Erfolg in Stuttgart Cardoso führt Hamburg zum ersten Saisonsieg

Sein Mut wurde belohnt: Rodolfo Cardoso setzte bei seinem Debüt als Bundesliga-Trainer auf junge Spieler in der Offensive - und gewann mit dem HSV beim VfB Stuttgart. Den Job als Cheftrainer soll aber künftig ein anderer bekommen: der Niederländer Huub Stevens.

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Rodolfo Cardoso ballte die Fäuste, setzte einen kurzen Sprint an und sprang in die Luft. Gerade hatte sein HSV einen 0:1-Rückstand beim VfB Stuttgart in eine 2:1-Führung gedreht, da drehte der ehemalige Mittelfeldregisseur, der eigentlich die U23 der Hamburger betreut, an der Seitenlinie so richtig auf. Frei nach dem Motto: Seht her, mit dieser Mannschaft kann man durchaus gewinnen - wenn man sie richtig aufstellt. "Die Spieler sind Profis genug, sie kennen die Situation. Der Wille, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen, war heute zu spüren. Die drei Punkte waren verdient", jubelte Cardoso nach dem Schlusspfiff.

Die richtige Aufstellung zu finden wird allerdings künftig nicht mehr der Job des Argentiniers sein. Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung hat der HSV in Huub Stevens den Nachfolger für den zu Wochenbeginn freigestellten Michael Oenning gefunden. "Ich sage dazu nichts", so Sportchef Frank Arnesen. Ein Dementi klingt sicher anders.

Die Hamburger begannen vor 55.000 Zuschauern im Stuttgarter Stadion engagiert. Cardoso hatte das Mittelfeld umgebaut, setzte auf drei junge Spieler. Neben dem dribbelstarken Heung-Min Son (19 Jahre) und dem laufstarken Gökhan Töre (19) gab Cardoso U23-Talent Zhi-Gin Lam (20) eine Chance. Die Maßnahmen zeigten in der Anfangsphase Wirkung: Der HSV hatte zunächst mehr vom Spiel, jedoch ohne sich nennenswerte Torchancen zu erspielen.

Stuttgart fand erst nach einer Viertelstunde in die Partie, dafür dann aber gleich richtig. Zdravko Kuzmanovic zog von der Strafraumgrenze ab, HSV-Torhüter Jaroslav Drobny parierte den Ball unglücklich mit den Schienbeinen genau vor die Füße von Martin Harnik. Der Stuttgarter Stürmer schob den Ball aus kurzer Distanz durch die Beine von Innenverteidiger Jeffrey Bruma zum 1:0 ins Tor (18.).

Mit dem Gegentor kehrte auch die Verunsicherung beim HSV zurück. Stuttgart wollte jetzt mit aller Macht nachlegen und hätte bereits vier Minuten später das 2:0 erzielen müssen. Doch Cacau scheiterte nach einem sehenswerten Spielzug aus zwölf Metern mit seinem Flachschuss am Pfosten.

Cardoso: "Ich glaube, ich sitze auch im nächsten Spiel noch auf der Bank"

Im Anschluss dominierte der VfB die Partie gegen verunsicherte Hamburger, die sich trotz der lautstarken Aufforderungen Cardosos kaum konstruktiv aus der eigenen Hälfte befreien konnten. Christian Gentner vergab eine weitere Möglichkeit für die Gastgeber (30.) in einer insgesamt schwachen ersten Hälfte.

Das sollte sich mit Beginn der zweiten Hälfte ändern. Der HSV kam wie verwandelt aus der Kabine. In der 50. Minute dann die Belohung: Töre zirkelte einen Eckball direkt auf den Kopf von Bruma, der aus drei Metern zum Ausgleich traf. Kuzmanovic hatte seinen Gegenspieler im Strafraum laufen lassen und den Ball letztlich noch unglücklich mit dem Arm abgefälscht.

Der Treffer gab dem HSV weiteren neuen Schwung. Töre hatte kurz nach seinem Treffer gleich zwei gute Möglichkeiten, die Führung für die Gäste zu erzielen. Nach einer zu kurzen Abwehr von VfB-Torhüter Sven Ulreich schoss Töre über das Tor (54.), zwei Minuten später klärte Ulreich seinen Flachschuss.

Die Stuttgarter verloren jetzt von Minute zu Minute mehr die Kontrolle über das Spiel, fanden kaum noch den Weg vor das Tor der Hamburger. Die Gäste dagegen machten Druck - und wurden belohnt. Wieder war es eine Ecke von Töre, die zum Torerfolg führte. Über Heiko Westermann kam der Ball zu Robert Tesche, der aus sieben Metern in die Torwartecke traf.

Cardoso schien nach seinem ersten Erfolg als Bundesliga-Chefcoach auf den Geschmack gekommen zu sein. "Ich glaube, das war die Wende, und ich werde auch im nächsten Spiel noch auf der Bank sitzen", sagte der Ex-Profi.

Währenddessen versuchte Arnesen im Interview mit dem Pay-TV-Sender Sky, den aktuellen Stand in Sachen Trainersuche so gut es geht zu umschiffen. "Ich habe während des Spiels nicht mit Huub Stevens gesprochen", sagte der Däne, der allerdings noch einmal betonte, dass Cardoso keine Trainerlizenz besitzt. "Es ist sehr wichtig für uns, dass unser Trainer diesen Schein hat."

Alles sieht nach einem kurzen Gastspiel des Hamburger Publikumslieblings auf der Trainerbank aus. Cardoso war das an diesem Abend egal. Er ließ sich von den Fans für den so lange ersehnten ersten Saisonsieg feiern.



insgesamt 20 Beiträge
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Pacolito, 23.09.2011
1. Hmm...
Zitat von sysopSein Mut wurde belohnt: Rodolfo Cardoso setzte bei seinem Debüt als Bundesliga-Trainer auf junge Spieler in der Offensive - und gewann mit dem HSV beim VfB Stuttgart. Den Job als Chetrainer soll aber künftig ein anderer bekommen: der Niederländer Huub Stevens. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,788137,00.html
In die Top10 der größten Fehlentscheidungen in der 125 jährigen HSV Geschichte schafft es die Verpflichtung von Oenning als Chef-Trainer allemal.
zxmma23 23.09.2011
2. Nein!
Ja ich freu mich auch total. Aber viel wichtiger als der Sieg: Bitte bitte kein Stevens!!!
odins_krautsalat 23.09.2011
3. Cardoso
Wenn die Lage des HSV momentan nicht so prekär und Herr Cardoso im Besitz einer Trainerlizenz wäre - ich würde an ihm festhalten. Natürlich nur rein intuitiv. Verständlich, dass man in der jetzigen Situation lieber einen erfahrenen Trainer (offensichtlich ja Stevens) holt. Aber vielleicht wäre Cardoso - irgendwann mal mit einer Trainerlizenz - ja eine Option für spätere Zeiten!? Mal gucken, was Stevens beim HSV bewirken kann, sollten die Berichte über seine Verpflichtung tatsächlich stimmen.
arthuranton 23.09.2011
4. HSV im Aufwind
Bravo HSV - weiter so! Der "Dino" muß in der Liga bleiben!
Koltschak 24.09.2011
5. Na...Geht doch!
Und am Ende Qualifikation: HSV - St. Pauli! Und tschüß Pauli! Nie mehr erste Liga. Nein, ich habe selbst nicht daran gedacht, dass der HSV noch ein Spiel gewinnen kann. Weiter so, Herr Cardoso!
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