DFB-Akademie Zu Bruch gegangen

Die Kosten explodieren, der Zeitplan ist aus den Fugen und jetzt auch noch ein Penisbruch: Die Planungen der DFB-Akademie entwickeln sich für den Verband und die Stadt Frankfurt zur Farce.

Vorstellung des Architektenentwurfs zur Akademie im Januar 2015
DPA

Vorstellung des Architektenentwurfs zur Akademie im Januar 2015

Von


Man darf davon ausgehen, dass die Juristen des Deutschen Fußball-Bunds noch nicht so oft mit einem Penisbruch zu tun hatten. Das ist nicht nur eine äußerst schmerzhafte Verletzung, ihre Ursachen haben gewöhnlich auch eher privatrechtliche Auseinandersetzungen zur Folge. Aber da es in dem zähen Rechtsstreit um den Bau der DFB-Akademie in Frankfurt offenbar nichts gibt, was es nicht gibt, spielt auch diese Thematik jetzt eine Rolle. Und sorgt dafür, dass der Zeitplan für das Renommierprojekt des DFB immer weiter außer Kontrolle gerät.

Gegen die Pläne, die Akademie auf dem Gelände der Frankfurter Rennbahn im Stadtteil Niederrad zu bauen, wehrt sich der dortige Rennklub mit allen ihm zur Verfügung stehenden juristischen Mitteln. Ein Bürgerentscheid blieb vor zwei Jahren ohne eindeutiges Ergebnis, eine Räumungsklage der Stadt ist bis heute unwirksam geblieben, zeitweilig liefen in der Angelegenheit neun Verfahren parallel. Mittlerweile ist die Sache vor dem Frankfurter Oberlandesgericht gelandet, das an diesem Freitag eigentlich eine wegweisende Entscheidung fällen sollte, ob der Rennklub tatsächlich das Gelände räumen muss.

Aber dazu kommt es vorerst nicht. Der zweite Vorsitzende des Rennklubs, Carl-Philipp zu Solms-Wildenfels ist verhandlungsunfähig geschrieben. Grund: "Ein Unfall", wie es schamhaft in der Frankfurter Presse hieß, habe es für Solms-Wildenfels notwendig gemacht, sich einer Operation zu unterziehen. Daher sei er derzeit nicht in der Lage, länger als fünf bis zehn Minuten einer Verhandlung sitzend beizuwohnen, seine Anwesenheit ist aus Sicht des Gerichts aber unabdingbar, die Kammer müsse sich daher vertagen. Der 26. Juni ist nun als nächster Termin genannt.

Alle Zutaten einer Gerichtsposse

Die "Bild"-Zeitung war danach rasch mit der Information vorgeprescht, dass es sich bei der besagten Unfallverletzung eben um eine Penisfraktur handeln soll. Solms-Wildenfels hat das der Hessenschau des "Hessischen Rundfunks" mittlerweile bestätigt. Das Vorstandsmitglied verwahrte sich allerdings gegen alle pikanten Spekulationen, wie er sich dies zugezogen habe.

Solms-Wildenfels gilt als zentrale Figur, was den Widerstand des Rennklubs gegen die DFB-Pläne angeht. Der 38-jährige wohlhabende Immobilienkaufmann, Spross eines alten Adelsgeschlechts, legt einen Gutteil seiner Energie in das Vorhaben, dem DFB und der Stadt Frankfurt das Leben in dieser Angelegenheit möglichst schwer zu machen. Genug Geld und Durchhaltevermögen für einen langen juristischen Konflikt ist bei ihm vorhanden.

Dass Solms-Wildenfels zudem seit dem Vorjahr im Magistrat der Stadt als Abgeordneter auf der gemeinsamen Liste von AfD und der "Bürger für Frankfurt" BFF sitzt, erleichtert den Umgang nicht wirklich. Wobei er in der Auseinandersetzung auch mal ganz unideologisch Bertolt Brecht zitiert. "Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht", sagte er im Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

Durchaus listig betont Solms-Wildenfels, dass er und der Rennklub gar nicht grundsätzlich gegen die Akademie seien, stattdessen schlage er eine Kooperation auf dem Gelände vor. Das aber will der DFB partout nicht.

Standort Niederrad wird immer unwahrscheinlicher

Und so gehen die hochfliegenden Pläne, die Akademie in Niederrad zu eröffnen, wohl im wahren Sinne zu Bruch. Das Leistungszentrum war neben der Bewerbung für die EM 2024 das Lieblingskind des früheren DFB-Bosses Wolfgang Niersbach und seines Generalsekretärs Helmut Sandrock. Beide sind im Zug der vom SPIEGEL aufgedeckten WM-Affäre längst aus dem Amt gefegt.

Normalerweise wäre die Planung eines solchen Projekts beim DFB-Sportdirektor angesiedelt. Aber den gibt es seit dem Abgang von Hansi Flick im Januar nicht mehr, und ohnehin galt die Akademie immer als Projekt von Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff. Mit dem Ergebnis, dass die Akademie auch im Verband hin- und hergeschoben wurde.

Im Januar 2016 sollte das Gelände eigentlich durch die Stadt dem DFB übergeben werden, 2019 sollte die Akademie ihren Betrieb aufnehmen. Der Bebauungsplan läuft noch bis Januar 2018, aber auch diese Zeitschiene wird kaum zu halten sein. Egal, wann das Oberlandesgericht urteilen wird - wenn der Rennklub den Prozess verlieren sollte, ist bereits der Gang vor den Bundesgerichtshof fest eingeplant. Und das hieße: Mindestens noch zwei Jahre Verschiebebahnhof.

Der DFB ist lange dabei, sich über alternative Standorte schlau zu machen, auch wenn er offiziell noch am Rennbahn-Gelände festhält. Zwölf Nachbargemeinden haben schon mal Interesse angemeldet. Dass das Leistungszentrum tatsächlich noch in Frankfurt gebaut wird, glaubt fast niemand mehr. Es wäre ein ziemliches Desaster für die Stadt, die jetzt schon immense Prozesskosten aufgehäuft hat.

Überhaupt: Die Kosten. Am Anfang war noch von 40 Millionen Euro die Rede. Irgendwann waren daraus 89 Millionen Euro geworden. Mit allen Verzögerungen ist man mittlerweile bei geschätzten 140 Millionen Euro gelandet. Auf einer nach oben offenen Skala.

Pferde rennen in Niederrad schon seit langem nicht mehr. Die Rennbahn liegt stille da, der Klub hat schon seit 2016 keine Rennkonzession mehr, das Gelände rottet vor sich hin. Stillstand. Überall.

insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
elektrofachkraft 31.05.2017
1.
Bei all dem wertvollen Informationsgehalt dieses Artikels muss ich doch darauf aufmerksam machen, dass eine medizinische Begrifflichkeit falsch ist. Die genannte Fraktur kann keine sein, weil ihr dafür der Knochen fehlt. Man spricht stattdessen von einer Ruptur, also einem Riss der Gewebsstruktur.
Lankoron 31.05.2017
2. 40 Millionen für ein Leistungszentrum,
das Aufgaben wahrnehmen wird, die gar nicht der Hoheit des DFB unterliegen. Die Jugendarbeit findet in den Vereinen statt...wie oft würde denn die Akademie überhaupt genutzt? Und was könnte man mit dem Geld sinnvolleres anstellen...Amateure unterstützen, tatsächliche Jugendarbeit unterstützen, gegen Gewalt arbeiten, gegen sexuelle Diskriminierung....aber dafür hat man nur Peanuts übrig, für ein paar Werbebanner.
stefanmargraf 31.05.2017
3. Tja, die Gallier...
wird wohl nicht so einfach sein. In Rostock gibt es ein großes Areal mit 12 Fussballplätzen. Einfach mal anrufen.
milhouse_van_h. 31.05.2017
4. Posse hin, Posse her, das ist Demokratie
Danke Deustchland, dass wie in diesem Fall jeder das Recht hat sein Recht durch zu setzen oder sich zu wehren. Den Menschen in den WM-Länderm Brasilien, Russland und auch Katar hat man dieses Recht einfach genommen. Frankfurter, wehrt Euch! Freu Dich DFB!
Crom 31.05.2017
5.
Dann hoffe ich mal die Stadt wird den Herrn Adligen entsprechend in Regress nehmen, wenn die Urteile gefällt sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.