Remis im Spitzenspiel Balljagdfieber bei Ajax und Eindhoven

Topspiel stand drauf, Topspiel war drin: Beim Duell Erster gegen Zweiter holte Ajax eine 2:0-Führung der Gäste aus Eindhoven auf. Es gab zwar keinen Mario Götze zu sehen, aber tolle Tore, reichlich Tempo und viele Talente.
Cody Gako (M.) wird von Ajax-Spielern Nicolas Tagliafico (l.) und Davy Klaassen (r.) gestoppt

Cody Gako (M.) wird von Ajax-Spielern Nicolas Tagliafico (l.) und Davy Klaassen (r.) gestoppt

Foto: Dean Mouhtaropoulos / Getty Images

Ball verloren, Ball gewonnen: Pressing und Gegenpressing wie aus dem Lehrfilm boten die beiden Spitzenteams der Eredivisie. In der ersten Halbzeit zelebrierte der Gast aus Eindhoven die fulminante Balljagd, in der zweiten Hälfte war es Rekordmeister Ajax, der zeitweise mit vier Spielern am gegnerischen Strafraum attackierte. Belohnt wurden beide Teams mit einem Punkt, die Zuschauer und Zuschauerinnen mit vier Toren und 90 intensiven Minuten.

Das Ergebnis: Im Spitzenspiel Erster gegen Zweiter trennten sich Tabellenführer Ajax Amsterdam und die PSV Eindhoven 2:2 (1:2).

Die erste Hälfte: PSV-Defensivmann Oliver Boscagli spielte nach knapp 100 Sekunden einen Ball an die Strafraumkante, den Donyell Malen genial mit der Hacke in den Lauf von Eran Zahavi verlängerte. Der Israeli, von Trainer Roger Schmidt aus China geholt (dort 91 Treffer in 106 Spielen), veredelte den Angriff mit einem Abschluss vorbei an Ajax-Torhüter André Onana – 0:1. Malen auf Zahavi – so hieß es auch beim 2:0 für die PSV (21.). Der 33-Jährige hatte in den vergangenen vier Partien wegen einer Covid-19-Infektion gefehlt. Und Ajax? Brauchte fast eine halbe Stunde, um ins Spiel zu kommen: Erst traf Dusan Tadic nur den Außenpfosten (28.), dann bereitete der Serbe das 1:2 durch Quincy Promes (40.) mit einer starken Hereingabe von der linken Seite aus vor.

Kein Götze: »Mario Götze ist eigentlich zu gut für die Niederlande«, sagte Sebastian Polter, Stürmer von Fortuna Sittard, einen Tag vor dem Spitzenspiel. Er war aber auch zu verletzt für einen Einsatz; hartnäckige Muskelprobleme zwangen den 29-Jährigen zum Verzicht.

Eine Hälfte Haller: Mehr als 22 Millionen Euro ließ sich Ajax Sébastien Haller von West Ham United kosten. Der ehemalige Frankfurter wurde damit zum teuersten Spieler der niederländischen Ligageschichte. Bereits von 2015 bis 2017 hatte Haller unter Trainer Erik ten Hag beim FC Utrecht gespielt. Dieser ließ ihn gegen die PSV erst einmal draußen. Und wechselte mit ihm dann doch noch den Punktgewinn ein.

Die zweite Hälfte: Ajax agierte nun mit viel offensiveren Außenverteidigern, intensivem Pressing und einem Haller, der sofort für Gefahr sorgte: In der 50. Minute stand er beim vermeintlichem 2:2 noch hauchdünn im Abseits, eine Viertelstunde später bereitete er mit viel Körpereinsatz im Fallen das 2:2 durch Antony vor (65.). Das Spiel nun aufregend: Ajax drückte, kam zu guten Gelegenheiten. Doch auch Eindhoven hatte in der Schlussminute noch die Riesenchance zum Siegtreffer.

Das Trainerduell: Bei einem Aufeinandertreffen von ten Hag und Schmidt schwingt auch immer ein wenig die Zukunft mit. Wohin geht es danach, welche große Klubtür geht für einen der beiden womöglich auf? In der Gegenwart sind sie für ein höchst unterhaltsames Titelrennen verantwortlich. Der 50-jährige ten Haag im Ajax-typischen 4-3-3, der im Sommer zur PSV gekommene Schmidt in einem 4-2-2-2. Beide können dieses Duell als Bestätigung ihrer Meisterschaftsambitionen werten.

So viel Talent: In solchen Begegnungen kann man die großen Talente erleben, bevor sie sich nach Spanien, Italien, England und Deutschland aufmachen. Ob Ryan Gravenberch,18, im defensiven Mittelfeld oder Flügelspieler Antony, 20, bei Ajax oder Innenverteidiger Jordan Teze, 21, und die Offensivspieler Cody Gakpo, 21, und Mohamed Ihattaren, 18, bei der PSV. Und Malen – auch erst 21 – sollte überall im Gespräch sein, wo im Sommer ein Topstürmer in den Top-4-Ligen ersetzt werden muss.

Der Ausblick: Spitzenspiel absolviert, schwere Aufgaben vor der Brust: Die PSV empfängt am 16. Spieltag den Fünften aus Alkmaar, Ajax muss zum Sechsten nach Enschede. Und da ist auch noch die Europa League: In der Zwischenrunde warten Olympiakos auf Eindhoven und Lille auf Amsterdam. Der letzte niederländische Europapokalsieg geht übrigens aufs Konto des aktuellen Dritten der Eredivisie: 2002 sicherte sich Feyenoord Rotterdam den Titel im Uefa-Cup (mit einem 3:2-Finalerfolg gegen Borussia Dortmund). Gegen Feyenoord muss Ajax im übernächsten Spiel ran. Auf zur nächsten Balljagd.