem SIE das Spielen eingestellt und in den Katakomben gegangen wären. Ähnlich bei den Türken mit ihrem Faschistengruß: alle Spieler für ein paar Monate sperren, auch für den Club, damit sie Zeit haben über ihr Tun nachzudenken (vielleicht melden sie sich ja auch zum Militärdienst an, statt die dicke Kohle mit Fussballspielen zu scheffeln). Den türkischen Nationalverband die restlichen Heimspiele ohne Publikum spielen lassen.
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