Entscheidung des Weltverbands Fifa verweigert sich dem Hightech-Fußball

Kein Chip im Ball, keine Torkameras: Der Weltverband Fifa hat neuen Technologien zur Unterstützung der Schiedsrichter auf dem Fußballplatz endgültig eine Absage erteilt. Fehler der Schiedsrichter gehörten zum Spiel - lediglich einen Torrichter könnte es in Zukunft geben.
Fifa-Generalsekretär Valcke: "Den Fußball so erhalten, wie er ist"

Fifa-Generalsekretär Valcke: "Den Fußball so erhalten, wie er ist"

Foto: CHRISTIAN HARTMANN/ REUTERS

Hamburg - Der Weltverband Fifa entschied nach einer Sitzung mit dem für Regelfragen zuständigen International Football Association Board (IFAB), "der Technik die Tür endgültig zu verschließen", sagte Fifa-Generalsekretär Jérome Valcke. "Die Frage war, sollen wir Technik im Fußball zulassen, und die Antwort war ganz klar: Nein!", sagte Valcke auf einer Pressekonferenz in Zürich. Am dortigen Fifa-Sitz hatte sich das IFAB am Samstag zu seiner 124. Jahresversammlung getroffen.

Zwei Firmen hatten den Verantwortlichen der Fifa sowie der Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland - die zusammen mit dem Weltverband das IFAB bilden - die neuesten Entwicklungen vorgestellt. Dies war einmal ein Chip, der signalisiert, wenn der Ball die Torlinie überquert. Die zweite Möglichkeit war eine Torkamera - das sogenannte "Hawkeye" - die Aufschluss über Tor oder Nicht-Tor geben soll. Beide Lösungen konnten die Regelhüter nicht überzeugen - mit einer "klaren Mehrheit", aber nicht einstimmig, entschied sich das IFAB gegen beide Varianten.

"Wir sind alle der Meinung, dass die Technologie aus dem Spiel herausgehalten werden muss", sagte Valcke. "Das Einzigartige sind die Menschen." Wegen etlicher Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auf höchstem Niveau - etwa das irreguläre aber anerkannte Tor Frankreichs in der WM-Qualifikation gegen Irland - war der Ruf nach technischen Hilfsmitteln laut geworden. "Fehler wird es immer geben", sagte Valcke, "aber lasst uns den Fußball so erhalten, wie er ist." Jonathan Ford vom Waliser Verband ergänzte: "Strittige Entscheidungen sind doch gerade das Schöne an diesem Sport."

Möglicherweise neue Torrichter nach WM 2010

Das IFAB sah nach Angaben der Beteiligten die Gefahr eines negativen Technologie-Trends. "Ein Teilnehmer sagte, wenn es mit der Torlinie losgeht, was kommt dann als nächstes", berichtete Valcke. "Am Ende haben wir nur noch Start-und-Stop-Situationen", befürchtete Ford.

Vertagt wurde dagegen eine Entscheidung über den Einsatz von Torrichtern. Am 17. Mai soll es dazu ein weiteres Treffen geben. "Dann werden wir auch darüber endgültig entscheiden", kündigte Valcke an. In der Europa League werden in dieser Saison erstmals solche zusätzlichen Referees getestet. Um sich über das Pilotprojekt ein abschließendes Bild zu machen, will das IFAB die restliche Europacup-Saison abwarten. Die Fußball-WM in Südafrika werde diese Entscheidung aber ohnehin nicht betreffen, ergänzte der Fifa-Generalsekretär.

jok/dpa