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Labbadia-Trennung Schlechtes Spiel, schlechter Stil

Der Rauswurf von Bruno Labbadia als Trainer des Hamburger SV ist sportlich nachvollziehbar. Doch wie der Verein sich dabei verhalten hat, ist beschämend. So kann auch der Nachfolger nur verlieren.

Der Hamburger SV hat mit der Trennung von Trainer Bruno Labbadia eine Entscheidung getroffen, die aus sportlichen Erwägungen nachvollziehbar ist. Doch die Entscheidungsfindung und der Umgang mit dieser Entscheidung würden selbst einen Bezirksligisten aus der norddeutschen Provinz beschämen.

Trainer Bruno Labbadia hat es nicht geschafft, die Mannschaft des HSV fußballerisch voranzubringen. Der zehnte Platz in der abgelaufenen Spielzeit täuschte über den trostlosen Fußball hinweg, den das Team oft spielte. Vor allem in den Heimspielen wurde das Publikum in schöner Regelmäßigkeit enttäuscht gegen Klubs wie Darmstadt oder Ingolstadt. Es war kein Konzept zu erkennen, keine Idee. Siege wirkten wie Zufallsprodukte.

In der neuen Spielzeit setzte sich dieser Trend fort. Ein Punkt aus fünf Spielen, das ist eine verheerende Bilanz. Da nützte es nichts, dass der HSV bei Labbadias Abschiedsvorstellung gegen den FC Bayern eine Leistungssteigerung zeigte und denkbar knapp verlor. 0:1 durch ein Gegentor zwei Minuten vor Schluss. Dem Trainer ist es nicht gelungen, die Mannschaft besser zu machen. Das Ende der Zusammenarbeit ist die logische Folge dieser Entwicklung. Beziehungsweise: dieser Nichtentwicklung.

Nun sind Beurlaubungen von Trainern ein fester Bestandteil des sogenannten Geschäfts, das der Profi-Fußball ist. Doch man muss schon tief in die Archive der Bundesliga hinabsteigen, um ein Trainer-Aus zu finden, bei der ein Verein ein schlechteres Bild abgegeben hat als die Hamburger jetzt bei Labbadia. Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer hatte ihm längst öffentlich die Unterstützung entzogen, hielt nach der Niederlage in Freiburg unter der Woche nur an ihm fest, weil noch kein Nachfolger unterschrieben hatte, so sah es jedenfalls aus.

Dabei hallten schon aus allen Leitungen die Gerüchte um Julian Nagelsmann und Markus Gisdol, den aktuellen und den ehemaligen Hoffenheimer Trainer. Zum Ausstand wurde Labbadia in ein Finale gegen den FC Bayern geschickt, das er nicht gewinnen konnte. Dass er die Nachricht von seinem Aus am Telefon empfing, angeblich auf eigenen Wunsch, passt zu diesem bizarren Schauspiel. Der HSV war im Umgang mit Labbadia konsequent stillos.

Labbadia rettete den HSV einst vor dem Abstieg

Eine solche Behandlung hat kein Trainer verdient. Und schon gar nicht ein Trainer, der die Hamburger noch im vergangenen Jahr in letzter Sekunde vor dem Abstieg gerettet und ihnen mit dem 2:1 im Relegationsrückspiel in Karlsruhe eine Nacht für die Ewigkeit geschenkt hat.

So ist Vorstandschef Beiersdorfer längst zum Gesicht für die nicht endende Misere des HSV geworden. Als er vor zwei Jahren ins Amt kam, sollte endlich alles besser werden. Der Fußball, die Außendarstellung, es sollte Kontinuität einziehen.

Beiersdorfers Bilanz ist dramatisch. Er hat zwei Sportchefs und nun schon den dritten Trainer verschlissen, hat den Verein in die Abhängigkeit von Geldgeber Klaus-Michael Kühne manövriert und lässt sich von ihm die Erwartungshaltung diktieren. Es gab keinen Einspruch von Beiersdorfer, keine Relativierung, keinen Beistand für Labbadia, als Kühne den Trainer neulich öffentlich anzählte und Platz sechs bis acht als Ziel für diese Saison ausgab. Platz sechs bis acht, das ist im Moment utopisch.

Neuer Trainer in Hamburg wird wohl Gisdol. Bei diesen Rahmenbedingungen kann er nur scheitern.

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